Kickers Offenbach

OFC kritisiert Pause bis 1. Dezember: „Keine Lösung, sondern eine Farce“

Die Partie gegen Schott Mainz (blaue Trikots) wird für Malte Karbstein (rechts) und Kickers Offenbach für mindestens vier Wochen das letzte Spiel gewesen sein. Die Regionalliga Südwest setzt zunächst bis Ende November aus.
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Die Partie gegen Schott Mainz (blaue Trikots) wird für Malte Karbstein (rechts) und Kickers Offenbach für mindestens vier Wochen das letzte Spiel gewesen sein. Die Regionalliga Südwest setzt zunächst bis Ende November aus.

Die Entscheidung in der Fußball-Regionalliga Südwest ist gefallen. Aber sie fiel nicht so aus, wie man das bei Kickers Offenbach erhofft hatte.

Offenbach – Als letzte der fünf Staffeln der Fußball-Regionalliga hat gestern auch der Südwesten geklärt, wie der erneute Lockdown einzustufen ist. Im Einvernehmen mit der Gesellschafterversammlung habe die Spielkommission entschieden, die bis Ende des Monats angesetzten Partien abzusetzen, teilte die Regionalliga Südwest GbR mit. Ab dem 1. Dezember werde der Spielbetrieb nur dann wieder aufgenommen, „wenn in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland spätestens ab dem 17. November 2020 ein Mannschaftstraining unter Wettkampfbedingungen zulässig ist“, heißt es in der Mitteilung. Genau dies ist in Rheinland-Pfalz aktuell aber nicht der Fall, da die Regional- dort als Amateurliga gilt.

OFC: Enttäuschung über Aussetzung des Spielbetriebes

Angesichts dieser Tatsache war zwar die vorläufige Aussetzung des Spielbetriebes erwartet worden, bei den Verantwortlichen des OFC stieß die Entscheidung trotzdem auf wenig Gegenliebe. „Das ist kein Kompromiss, kein Lösungsansatz, gar nichts“, ärgerte sich Thomas Sobotzik, Geschäftsführer der Kickers. Einmal in Rage, legte der 46 Jahre alte Ex-Profi nach: „Das ist eine Farce, eine absolute Bankrotterklärung. Der Verband zerstört sich auf diese Weise selbst.“ Die nun getroffene Entscheidung helfe auch denen nicht, die sich für eine Pause ausgesprochen hatten. „Kurzarbeit ist so kaum möglich. Wie will man das machen?“, fragte Sobotzik angesichts der Tatsache, dass der Spielbetrieb theoretisch im Dezember wieder aufgenommen wir. „Wir sind ja keine Büroleute, die nach Hause gehen, und dann, wenn sie zurückkommen, nur den Computer hochfahren müssen.“

Bei den Kickers geht es also erst mal weiter wie bisher. „Die Mannschaft muss ja trainieren“, um auf den Fall der Fälle vorbereitet zu sein, betonte Sobotzik. Den Regionalligisten aus Hessen, Baden-Württemberg und dem Saarland ist das möglich, da sie von ihren Landesregierungen dem Profisport zugerechnet werden. Dass man in Rheinland-Pfalz zu einer anderen Beurteilung kommt, verwundert den OFC-Geschäftsführer. Zumal die Situation dort unterschiedlich gehandhabt wird. So durfte der FK Pirmasens bis zur Klärung der Frage nach einer Unterbrechung des Spielbetriebs trainieren, um für den Fall, dass es bereits am Wochenende weitergegangen wäre, keinen Wettbewerbsnachteil zu haben. Es wäre für Sobotzik daher logisch, die Genehmigung aufrecht zu erhalten. Der FSV Mainz 05 II darf hingegen seit Montag nicht trainieren, obwohl das Pensum dem des Erstliga-Teams entspricht. „Das findet man dort gar nicht toll“, weiß Sobotzik. „Es ist deren Geschäftsmodell, Spieler über die zweite an die erste Mannschaft heranzuführen. Ohne diesen Karriereplan hätten die viele Spieler nicht bekommen.“

OFC: Wie geht es weiter mit dem Spielbetrieb?

Wäre es dann nicht Aufgabe der Regionalliga Südwest GbR, sich auf politischer Ebene für eine einheitliche Regelung einzusetzen? „Der Verband müsste erst mal wissen, was er will“, meint der OFC-Geschäftsführer. In der Regionalliga West habe man es gewusst. Sie ist die einzige der fünf Staffeln, in der weiter gespielt wird.

Die Regionalliga Südwest GbR will zwar mit den Ministerien reden, sieht die von ihr gemanagte Spielklasse aber als eine Liga an, „in der überwiegend zwar Vertragsspieler zum Einsatz kommen, von wenigen Ausnahmen abgesehen aber nur im Rahmen einer Nebentätigkeit“. Also: Amateursport. Sobotzik widerspricht dem. „Es sind einzelne Vereine als Amateure eingestuft. Jemand, der einen Vertrag hat, ist aber Berufssportler. Und vielen Leuten in der Liga ist es nicht möglich, ihrem Beruf nachzugehen. Es ist Aufgabe des Verbandes, es zu ermöglichen. Der Verband finanziert sich aus unseren Beiträgen, er sollte versuchen, Lösungen zu finden.“

OFC: Offener an Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR

Ob der OFC, wie in einem Offenen Brief an Sascha Döther, den Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR, angedroht, juristisch gegen die Spielunterbrechung vorgehen wird, ließ Sobotzik offen: „Wir müssen uns erst mal sammeln, mit allen beteiligten Parteien sprechen, uns beraten lassen und dann gucken, was möglich ist.“

Dass die Regionalliga Südwest GbR mit dem Hinweis, dass es Bayern Alzenau als Mitglied des Hessischen Fußball-Verbandes zumutbar sei, sich eine Trainings- und Spielstätte in Hessen zu suchen, eine Forderung des OFC umsetzte, war für Sobotzik kein Trost. „Für diese Entscheidung muss ich keinem eine Krone aufsetzen, sie ist für mich selbstverständlich.“

Weiter geht’s für den OFC also frühestens am 5. Dezember - mit dem Derby gegen den FSV Frankfurt. 2020 stehen zudem noch die Spiele in Walldorf (12.12.) und gegen Aalen (19.12.) an. Von Christian Düncher

Duo kuriert sich aus, Vetter trainiert wieder

Die Unterbrechung des Spielbetriebs in der Regionalliga Südwest hat zumindest für zwei Spieler der Offenbacher Kickers eine positive Seite: Sie können ihre Verletzungen in Ruhe auskurieren. Marco Fritscher, der sich gegen Schott Mainz eine Bänderverletzung im Fuß zugezogen hatte, wird diese Woche nur individuell trainieren. Auch Florent Bojaj (Knieprobleme) soll es etwas ruhiger angehen lassen. „Es ist aber nicht schlimm“, betonte Trainer Angelo Barletta, der ab morgen auch wieder Maik Vetter (hatte sich vor zwei Monaten eine Sehnenverletzung zugezogen) im Mannschaftstraining begrüßen kann. (cd)

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