Kickers Offenbach

OFC: Mit Mut und Mentalität

Party statt Pfiffe: Mit sechs Siegen in Folge haben die Offenbacher Kickers für einen Stimmungswandel gesorgt. Hier feiern Osarenren Okungbowa (Mitte) und seine Kollegen den jüngsten 4:0-Heimerfolg gegen Steinbach.
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Party statt Pfiffe: Mit sechs Siegen in Folge haben die Offenbacher Kickers für einen Stimmungswandel gesorgt. Hier feiern Osarenren Okungbowa (Mitte) und seine Kollegen den jüngsten 4:0-Heimerfolg gegen Steinbach.

Kickers Offenbach hat in der Fußball-Regionalliga Südwest den Turnaround geschafft. Und wie. Die Gründe für den Umschwung.

Offenbach – Die Fans des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach reiben sich verwundert die Augen. Auf das schaurige Ende des Septembers mit zwei Pleiten in Folge (unter anderem 0:1 zu Hause gegen das damalige Schlusslicht Schott Mainz) und „Trainer raus“-Rufen folgte trotz vieler Ausfälle ein wahrhaft goldener Oktober: sechs Spiele, sechs Siege bei 20:1 Toren. Nach dem jüngsten 4:0 (2:0) im Verfolgerduell gegen den TSV Steinbach Haiger ist der zwischenzeitlich bis auf Platz zehn abgerutschte OFC wieder ein ernsthafter Titelanwärter. Eine wundersame Wandlung. Aber wie kam es dazu? Eine Analyse.

Die personellen und taktischen Änderungen: Nach dem Tiefpunkt (0:1 gegen Schott Mainz) zog Trainer Sreto Ristic Konsequenzen, verzichtete fortan auf den klassischen Abräumer vor der Abwehr (bis dahin Osarenren Okungbowa). Im zentralen Mittelfeld agieren die Kickers seitdem mit einem spielstarken Trio. Das wirkt sich positiv auf die Offensive aus (seitdem stieg die Torquote von 0,9 auf 1,8), ohne die ohnehin starke Defensive (ließ erst acht Gegentore zu, mit Abstand Ligabestwert) zu schwächen. Vor allem die Hereinnahme von Florent Bojaj zahlte sich aus. Der „Krieger“, der zwischenzeitlich nur Ersatz war, wird seinem Spitznamen wieder gerecht. Er kämpft, behauptet den Ball und hat eine geringe Fehlpassquote.

Der breite Kader: Dank der Anhäufung guter Spieler war der OFC bislang in der Lage, die zahlreichen Ausfälle zu kompensieren. Als Innenverteidiger Malte Karbstein ausfiel, schloss Moody Chana die Lücke. Nach dessen Verletzung sprang der als Sechser geholte Osarenren Okungbowa ein. Der 27-Jährige, der diese Position von vorherigen Stationen kennt, agiert im Abwehrzentrum wesentlich souveräner als im Mittelfeld.

Ähnlich verhält es sich in der Offensive: Dass Torjäger Dejan Bozic (acht Treffer) in zwei Spielen fehlte, fiel nicht ins Gewicht, auch weil Elia Soriano (erzielte zweimal das 1:0) in dieser Phase auftrumpfte. Nach dessen Kreuzbandriss war Bozic zur Stelle, erzielte als Einwechselspieler beim 4:0 gegen Aalen ein Tor und bereitete eins vor. Und dann ist da ja auch noch der mit 18 Treffern beste OFC-Torschütze der vergangenen Runde, Mathias Fetsch: Der 33-Jährige übernahm beim jüngsten 4:0 gegen Steinbach in Abwesenheit des gesperren Tunay Deniz die Rolle des Pressing-Organisators und krönte seine Leistung mit einem Tor sowie einer Vorlage.

Geduld und Vertrauen: „Bei uns ist jeder Spieler wichtig“, betont Coach Sreto Ristic permanent. Einige mussten aber lange auf ihre Chance warten, waren dann aber sofort zur Stelle. Wie Chana - oder Fetsch, der erst am 15. Spieltag sein Debüt in der Startelf gab. Beide ließen sich nie hängen. Auch Ristic blieb geduldig - zum Beispiel mit Rafael Garcia. Der erst nach dem Saisonstart aus der 3. Liga geholte Offensivmann wurde den Erwartungen anfangs nur bedingt gerecht, stand aber mit einer Ausnahme stets in der Anfangsformation. Das zahlte sich aus: Garcia war in den vergangenen vier Partien an sieben Toren beteiligt. Gegen Steinbach zeigte er eine Gala-Vorstellung. „Ich war zu 100 Prozent von ihm überzeugt, da ich schon zwei Jahre in Chemnitz mit ihm gearbeitet hatte. Ich weiß, dass er noch besser wird“, so Ristic.

Mentalität: Maik Vetter hat die Tugenden, die beim OFC gerne gesehen werden, schon immer vorgelebt. Aber auch andere sind in Sachen Kampf und Einsatzbereitschaft Vorbilder. Serkan Firat etwa arbeitet als offensiver Außen extrem viel nach hinten. Und Denis Huseinbasic erzwang gegen Aalen vor dem 1:0 per Sprint den Fehler des Torwarts. Zudem agiert der 20-Jährige für sein Alter extrem abgezockt - egal, ob als Achter oder Sechser.

Die Standards: Die ruhenden Bälle, in der vergangenen Saison noch eine große Stärke der Kickers, brachten zu Beginn der Runde wenig Ertrag. Zuletzt hatte Ristic in diesem Punkt aber eine deutliche Verbesserung verspürt. Gegen Steinbach machte sich das auch bezahlt. Das 2:0 fiel nach einstudiertem Freistoß und auch darüber hinaus gab es gute Varianten - wie den Chipball auf Sebastian Zieleniecki vor Fetschs Chance.

Das Verhältnis zwischen Anhängern und Team: Die Mannschaft hat sich - nachdem es zwischenzeitlich Pfiffe und sogar Beleidigungen gegeben hatte - wieder in die Herzen der Fans gespielt: erst mit Resultaten, dann mit guten Leistungen. Beide bilden wieder eine Einheit. In den letzten Spielen mangelte es auch in schwächeren Phasen nicht an Unterstützung von den Rängen. Gegen Steinbach war der Bieberer Berg phasenweise das, was Gästetrainer Adrian Alipour erwartet hatte: ein Hexenkessel. Zuletzt ging die Zuschauerzahl zudem wieder nach oben: die 6119 gegen Steinbach bedeuteten Saisonrekord - auch ligaweit. (Von Christian Düncher)

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