Ganzheitliche Ausbildungsmethoden

Neuer Weg zum ersten Stern

Offenbach - Agenda 2018 haben die Verantwortlichen der Offenbacher Kickers ihre Vision einer Zukunft des Traditionsvereins vom Bieberer Berg getauft.

Einen Baustein dieser strategischen Neuausrichtung stellte der OFC-Vorstand um Präsident Claus-Arwed Lauprecht am Mittwoch offiziell vor. Alfred Kaminski wird als Technischer Direktor Sport mit Sitz und Stimme im Präsidium mit einem Vertrag bis Juni 2017 ausgestattet und komplett von Sponsoren bezahlt. Vorerst nur für die Nachwuchsabteilung im OFC e. V. zuständig, soll er nach Abschluss des Insolvenzverfahrens die sportliche Leitung in der Profi GmbH übernehmen.

„Wir mussten unsere sportliche Kompetenz im Präsidium stärken“, erklärte OFC-Vizepräsident Thomas Delhougne bei der Vorstellung des 49-Jährigen, an der kein GmbH-Verantwortlicher teilnahm. Kaminski, der zuletzt als Talentscout und Chefanalytiker beim Zweitligisten VfR Aalen arbeitete, soll zunächst die Entwicklung einer gemeinsamen Philosophie vorantreiben. „Wir müssen wieder ein Ausbildungsverein werden“, betonte OFC-Vizepräsident Peter Roth, der die Stärkung des Nachwuchsleistungszenrums als eine zentrale Aufgabe bezeichnete: „Eltern, deren Kinder Fußball spielen wollen, sollen künftig nicht am OFC vorbeikommen.“

Zertifizierung durch den Deutschen Fußball-Bund

Der „neue Weg“ (Roth) soll schon bald zum ersten Stern führen. „Bei der Zertifizierung durch den Deutschen Fußball-Bund im Jahr 2015 wollen wir mit einem Stern ausgezeichnet werden“, sagte Roth. Bislang erhält der OFC als zertifiziertes Leistungszentrum 50.000 Euro pro Jahr vom DFB, eine Kategorie höher wären es 160 000 Euro. Dafür müssten unter anderem hauptamtliche Übungsleiter und ein zusätzlicher Trainingsplatz mit Flutlicht vorgewiesen werden.

Ob und in welcher Form Kaminski den für die Regionalliga-Profis verantwortlichen Trainer Rico Schmitt, der sich gestern nach dem Vormittagstraining in einen Kurzurlaub verabschiedete, unterstützt, soll noch erörtert werden. „Wir werden zusammen wachsen“, ist Kaminski überzeugt. „Rico Schmitt hat uns zugesagt, dass er diesen neuen Weg mitgeht“, ergänzte Roth. OFC-Präsident Claus-Arwed Lauprecht stellte derweil klar: „Wenn das Insolvenzverfahren der Profi GmbH abgeschlossen ist, soll Alfred Kaminski auch deren sportliche Leitung übernehmen.“

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Der neue Technische Direktor Sport überzeugte die Verantwortlichen mit seinem Ansatz einer ganzheitlichen Ausbildung. Der frühere Zollfahnder will für den OFC nach Spielern fahnden, die bereit sind, Verantwortung auch abseits des Platzes zu übernehmen. „Wir haben so viele Aufgaben beim OFC, da gibt es genügend zu tun.“ Nicht jeder Spieler werde es auf Dauer als Profi schaffen, daher sei es umso wichtiger, alternative Perspektiven zu skizzieren. Als Beispiel nannte er seine Zeit beim 1. FC Saarbrücken, bei dem er von 2006 bis 2008 als U23-Trainer und später als Chefcoach arbeitete. „In meiner Mannschaft wollten alle Profis werden“, sagt er. Geschafft haben es aber nur Mike Frantz (1. FC Nürnberg) und Philipp Wollscheid (Bayer Leverkusen). „Frank Sänger arbeitet heute dafür als Physiotherapeut beim 1. FC Kaiserslautern“, so Kaminski.

„Die Entscheidung für Kaminski ist keine Entscheidung gegen Ramon Berndroth“, erklärte Roth. Der einstige Sportkoordinator hatte sich Ende 2013 verabschiedet. Er wird ab Februar ein Amt im Nachwuchsleistungszentrum des SV Darmstadt 98 übernehmen. „Kaminski ist menschlich und fachlich einwandfrei, er passt zum OFC“, lobte Berndroth.

Rubriklistenbild: © Hübner

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