Kickers Offenbach

OFC-Matchwinner Bojaj: Erst schlampig, dann effektiv

Freude über den Führungstreffer: OFC-Torschütze Florent Bojaj (Mitte) dreht nach dem 1:0 gegen Bayern Alzenau jubelnd ab. Mit ihm freuen sich Jakob Lemmer (vorne links) und Vorlagengeber Marcell Sobotta (hinten). Der Ex-Offenbacher Marco Ferukoski lässt den Kopf hängen.
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Freude über den Führungstreffer: OFC-Torschütze Florent Bojaj (Mitte) dreht nach dem 1:0 gegen Bayern Alzenau jubelnd ab. Mit ihm freuen sich Jakob Lemmer (vorne links) und Vorlagengeber Marcell Sobotta (hinten). Der Ex-Offenbacher Marco Ferukoski lässt den Kopf hängen.

Kickers Offenbachs Florent Bojaj avanciert im Verfolgerduell der Fußball-Regionalliga Südwest gegen Bayern Alzenau (3:0) zum Matchwinner, zeigt sich aber selbstkritisch. Die Arbeitsteilung im Angriff mit Torjäger Mathias Fetsch funktioniert allerdings optimal.

Offenbach – Im Spiel zwischen Kickers Offenbach und Bayern Alzenau lief am Freitagabend die 72. Minute, als sich der Großteil der nur 100 zugelassenen Zuschauer klatschend von den Sitzen auf der Haupttribüne erhob: Applaus für den Matchwinner, der allerdings gar nicht wie einer wirkte. „Er weiß, dass er es besser kann. Das hat man an seiner Reaktion bei der Auswechslung gesehen“, sagte Kickers-Trainer Angelo Barletta über Florent Bojaj, der sein Team im letztlich klar mit 3:0 (0:0) gewonnenen Verfolgerduell der Fußball-Regionalliga Südwest per Doppelpack (52., 56.) auf die Siegerstraße gebracht hatte.

Beinahe wäre es gar nicht so weit gekommen. Barletta hatte überlegt, Bojaj zur Pause auszuwechseln, weil er mit dessen Vorstellung bis dahin nicht zufrieden war. Der Kickers-Coach beließ es jedoch dabei, den unauffälligen Tim Dierßen durch Luigi Campagna zu ersetzen und Bojaj auf dem Platz zu lassen. Beides zahlte sich aus. Erst traf Bojaj nach Doppelpass mit Marcell Sobotta zum 1:0, kurz darauf legte er nach Zuspiel von Tunay Deniz das 2:0 nach. „Er ist vor dem Tor eiskalt“, lobte Deniz den Matchwinner, der in der Tat durch große Effektivität besticht. Gegen Alzenau schoss er dreimal auf das Tor - und traf zweimal.

Kickers Offenbach: OFC gegen Bayern Alzenau - Bojaj mit Leistung nicht zufrieden

Kein Wunder, dass der 24-jährige Albaner in den obligatorischen Kreis gebeten wurde, den Spieler und Trainer nach jeder Partie bilden. „Wir haben ihm gratuliert“, berichtete Deniz. Die Glückwünsche nahm Bojaj jedoch widerwillig entgegen. „Trotz der zwei Treffer bin ich mit meiner Leistung nicht zufrieden. Es war nicht mein bestes Spiel“, gab der Zugang nach dem ersten Doppelpack im OFC-Trikot auf Englisch zu Protokoll. In der ersten Hälfte habe er nicht seine Qualität gezeigt und ein paar einfache Pässe etwas „sloppy“ (schlampig) gespielt.

Da stellt sich fast schon die Frage, zu was dieser junge Mann, der lange im körperbetonten britischen Fußball aktiv war und zuletzt beim bulgarischen Erstligisten Etar Veliko Tarnovo vom einstigen Weltklasse-Fußballer Krassimir Balakov (saß gegen Alzenau als Zuschauer auf der Tribüne) trainiert wurde, noch zu erwarten ist. Bei den Kickers trauen ihm einige zu, durchaus zwei Klassen höher spielen zu können.

Auch Barletta deutete an, dass Bojaj noch weit von der Bestform entfernt ist. „Wir müssen ihm Zeit geben“, sagte der OFC-Trainer. „Er hatte kein Trainingslager, weil er verletzt war.“ Dennoch habe er ihn nach drei kurzeren Einsätzen „gezwungen“, gegen Steinbach durchzuspielen. In Freiburg stand Bojaj anschließend 87 Minuten auf dem Platz. Gegen Alzenau war nun eine Viertelstunde vor Schluss für ihn Feierabend. „Das steckt ihm alles in den Knochen“, betonte Barletta, der froh ist, dass nun keine englische Woche ansteht, und den Spielern daher zwei freie Tage gönnte.

Man könne sich nun „etwas entspannter“ aufs nächste Topspiel beim SSV Ulm 1846 am Freitag (19 Uhr) vorbereiten, sagte der Kickers-Coach. Zu der Entspannung trägt auch bei, dass die Arbeitsteilung zwischen Bojaj und Mathias Fetsch optimal funktioniert. Seit dem zweiten Spieltag hat immer einer der zwei Angreifer getroffen. Als Fetschs Serie von fünf Toren in vier Spielen nun gegen Alzenau riss, traf Bojaj doppelt. Sein erstes Tor hatte er in Großaspach erzielt, dort war Fetsch leer ausgegangen. Es sei „beruhigend“, zu wissen, dass man zwei so gute Angreifer hat, gab Barletta zu. Fetsch sei ein guter Zielspieler im Zentrum, ergänzte Bojaj. Er selbst spielte lieber etwas hängend. „Er hat die nötige Stabilität, um den Ball zu sichern“, lobte Deniz. „Er kann als Stoßstürmer spielen, aber auch aus der Tiefe kommen und sucht immer den Weg in den Strafraum.“ So wie bei den zwei Treffern gegen Alzenau. (Von Christian Düncher)

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