Kickers Offenbach

OFC-Präsident Wagner über Spielausfall als „Horror-Szenario“

Hand in Hand für den OFC: Präsident Joachim Wagner (rechts) kämpft mit Geschäftsführer Thomas Sobotzik (links) darum, dass die vorerst bis Monatsende unterbrochene Saison in der Regionalliga Südwest fortgesetzt wird.
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Hand in Hand für den OFC: Präsident Joachim Wagner (rechts) kämpft mit Geschäftsführer Thomas Sobotzik (links) darum, dass die vorerst bis Monatsende unterbrochene Saison in der Regionalliga Südwest fortgesetzt wird.

Der Präsident der Offenbacher Kickers, Joachim Wagner, spricht über unverschuldete Probleme, ein „Horrorszenario“ und die Verantwortung, die er als Clubboss und Sponsor gegenüber dem OFC hat.

  • Der OFC-Präsident spricht im Interview über die derzeitige Situation von Kickers Offenbach.
  • Die Corona-Krise wirkte sich auch auf den OFC und die gesamte Regionalliga Südwest dramatisch aus.
  • Er spricht unter anderem über ein Horrorszenario und die Verantwortung der Offenbacher Kickers gegenüber Fans und Sponsoren.

Wie viel Spaß bereitet es Ihnen derzeit, Präsident des OFC zu sein?

Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass ich mich aktuell nicht so viel mit Problemen beschäftigten müsste. In einer solchen Phase geht es nicht in erster Linie um Spaß, sondern um Verantwortung. Es ist aber wie es ist. Da müssen wird nun durch.

Sind Sie aktuell in großer Sorge um Ihren Verein?

Wo Probleme sind, da sind auch immer Sorgen. Wir sind es beim OFC aber gewohnt, zu kämpfen - und das werden wir auch tun.

OFC: Präsident der Offenbacher Kickers über Verpflichtung gegenüber Fans und Sponsoren

Der OFC leidet am meisten unter den Zuschauerbeschränkungen, setzt sich aber am vehementesten für eine Fortsetzung des Spielbetriebs ein. Warum?

Wir haben gewissermaßen gegenüber der Stadt, der Region, unseren Fans, Sponsoren und Mitarbeitern eine Verpflichtung, alles dafür zu tun, dass wir die Saison zu Ende spielen. Das ist jedoch massiv gefährdet, wenn wir dieses Jahr nicht mehr spielen. Viele denken da zu kurz. Im November ohne Zuschauer zu spielen, ist besser, als gar nicht zu spielen. Wir wissen zudem, wie viele Leute für diesen Club brennen, denen wollen wir in schwierigen Zeiten Ablenkung bieten.

Und wie schaut es mit den wirtschaftlichen Aspekten aus?

Sogar bei Geisterspielen können wir unseren Werbepartnern zumindest eine gewisse Gegenleistung bieten - zum Beispiel durch Videoübertragung. Zudem haben wir auch dem Fiskus gegenüber eine Verantwortung. Daher wollten wir nicht sofort sagen, dass alle in Kurzarbeit gehen. Das belastet den Staat ja. Man sollte nicht immer versuchen, sofort Probleme auf andere Schultern zu laden, auch wenn wir unverschuldet in diese Situation geraten sind.

Andere Vereine haben sofort Kurzarbeit beantragt.

Das ist legitim. Wir hingegen haben die Entscheidung notgedrungen vertagt. Wir sind ambitioniert, haben sportliche Ziele und gehen davon aus, dass es Anfang Dezember weitergeht. Für uns stünde dann gleich das Derby zu Hause gegen den FSV Frankfurt an. Da können wir nicht bis 17. November nichts machen und dann innerhalb weniger Tage alles hochfahren.

Offenbacher Kickers: Unterbrechung des Spielbetriebs als „Horrorszenario für die gesamte Liga“

Im Umfeld wächst die Sorge, dass aus dem angekündigten Dreijahresplan aufgrund der finanziellen Einbußen, die diese Saison mit sich bringt, ein Zweijahresplan werden könnte und Sie die Lust verlieren...

Aktuell schauen wir, ob und wie wir die nächste Mitgliederversammlung im Januar durchführen können. Neuwahlen werden ein wichtiger Punkt sein. Ich bin niemand, der etwas beendet, wenn Probleme auftauchen. Das gilt für das gesamte Präsidium. Ob eins, zwei, drei oder fünf Jahre - wir haben einen Plan und halten daran fest. Ich stehe in der Verantwortung und werde nicht davonlaufen, sofern ich - und meine Präsdiumskollegen - von unseren Mitgliedern bestätigt werden.

Sie haben die Unterbrechung des Spielbetriebs als „Horrorszenario für die gesamte Liga“ bezeichnet. Können Sie das erklären?

Die Regionalliga Südwest hatte uns vor der Saison alle darauf eingestimmt, dass es eine lange Saison werden würde, wir flexibel sein und den Fairplay-Gedanken hochhalten müssen. Das alles bricht nun zusammen. Jeder wusste, dass Probleme auftauchen würden. Aber die kann man doch nicht lösen, indem man einfach nicht spielt. Um es noch mal klarzustellen: Wir fordern keine Spiele mit Zuschauern. Aber es gibt ja von Seiten der Liga nicht mal eine klare Sprachregelung. Es ist keine Führung da und es wurde nichts entschieden. Wir sind an die Börse gegangen.

Was meinen Sie damit?

Es weiß doch keiner, was er am besten machen soll. Gehen wir in Kurzarbeit, spielen aber im Dezember wieder, haben wir alles falsch gemacht, weil wir dann nicht gut vorbereitet sind. Machen wir es nicht und dieses Jahr wird nicht mehr gespielt, haben wir auch falsch entschieden. Das geht alles ins Spekulative. Mit uns hat seit Tagen keiner gesprochen. Die Vereine waren nicht in die Entscheidung miteinbezogen. Sogar der Ligasprecher wusste von nichts.

OFC: Gemeinsame Verantwortung die Saison zu Ende zu spielen

Andere Vereine können mit der Entscheidung offenbar gut leben. Wünschen Sie sich mehr Solidarität oder Verständnis für die Situation des OFC?

Es gibt Vereine, die Verständnis haben und weiterspielen wollen. Wir haben aber alle den Auftrag, natürlich unter Beachtung der Hygienekonzepte, die Saison zu Ende zu spielen. Das sehe ich gefährdet. Wenn einige dieses Ziel nicht verfolgen, finde ich das unprofessionell. Das geht zu Lasten anderer Vereine. Wir haben uns professionell vorbereitet, Geld in Kickers-TV und eine digitale Werbebande investiert. Jetzt lässt man uns im Regen stehen. Wir werden von Dritten massiv ausgebremst.

Haben Sie Verständnis für die Situation beziehungsweise Argumentation anderer Vereine?

Man muss stets versuchen, beide Seiten zu sehen. Wenn man in eine Regionalliga-Saison geht, weiß man aber, was auf einen zukommt und was einen erwartet, gerade in einer solchen Zeit.

Es gibt aber auch Amateure, die neben dem Fußball einen anderen Job haben und argumentieren, dass sie Probleme mit dem Arbeitgeben kriegen, wann sie Corona-bedingt fehlen.

Das Risiko, sich auf dem Rasen anzustecken, ist laut DFB-Studie extrem gering. Insofern ist diese Argument nicht ganz schlüssig. Noch mal: Die Hygienemaßnahmen sollten penibel eingehalten werden. Aber wir sind gemeinsam in der Verantwortung, die Saison zu Ende zu spielen. Sie ist nur unterbrochen, da die vier Teams aus Rheinland-Pfalz von der Landesregierung keinen Profistatus erhalten haben, was zumindest in der Hälfte der Fälle eine fragwürdige Entscheidung ist.

Kickers Offenbach: OFC-Präsident sieht Landesregierung in der Pflicht

Der OFC hat den Profistatus bescheinigt bekommen, erhält aber kein Geld aus dem vom Bund aufgelegten Hilfspaket „Coronahilfe Profisport“, weil man dafür in einer 1., 2. oder 3. Liga spielen muss. Wie bewerten Sie das?

Das ist schizophren. Wir haben diese Saison noch keinen Cent an Zuwendungen erhalten. Jeder, der einen Bauchladen hat, bekommt hingegen etwas. Das ist nicht sehr erfreulich. Wie in anderen Ländern sehe ich hier die Landesregierung in der Pflicht, nicht nur für den OFC etwas zu machen, sondern paritätisch danach, was jedem Club durch Geisterspiele an Zuschauereinnahmen entgeht. Bei uns sind das 70 Prozent, bei anderen zum Teil nur 20. Das ist für uns eine Katastrophe. Sogar bei nur 3000 Zuschauern hätten wir aufgrund der Hygienemaßnahmen ein Vielfaches der Nebenkosten, die sonst anfallen würden.

Sie hatten angekündigt, gegebenenfalls juristisch gegen die Unterbrechung des Spielbetriebs vorzugehen. Halten Sie daran fest?

Man muss natürlich schauen, ob es verhältnismäßig ist, eine ganze Liga pausieren zu lassen, weil vier Teams nicht trainieren und spielen dürfen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Schott Mainz müsste bloß über den Rhein und wäre in Hessen. Koblenz und Pirmasens sind auch nur einige Kilometer von den Landesgrenzen entfernt. Man könnte das Heimrecht tauschen, das ging bei Alzenau zu Beginn der Saison ja auch. Am Ende muss man miteinander reden und gemeinsame Lösungen erarbeiten, die für alle umsetzbar sind. (Interview: Christian Düncher)

Regionalliga-Saison kann bis 15. Juli verlängert werden

Thomas Sobotzik ist zuversichtlich, dass die Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest trotz der aktuellen einmonatigen Unterbrechung des Spielbetriebs zu Ende gebracht wird. „Ich bin ein optimistischer Mensch“, sagte der Geschäftsführer der Offenbacher Kickers, der glaubt, dass sich in Rheinland-Pfalz „etwas tun wird“. Vor allem der FSV Mainz 05, dessen zweite Mannschaft ebenso wie der TSV Schott Mainz, der FK Pirmasens und Rot-Weiß Koblenz derzeit nicht trainieren und spielen darf, werde sehr darum bemüht sein, „Gleichheit herzustellen“. Sofern das bis zum 17. November gelingt, soll die Saison ab Dezember fortgesetzt werden. Ein Terminproblem sieht Sobotzik aktuell nicht: „In den Statuten der Regionalliga Südwest ist verankert, dass die Saison bis zum 15. Juli verlängert werden kann. Es ist nach wie vor händelbar.“ (cd)

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