Ein Finne im Feiermodus

OFC: Pyysalo ist neuer Torjäger vom Dienst, aber die Offensive bleibt ein Problem

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Die geballte Faust muss als Geste reichen. OFC-Spieler Matias Pyysalo (Mitte) kommentierte seinen Siegtreffer beim Hessenpokalspiel in Alzenau gewohnt zurückhalten: „Ich stand zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

Kaum sinken die Temperaturen, avanciert der Finne Matias Pyysalo bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach zum Torjäger vom Dienst. Man könnte auch sagen: Es ist sein Wetter. Und das macht sich prompt bemerkbar.

Offenbach – In den vergangenen beiden Pflichtspielen erzielte er jeweils einen Treffer. Zwischendurch hatte sich das Nationalteam seines Heimatlandes erstmals für die EM qualifiziert. Der Finne ist also im Feiermodus, was man ihm jedoch immer nur kurzzeitig anmerkt.

Sein 16-Meter-Tor in der Ligapartie beim FC Gießen (1:1) hatte er bejubelt, indem er an seinem Trikot zog und auf den Knien dem OFC-Fanblock entgegengerutscht war. Dem Siegtreffer im Hessenpokal-Achtelfinale beim Ligarivalen Bayern Alzenau ließ er einen beherzten Lauf Richtung Eckfahne folgen – mit geballter Faust. Nach der Partie gab er sich jedoch wie immer: nordisch kühl. Zwar huschte ein Lächeln über das Gesicht des 24-Jährigen, aber Kampfansagen oder sogar eine Stammplatzforderung kamen nicht aus seinem Mund. Die Art, mit der er sein Tor in Alzenau kommentierte, war geradezu symptomatisch für den zurückhaltenden Mittelfeld-Akteur: „Ich stand zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“

OFC: „Die Variante hatten wir im Training geübt“

In der Tat hatte Pyysalo lediglich gestanden und den Treffer gar nicht aktiv erzielt. Nach einem Eckball von Manolo Rodas auf den kurzen Pfosten (Pyysalo: „Die Variante hatten wir im Training geübt“) hatte Francesco Lovric per Kopf verlängert und Pyysalo getroffen. Vom Finnen prallte der Ball wie bei einem Flipper ins Netz. Den Kickers war es egal. Dank des Tores lebt der Traum von der Qualifikation für den nationalen Cup-Wettbewerb weiter. „Das einzige Ziel im Pokal ist es, ihn zu gewinnen. Wir wollen damit auch etwas an unsere Fans zurückgeben, die uns immer unterstützen“, betonte Pyysalo mit Blick auf den sich 2020 zum 50. Mal jährenden DFB-Pokalsieg der Offenbacher Kickers.

Der Finne hofft zudem auf einen positiven Effekt für das Tagesgeschäft. Es ist immerhin schon mehr als sechs Wochen her, dass ein dreifacher Punktgewinn gelang. „Wir waren in den vergangenen Wochen etwas aus der Spur geraten, haben uns nun aber für die harte Arbeit belohnt. Wir müssen uns nun darauf fokussieren, das in der Liga fortzusetzen“, so Pyysalo.

OFC: Offensive bleibt das Problem

Das Problem bleibt weiterhin die Offensive. Auch in Alzenau tat sich der OFC, der in 17 Ligaspielen erst 21-mal traf (nur die Teams auf den fünf Abstiegsplätzen haben eine schlechtere Bilanz), in Strafraumnähe schwer. „Wir hatten wenige Chancen“, gab Lovric zu. Interimscoach Steven Kessler bescheinigte seinem Team zwar, „gut gespielt“ zu haben, sah aber in der ersten Hälfte bloß „ein, zwei gute Szenen vor dem Tor“. Die beste hatte Moritz Hartmann, der frei an Alzenaus Torwart Daniel Endres scheiterte. Im zweiten Durchgang zielten Maik Vetter und Nejmeddin Daghfous jeweils knapp vorbei. Das war es – bis Pyysalo angeköpft wurde.

Thomas Sobotzik, der neue Geschäftsführer des OFC, ist der Meinung, dass die Mannschaft „besser spielen kann und muss“, sagte angesichts die Negativserie in der Liga aber auch: „Die Leichtigkeit kann nicht da sein. Teilweise ging es nur um Fehlervermeidung. Es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns.“ Der Sieg in Alzenau kann aber Signalwirkung haben: „Jedes Erfolgserlebnis bringt einen weiter.“

VON CHRISTIAN DÜNCHER

Angelo Barletta muss sich noch gedulden, denn seine Premiere als Kickers-Coach gegen den VfR Aalen musste wegen der Platzverhältnisse abgesagt werden.

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