Mit sofortiger Wirkung

Spahn tritt als Präsident der Kickers zurück

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Helmut Spahn

Offenbach - Paukenschlag beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach: Knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt ist Präsident Helmut Spahn mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Als Grund gab der 57-jährige Froschhausener berufliche Gründe an. Von Jörg Moll

Die Nachfolge wird morgen in einer Sitzung von Verwaltungs- und Aufsichtsrat geregelt. Fünf Tage die Woche als Sicherheitschef des Weltfußballl-Verbandes FIFA in Zürich und auf dem gesamten Globus unterwegs, zwei Tage am Wochenende für Familie und Kickers Offenbach. Das Leben des Helmut Spahn unterliegt seit jeher einer besonderen Taktung. Und so überrascht es nicht, dass der 57-Jährige schon länger über einen Rücktritt nachdachte. Angedacht war, dass er bei der nächsten Mitgliederversammlung diesen Schritt vollzieht. Nach reiflicher Überlegung entschied er sich nun, den Schritt vorzuziehen und mit sofortiger Wirkung sein Amt zur Verfügung zu stellen.
„Seit Mai 2017 lebe ich in der Schweiz und bin beruflich sehr oft auch weltweit unterwegs“, erklärte er: Demzufolge bin ich für meine Familie und den OFC nur am Wochenende verfügbar. Gerade in den letzten Wochen und Monaten hat sich sehr deutlich gezeigt, dass diese für mich sehr fordernde Konstellation nicht optimal für den Verein und meine Familie ist.“

Michael Relic, der gemeinsam mit Spahn sowie Barbara Klein, dem 2017 offiziell aus dem Amt ausgeschiedenen Remo Kutz und Markus Weidner im November 2015 die Nachfolge des Teams um Claus-Arwed Lauprecht übernommen hatte, bedauerte den Rücktritt Spahns: „Es tut mir unheimlich leid, wir hatten immer eine gute Stimmung untereinander.“

Auch OFC-Geschäftsführer Christopher Fiori bedauerte Spahns Schritt, lobte die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden, über dessen Nachfolge ebenfalls am Freitagabend in der Gremiensitzung entschieden werden soll. Völlig offen ist, wie die Gremien die Frage nach der neuen Führung beantworten. Relic selbst drängt es nach eigenen Worten nicht in die erste Reihe. Laut Satzung müsse der Klub keinen kommissarischen Präsidenten stellen. Denkbar ist für ihn auch, im bestehenden Team wechselnd Verantwortung zu übernehmen.

Jahreshauptversammlung des OFC: Bilder

Spahn hatte als 29. Präsident der Kickers im November 2015 in schweren Zeiten und mit großen Zielen das Ruder von Lauprecht übernommen. Die Folgen des Insolvenzverfahrens 2013 waren ein schwerer Rucksack, den auch Spahns Team lange mit sich herumtrug. Dazu kamen die Spätfolgen des verpassten Aufstiegs 2015, die in erneuten schwerwiegenden finanziellen Problemen der Profi GmbH im Frühjahr 2016 mündeten. Der OFC trennte sich von Geschäftsführer David Fischer, Vizepräsident Remo Kutz übernahm - und meldete im Mai 2016 erneut Insolvenz an. Mit großer Mühe, der Spendenbereitschaft der Fans und Förderer des OFC und einem von Spahn initiierten Retterspiel gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München gelang es, ein zweites Insolvenzverfahren zu verhindern.

Gescheitert war Spahn dagegen in seinem Bemühen, die Folgen der zu spät angemeldeten Insolvenz und des daraus resultierenden Punktabzugs für die Saison 2016/2017 vor dem Schiedsgericht der Regionalliga abzuwenden. Mehr als zwei Jahre danach knabbern die Kickers immer noch an Altlasten. 2019 soll die letzte Rate in Höhe von 90.000 Euro für Abschläge für die Berufsgenossenschaft aus dem Jahr 2015 abgestottert sein. Die finanziellen Probleme sind ein Dauerthema beim OFC. „Dass Kickers Offenbach immer am Tropf hängt, wissen wir selbst“, sagt Michael Relic: „Wichtig wird sein, dass wir den Klub weiter entwickeln.“ Dass dies künftig ohne Spahn geschieht, bedauert Relic, sieht den Verein aber für die Zukunft aufgestellt. „Wir haben stets gesagt, dass, wer auch immer mal nicht mehr im Amt ist, der Verein nicht darunter leiden darf.“

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Geschäftsführer Christopher Fiori dementierte derweil gravierende Finanzprobleme. „Wir zahlen Gehälter, haben gerade 100.000 Euro Umsatzsteuer ans Finanzamt bezahlt.“ Dass der OFC in der Regionalliga kämpfen müsse, um zu überleben, ist für Fiori gelebter Alltag. Die Forderung des Geschäftsführers deckt sich daher auch mit dem vor Saisonbeginn von Spahn geäußerten Saisonziel Meisterschaft. „Wir müssen aus dieser Liga raus“, betont Fiori. Spahn wird dieses ambitionierte Vorhaben künftig als Zuschauer verfolgen.

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