Ungewissheit um Folgen einer möglichen Insolvenz des e.V. belastet

Spielberechtigung für OFC ein Fall für Juristen

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Kickers-Trainer Oliver Reck hat in einem ersten Gespräch mit Insolvenzverwalter Dr. Andreas Kleinschmidt bestätigt, auch künftig für den Verein am Ball bleiben zu wollen.

Offenbach - Eine Woche nach der Insolvenzanmeldung des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach kann Dr. Andreas Kleinschmidt keine Entwarnung geben. „Alle Szenarien sind weiterhin möglich“, sagt der Insolvenzverwalter nach der Zahlensichtung: „Also auch die positiven.“ Von Jörg Moll 

Immerhin: Am Freitag erhielt er nach einem ersten Gespräch mit Trainer Oliver Reck ein klares Bekenntnis für eine weitere Zusammenarbeit. Nach einem ersten Gespräch mit Trainer Oliver Reck hat Dr. Andreas Kleinschmidt einen positiven Eindruck gewonnen. „Herr Reck fühlt sich sehr verbunden mit dem Verein, er will sich einbringen“, konstatierte der Insolvenzverwalter. Mit Reck und Sportdirektor Sead Mehic besprach Kleinschmidt einen Fahrplan für die kommenden Tage, der auch informelle Gespräche mit Spielern vorsieht. Eine klare Aussage, dass es in der Regionalliga weitergeht für den OFC, vermied Kleinschmidt aber. Was auch daran liegen dürfte, dass er im Zuge der Unsicherheit um eine im Raum stehende Insolvenz des e.V. „noch keine hundertprozentige Aussage“ über die Spielberechtigung für die kommende Saison erhalten hat.

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte der Geschäftsführer der Regionalliga Südwest, Sascha Döther, dass eine Insolvenzanmeldung des Vereins keine Auswirkungen hätte. Was aber passiert, wenn beim e.V. auch ein Verfahren eröffnet wird, darüber vermied Döther jede Stellungnahme. Hintergrund ist, dass sich Juristen uneins sind, wie die insolvenzrechtlich übliche Löschung aus dem Vereinsregister für die Zeit eines Verfahrens zu bewerten ist. Denn: Besteht der Verein nach Abschluss eines Insolvenzverfahrens weiter, wird die Löschung ja wieder rückgängig gemacht.

Die Regionalliga-Statuten besagen diese Vorgehensweise: „Nach Paragraf 10, Nummer 3 der Zulassungsordnung verliert die Tochtergesellschaft mit Auflösung oder Verlust der Rechtsfähigkeit des Muttervereins ihr Antragsrecht für eine Zulassung für die folgende Spielzeit. Eine bereits erteilte Zulassung erlischt dann mit dem Ablauf des Spieljahres, für das sie erteilt worden ist.“ Auswirkungen auf die Teilnahme am DFB-Pokal hat die Insolvenz für den Hessenpokalsieger nur dann, wenn keine Spielberechtigung mehr vorliegt, teilte der Deutsche Fußball-Bund auf Anfrage mit. Die Spielberechtigung sei dabei unabhängig von der Spielklasse.

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Juristische Gefechte über Spielberechtigungen kommen Kleinschmidt extrem ungelegen, auch wenn er mit Blick auf das erste Verfahren vor drei Jahren noch weit entfernt ist von Panik: „Wir hatten damals noch weniger Zeit und Spieler, mussten noch mehr organisieren.“ Dennoch drängt die Zeit, zumal noch viele Probleme gelöst werden müssen. Am Freitag packte er sich Wochenendbeschäftigung ins Auto. Seine Lektüre am Samstag und Sonntag besteht aus Ordnern mit Zahlenmaterial und Verträgen. „Richtige Resultate haben wir noch nicht, wir sind noch in der Findung“, sagt der 43-Jährige. Auch zur Gläubigerstruktur nach der zweiten Insolvenzanmeldung binnen drei Jahren äußert sich der Anwalt nicht konkret. „Es gibt große und kleine“, sagt er nur und kündigte weitere Gespräche über Zahlungsvereinbarungen an. Parallel arbeitet er mit Geschäftsführer Remo Kutz daran, einen Etat für die kommende Saison sicher aufzustellen. Auch dabei wird zweigleisig geplant: „Wir rechnen mit einem Etat nach Abwendung der Verfahrenseröffnung und mit einem bei erneuter Planinsolvenz.“ Die Zusage des Stadionnamensgebers Sparda Bank, den OFC weiter zu unterstützen, wertete Kleinschmidt in diesem Zusammenhang als „erfreuliches Zeichen“. Weitere Gespräche sollen und müssen folgen, um eine Spielzeit finanziell darzustellen, betonte er.

Die ungewisse Zukunft belastet auch die Spieler, mit denen die sportliche Leitung vor der Insolvenzanmeldung einig war. „Ich bin noch nicht mal ein Jahr hier, aber zu sehen, wie unser Verein am Abgrund steht, macht mich unglaublich traurig“, sagt Innenverteidiger Thomas Franke. Der 28-Jährige, im Juli 2015 von der TSG Neustrelitz nach Offenbach gekommen, wiederholte seine Bereitschaft zu bleiben. „Ich habe die Info vom Verein bekommen, dass er weiter mit mir plant und ich habe das Feedback gegeben, dass ich mir das vorstellen kann.“ Nachdem nun aber weitere Signale seit Wochen ausgeblieben sind, „weiß ich nicht, wie und wo es mit mir weitergeht“. Marcel Gebers, mit dem der OFC nicht mehr plante, hat dagegen Gewissheit. Der Innenverteidiger hat sich Drittligaaufsteiger FSV Zwickau angeschlossen.

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