Kickers Offenbach

OFC-Spielmacher Bojaj: Wie ein Krieger aus Sparta

„Den Bart habe ich mir mit 19 wachsen lassen“, erzählt Florent Bojaj (links, im Spiel gegen Kassel). Der 24-Jährige mit dem markanten Äußeren ist bei den Offenbacher Kickers gesetzt - und nur schwer vom Ball zu trennen.
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„Den Bart habe ich mir mit 19 wachsen lassen“, erzählt Florent Bojaj (links, im Spiel gegen Kassel). Der 24-Jährige mit dem markanten Äußeren ist bei den Offenbacher Kickers gesetzt - und nur schwer vom Ball zu trennen.

Florent Bojaj ist gelernter Mittelstürmer, bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach überzeugt er aber als physisch starker Spielmacher. Trainer Angelo Barletta nennt ihn „Krieger“ und die Mitspieler vergleichen ihn scherzhaft mit einer bekannten Filmfigur

Offenbach – Sein Trainer Angelo Barletta hat ihn kürzlich mal als „Krieger“ bezeichnet. Und ein bisschen martialisch sieht er in der Tat aus, dieser Florent Bojaj mit seinem bulligen Körper und der markanten Gesichtsbehaarung. Wie ein wilder Wikinger oder ein bärtiger Barbar. Die Mitspieler bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach sehen das ähnlich. „Sie machen immer Witze und vergleichen mich mit dem Kerl aus dem Film 300“, erzählt der 24-Jährige und lacht dabei.

Das vielfach ausgezeichnete Werk erzählt eine Episode aus den Perserkriegen. Gerard Butler führt darin als bärtiger, muskulöser König Leonidas von Sparta eine Streitmacht von 300 Kriegern an, mit denen er im Thermopylen-Gebirge den zahlenmäßig klar überlegenen Gegner besiegen will. Und auch Bojaj geht bei den Kickers in kämpferischer Hinsicht voran. So auch in der 76. Minute des Heimspiels gegen Kassel, als er beim Stand von 4:1 weit in der eigenen Hälfte dem Gegner nachsetzte und zum Einwurf klärte. Als Spielmacher wohlgemerkt. Nebenbei bereitete er beim 5:1-Sieg zwei Treffer vor und glänzte mit weiteren guten Pässen, was ihm ein großes Lob von Barletta einbrachte: „Das war seine beste Saisonleistung.“

Bojaj (zwölf Spiele, drei Tore, zwei Vorlagen) freut das. Er sagt jedoch auch: „Wir haben das als Team wirklich gut gemacht. Verglichen mit der Partie in Walldorf war das 100 Mal besser. Gegen Kassel hat jeder von uns sein bestes Spiel gemacht.“ Und wie hält er es mit dem „Krieger“-Vergleich, den Barletta gewählt hatte, als der Mann mit der Nummer 24 auf dem Trikot zum wiederholten Mal bei einer Verletzung auf die Zähne biss? „In England bekommt man den Fighting Spirit von jung auf beigebracht und dass kleine Schmerzen dazugehören“, erzählt der gebürtige Albaner, der als Einjähriger auf die Insel kam.

Bojaj kickte unter anderem in der 1. schottischen Liga (zwei Einsätze für den Kilmarnock FC) und der 2. englischen Liga (acht Einsätze, ein Tor, eine Vorlage für Huddersfield Town). 2018 folgte dann die Rückkehr aufs Festland: „Ich hatte von Huddersfield keinen Vertrag mehr bekommen und daraufhin unterklassig gespielt. Das machte mir keinen Spaß. Ich wollte die Liebe zum Fußball zurückhaben - und fand sie in Bulgarien.“ Dort war der ehemalige Bundesliga-Star Krassimir Balakow sein Trainer. „Er sagte mir, dass ich das Potenzial hätte, um in Deutschland auf höherem Niveau zu spielen“, berichtet Bojaj. Als er vom Interesse der Kickers erfuhr, ging es schnell. „Ich sah den Klub, habe mich informiert und wollte dorthin.“

Beide Seiten haben es bislang nicht bereut. „Ich wurde von allen super aufgenommen. Der Verein half mir bei vielen Dingen“, sagt der ehemalige albanische U17-Nationalspieler, der beim OFC als Zehner gesetzt ist, obwohl er bei seinen vorherigen Stationen zumeist Mittelstürmer war. „Es ist für mich nicht das erste Mal. Aber die Gegner irritiert es eventuell. Ich spiele auf der Zehn, jedoch wie ein Neuner, der seinen Körper entsprechend einsetzt.“ Das will er auch heute (14 Uhr) gegen Aalen zeigen: „Wenn wir so wie gegen Kassel spielen, sollten wir keine Probleme bekommen, zumal wir noch Qualität auf der Bank haben.“

Auf die Partie gegen Aalen folgt das Nachholspiel in Balingen (22. Dezember). Und dann? Die kurze Weihnachtspause wird Bojaj in Deutschland verbringen. Es sei ihm aufgrund der corona-bedingten Reise- sowie Quarantäne-Regeln leider nicht möglich, nach London („Das ist meine Heimat, aber ich bin stolzer Albaner“) zu reisen. Zumal bereits am 9. Januar in Stadtallendorf das nächste Spiel ansteht. „Das Virus hat alles geändert. Ich werde das erste Mal ohne meine Familie und meine Freunde sein. Das ist nicht einfach“, sagt der „Krieger“ und zeigt dabei, dass er auch eine weiche Seite hat. (Von Christian Düncher)

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