Interview mit Barbara Klein

„Nun haben wir ein Schmuckstück“

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Barbara Klein und der OFC-Veterran und Vereins-Legende Hermann Nuber, der „Eiserne Hermann“.

Der Name Klein ist untrennbar mit dem alten Stadion am Bieberer Berg verbunden. Seit 2001 hieß die Stehtribüne „Waldemar-Klein-Tribüne“. Damit wurde den Verdiensten des 2010 verstorbenen Ehrenpräsidenten noch zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Im Sparda-Bank-Hessen-Stadion ist der Vorplatz nach Waldemar Klein benannt. Von Jörg Moll

Im Interview erläutert Gattin Barbara, die sich um einen Platz im Präsidium der Offenbacher Kickers bewirbt, welche Emotionen der Gang über diesen Platz und ins Stadion weckt, was ihr am Neubau besonders gefällt und warum das Stadion keine Last für den Verein ist.

Frau Klein, die Tribüne des alten und der Vorplatz des neuen Stadions sind nach Ihrem verstorbenen Mann benannt. Weckt das in Ihnen besondere Emotionen?

Der Platz vor dem Sparda-Bank-Hessen-Stadion wird zum Waldemar-Klein- Platz Barbara Klein freut sich über das Straßenschild und die Ehrung ihres Mannes am 16. März 2012.

Ja, das muss ich schon sagen, insbesondere, als ich die neue Stehtribüne im September 2011 unseren Fans übergeben durfte. Auf dieser Tribüne stehen die treuesten Fans, die bei Wind und Wetter kommen. Ich musste auch daran denken, wenn die Stimmung bei den Fans einmal eskalierte, war Waldemar da und hat es mit emotionalen Worten und großem Einfühlungsvermögen immer geschafft, die Fans wieder zu beruhigen. Bei der Einweihung des Waldemar-Klein-Platzes im März 2012 ging es mir ähnlich. Die Erinnerung an gemeinsam erlebte Begebenheiten vor oder zu unserem altehrwürdigen Stadion waren mannigfaltig. Freud und Leid wurden hier ausgelebt, es wurde geschimpft und gelacht, je nach Erfolg oder Nichterfolg. Sie können sich vorstellen, dass auch ich heute, wenn ich über diesen Platz laufe oder unsere Fans auf der Waldemar-Klein-Tribüne erlebe, stets an viele gemeinsam erlebte Ereignisse erinnert werde.

Was hätte wohl Ihr Mann gesagt, wenn er das neue Stadion erstmals fertig gesehen hätte?

Er hätte wohl gesagt: Siehst Du, es hat sich gelohnt zu kämpfen. Und es wurde höchste Zeit, dass hier etwas Neues entstanden ist, denn das alte Stadion war mehr als in die Jahre gekommen. Nun haben wir ein Schmuckstück, ein offenes Stadion, und wir können mit Zuversicht und Stolz in die Zukunft schauen. Nun brauchen wir den sportlichen Erfolg, denn so ein Stadion muss mit begeisterungsfähigen Menschen gefüllt sein.

Was gefällt Ihnen am neuen Stadion besonders?

Ich freue mich, dass wir ein offenes Stadion haben, ein Spiel hautnah miterleben dürfen. Dass die Fans auf „ihre“ Stehtribüne nicht verzichten mussten und somit das OFC-Flair uns erhalten geblieben ist. Wir alle würden uns doch sonst in unserem eigenen Stadion nicht mehr heimisch und wohl fühlen.

Gibt es etwas, was Sie gerne anders sehen würden?

Ja, da fallen mir spontan zwei Dinge ein. Ich hätte die Pressevertreter nicht so weit unten angesiedelt. Ich meine, wesentlich weiter oben, der Blick aus der Vogelperspektive würde mehr bringen, das heißt über den Logen. Wir könnten dann diese gewonnenen Plätze für die Dauerkarteninteressenten nutzen. Auch finde ich die Stufen auf den Tribünen zu schmal, da ja heute viele Menschen große Füße haben und die Trittfläche dann nicht für den ganzen Fuß ausgelegt ist. Zumal sich dadurch, vor allem ältere Besucher, beim Abwärtsgehen sehr auf das Treppenlaufen konzentrieren müssen und bei den steilen Treppen auch keine Haltevorrichtungen vorhanden sind.

Haben das neue Stadion und seine Möglichkeiten Einfluss auf Ihre Kandidatur für das Präsidium des OFC?

Barbara Klein und Oberbürgermeister Horst Schneider.

Nein, warum auch? Das neue Stadion hat doch mit meiner Entscheidung, im Präsidium aktiv zu sein, nichts zu tun. Durch personelle Veränderungen im Präsidium hat insbesondere der Präsidentschaftskandidat Dr. Frank Ruhl mich gefragt, und es hat sich durch viele Gespräche ergeben, dass ich nach wirklich langer Überlegung mich bereit erklärt habe, hier meine Möglichkeiten und Neigungen einzubringen. Es wird bestimmt nicht immer einfach sein, aber in einem guten Team sind auch Schwierigkeiten gemeinsam zu bewältigen. Auch muss ich klar sagen, dass ich nicht in die Fußstapfen meines Mannes treten möchte, will und kann. Diese Schuhe wären mir viel zu groß.

Inwieweit ist das neue Stadion auch Last für den Verein? Schließlich sind die Mietkosten zu stemmen und die Kassen klamm.

Das neue Stadion sehe ich nicht als Last. Es ist eine Bereicherung für die Offenbacher Kickers, den Landkreis und die Stadt Offenbach. Bei den wenigsten Vereinen sind die Kassen gut gefüllt. Wir können und dürfen uns nicht an den Vereinen orientieren, bei denen ein Großkonzern oder ein einzelner Sponsor finanziell großzügig den Verein unterstützt.

Die Offenbacher Kickers hatten schon immer zu kämpfen, um alle Kosten decken zu können. Die Mietkosten werden praktisch durch den Verkauf der Logen gedeckt. Es ist richtig, wir sind die Mieter des Stadions. Und für die Kosten der Renovierung und Instandhaltung ist der Eigentümer, die Betreibergesellschaft der Stadt Offenbach verantwortlich. Wenn es uns gelingt, sportlich erfolgreich zu sein, werden auch die Sponsoren in unserem Umfeld uns stärker unterstützen. Wir müssen weitere Mitglieder gewinnen und können dadurch dann auch unser gemeinsames Ziel 2. Liga gelassener angehen.

Ihr Mann hat vor der Stehtribüne legendäre Ansprachen an die Fans gehalten. Könnten Sie sich vorstellen, auch öfter vor die Fans zu treten?

Ich glaube, dass wir so emotional und doch einfühlsame Ansprachen so schnell nicht mehr erleben werden. Mein Mann Waldemar war ein Teil der Fans, er hatte die Gabe, für sie und mit ihnen zu denken. Er sagte nicht umsonst: „Meine jungen Freunde“. Er lebte dies auch. Bei der Übergabe der Waldemar-Klein-Tribüne habe ich meine erste Ansprache vor so großem Publikum gehalten. Es war eine Herausforderung, die ich gerne angenommen habe, weil ich den Fans danken wollte für ihre Zuneigung und Treue zum Verein und zu Waldemar. Die Ausstrahlung meines Mannes kann und werde ich nicht imitieren, warum auch? Wir sollten die Dinge reifen und wachsen lassen und dann versuchen, je nach Erfordernis, die richtige Entscheidung im positiven Sinne zu treffen.

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