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Kickers Offenbach: Stärke ist zugleich eine Schwäche

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Von: Christian Düncher

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Der erste Streich: Nach seinem Ausgleich gegen Eintracht Trier hat es Kickers Offenbachs Mittelfeldmann Semir Saric (rechts) eilig. Später bereitete er noch den 2:1-Siegtreffer durch den ebenfalls eingewechselten Stürmer Philipp Hosiner vor. Links: Dejan Bozic.
Der erste Streich: Nach seinem Ausgleich gegen Eintracht Trier hat es Kickers Offenbachs Mittelfeldmann Semir Saric (rechts) eilig. Später bereitete er noch den 2:1-Siegtreffer durch den ebenfalls eingewechselten Stürmer Philipp Hosiner vor. Links: Dejan Bozic. © -

„Die Einwechselspieler zünden bei uns immer“, stellt Kickers Offenbachs Semir Saric zufrieden fest. Aber: In der Offensive mangelt es an Kontinuität.

Offenbach – Der Mann, der bei Kickers Offenbachs 2:1-Erfolg gegen Eintracht Trier fast im Alleingang für die Wende gesorgt hatte, gab sich bescheiden. „Ich hatte gehofft, mit der Mannschaft in der Offensive Impulse setzen zu können und den Turnaround zu schaffen“, sagte Semir Saric: „Das ist recht gut gelungen.“ In der Tat. Der in der Pause eingewechselte offensive Mittelfeldspieler war sofort auf Betriebstemperatur, erzielte - nachdem er zuvor zweimal knapp gescheitert war - zunächst das 1:1 und bereitete dann den Siegtreffer durch den ebenfalls eingewechselten Philipp Hosiner vor. „Das zeigt unsere Klasse. Wir haben die Ruhe behalten, zwei Tore erzielt und das Spiel so noch gedreht.“

Mit Blick auf seinen Bank-Platz bei Anpfiff ergänzte der 25-Jährige: „Jeder will von Anfang an spielen. Wir haben aber einen breiten Kader. Der Trainer hat ein gutes Händchen und alles richtig gemacht.“ Also das berühmte „glückliche Händchen“? „Es bedarf viel mehr“, stellte Kickers-Coach Ersan Parlatan klar. „Wir haben auf der Bank Qualität und machen uns im Trainerteam immer Gedanken, in welcher Situation man welchen Spieler einwechselt.“

Kickers Offenbach: „Bei uns zünden die Einwechselspieler immer“

Sein Lob galt dem gesamten Team, „weil die, die auf der Bank sitzen, zwar frustriet sind, sich aber in den Dienst der Mannschaft stellen.“ Und noch etwas imponierte dem 45-Jährigen: Zum dritten Mal hintereinander (1:1 gegen Mainz, jeweils 2:1 in Bahlingen und gegen Trier) punktete der OFC nach 0:1-Rückstand: „Es entsteht etwas, die Jungs glauben an sich.“ Auch weil sie wissen, dass sie starke Joker in der Hinterhand haben.

„Bei uns zünden die Einwechselspieler immer“, stellte Saric fest: „Man sieht, dass wir jeden brauchen, egal, ob er reinkommt oder von Anfang an spielt. Das zeigt auch unsere Stärke. Diese werden wir im Laufe der Saison noch öfter unter Beweis stellen.“

Diese Stärke ist jedoch zugleich auch eine Schwäche. Mit Ausnahme von Eigengewächs Jakob Lemmer, der in nahezu jeder Partie gute Aktionen hat und mit zehn Torbeteiligungen (sieben Treffer, drei Vorlagen) Topscorer der Kickers ist, sind alle Offensivkräfte bisher großen Schwankungen unterworfen. Bestes Beispiel ist der Vergleich zur Vorwoche: Nach dem 2:1-Sieg in Bahlingen wurde Dejan Bozic vom gegnerischen Trainer als ständiger Unruheherd gelobt, bereitete unter anderem das 1:1 durch Lemmer vor. Gegen Trier hing der Mittelstürmer nun total in der Luft (Parlatan: „Wir hatten Probleme mit der Box-Besetzung“) und hatte bis zu seiner Auswechslung in der 88. Minute nur eine auffällige Szene, als er einen Distanzschuss von Ronny Marcos gefährlich abfälschte.

Kickers Offenbach: Zuletzt dreimal hintereinander erfolgreich zurückgekämpft

Ähnlich unglücklich agierte ein Duo, das gerade erst in die Startformation zurückgekehrt war: Christian Derflinger hatte in Bahlingen vor dem 2:1 den Ball erobert und den Angriff initiiert, der zum Tor durch Rafael Garcia führte. Gegen Trier war von beiden wenig zu sehen. Derflinger wurde zur Pause ausgewechselt, Garcia nach knapp einer Stunde. Kurz zuvor hatte er mit zwei Flanken (eine führte zum 1:1) seine einzigen zwei guten Szenen. Auch Saric (trotz seiner Gala gegen Trier), Dominik Wanner und Lucas Hermes fehlt bisher die Kontinuität. Hosiner hat immerhin aktuell eine gute Phase, während der ehemalige Erstliga-Spieler Törles Knöll gar kein Faktor ist. Das hat zur Folge, dass die Besetzung der offensiven Positionen oft variiert. Unter diesen Umständen fällt es schwer, Abläufe zu automatisieren.

Andererseits: Sofern die Ergebnisse stimmen, ist das ein Luxusproblem. Dass sich seine Elf zuletzt dreimal hintereinander erfolgreich zurückgekämpft hat, helfe dabei, das Team „zu stärken und zu formen“, meint Parlatan. Kapitän Ronny Marcos stuft die jüngsten Aufholjagden zwar ebenfalls als „wertvoll“ ein, gab aber zu bedenken, dass diese „auch sehr, sehr kräftezehrend“ seien. „Ich glaube, demnächst sollten wir gerne mal das Ding ziehen, ohne in Rückstand zu geraten“, sagt der Linksverteidiger und lächelte dabei verschmitzt. (Christian Düncher)

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