Kickers Offenbach

OFC-Stürmer Soriano: „Ich spüre, dass es immer besser wird“

Kämpft sich heran: Zugang Elia Soriano (hinten, im Testspiel gegen Homburgs Mart Ristl) kommt bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach nach längerer Verletzungspause langsam in Schwung.
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Kämpft sich heran: Zugang Elia Soriano (hinten, im Testspiel gegen Homburgs Mart Ristl) kommt bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach nach längerer Verletzungspause langsam in Schwung.

Elia Soriano hat bereits höherklassig seine Torgefahr unter Beweis gestellt. Bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach wartet der Mittelstürmer allerdings noch auf sein Startelfdebüt. Nach längerer Verletzungspause kommt der Zugang aber langsam in Schwung.

Offenbach – Der 4. November 2020 hätte durchaus ein besonderer Tag werden können für Elia Soriano. Damals hatte Kickers Offenbachs Trainer Angelo Barletta den am letzten Tag der Transferperiode überraschend verpflichteten Ex-Profi im Punktspiel der Fußball-Regionalliga Südwest bei Eintracht Stadtallendorf erstmals für die Startelf vorgesehen. Doch wie so oft in diesem Jahr machte die Pandemie einen Strich durch die Rechnung.

Die Partie wurde in Folge des corona-bedingten Lockdowns abgesagt. Der einstige Zweitligaprofi, der mit dem Karlsruher SC (2013) und den Würzburger Kickers (2016) in die 2. Liga aufstieg, ist dennoch bester Laune und guter Dinge. „Ich spüre, dass die Bewegungen besser werden, es sieht immer flüssiger aus.“

Auch Barletta freut das. „Bei Elia geht es stetig bergauf“, sagt der Coach, der den gebürtigen Darmstädter, der fast die Hälfte seiner Karriere bei den „Lilien“ verbrachte, nach schwerer Verletzung behutsam ranführen möchte: „Er ist weiter, als wir erwartet hatten“, lobt Barletta. Geholfen haben Soriano dabei auch seit seiner Verpflichtung am 5. Oktober vier Kurzeinsätze in Ulm (0:1, zwei Einsatzminuten), gegen Gießen (1:0/19), beim VfB Stuttgart II (2:2/17) und gegen Schott Mainz (4:0/4). „Die Spielpraxis fehlt halt“, räumt der Mann ein, dessen Lieblingsposition das Angriffszentrum ist. Jener Platz, den in dieser Saison Mathias Fetsch mit der starken Quote von acht Treffern in zehn Partien für sich beansprucht. „Ich habe auch schon hinter den Spitzen gespielt“, sagt Soriano lächelnd.

Viel wichtiger ist ihm aber, überhaupt wieder am Ball zu sein. Am 29. Januar dieses Jahres schien das in weite Ferne gerückt zu sein. Soriano, gerade nach zwei Jahren beim polnischen Erstligisten Korona Kielce (55 Einsätze/19 Tore) und einem halben beim holländischen Ehrendivisionär VV Venlo (16/2) zum israelischen Klub Hapoel Raanana gewechselt, riss sich im ersten Spiel nach einer halben Stunde das Kreuzband. Das Abenteuer beim Klub in der Nähe von Tel Aviv („Eine traumhafte Stadt“) war nach drei Wochen abrupt beendet. Soriano ließ sich in München konservativ behandeln. Statt einer OP erhielt er vier Eigenblut-Spritzen, konnte so früher mit der Reha beginnen - und fühlt sich mittlerweile komplett schmerzfrei. „Ich hatte 2013 schon mal einen Kreuzbandriss, hatte kurz gezuckt, ob ich mir diese Reha noch mal geben will“, erklärt er: „Es sind ja doch sechs Monate, bis du wieder zurückkehrst. Aber schon damals gab es keine Probleme, sodass ich mir sicher war, dass ich es wieder schaffe.“

Nach der Reha suchte und fand der in Griesheim bei Darmstadt wohnende Deutsch-Italiener eine Möglichkeit, sich fitzuhalten - beim OFC. Wenige Wochen später hatte er einen Vertrag unterzeichnet. „Für mich war das perfekt: Ich wurde super aufgenommen, die Jungs sind super heiß, haben alle was drauf. Für mich war schnell klar: Bei diesem Projekt möchte ich dabei sein.“

Dass ihn Barletta behutsam aufbaut, imponiert Soriano. „Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, da freut man sich umso mehr, wenn ein Trainer sagt: Nimm’ dir die Zeit, die du brauchst.“ In Israel war das noch ganz anders. Da war Soriano nach ganz wenigen Trainingseinheiten sofort in die Startelf beordert worden - mit fatalen Folgen. In Offenbach soll sich das nicht wiederholen. Daran arbeitet der 31-Jährige, der wie alle bei den Kickers hofft, noch in diesem Jahr wieder um Punkte zu kämpfen.

Sollte das nicht klappen, hätte er womöglich die Chance, mal wieder seinen ungleich berühmteren Bruder live live zu bestaunen. Roberto Soriano (29) ist der Stolz der ganzen Familie, zu der auch noch Bruder Michele (36), ein früherer Profitänzer gehört. Neunmal lief der Mittelfeldspieler für Italiens Nationalteam auf. Beim Debüt war Bruder Elia als Zuschauer im Mailänder San Giro beim EM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien (16. November 2014/1:1) dabei. „Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt er voller Stolz auf den berühmten Bruder, der beim FC Bayern München ausgebildet wurde, bei Sampdoria Genua den Durchbruch schaffte, später zum FC Villarreal in die spanische Primera Division wechselte und mittlerweile beim FC Bologna unter seinem früheren Genueser Trainer Sinisa Mihajlovic wieder zu großer Form aufläuft. Der Lohn: Kürzlich lief er bei 4:0 gegen im Testspiel gegen Estland wieder für die Squadra Azzurra auf. „Ich hoffe, dass wir uns spätestens Weihnachten wieder sehen“, sagt Elia Soriano. Bis dahin würde er liebend gerne noch sein Startelfdebüt für den OFC geben. Und am besten soll noch eine weitere Premiere folgen: das erste Tor für die Kickers. „Bisher kam ich ja noch nicht zu einer wirklichen Chance“, sagt Soriano: „Aber ich spüre, dass es immer besser wird.“ Und sein Trainer bestärkt ihn darin. „Er hat diese Routine, diese Kaltschnäuzigkeit und weiß, wo das Tor steht“, lobt Barletta. Soriano gibt das Lob zurück: „Unser Trainer ist wie ich Italiener, sehr temperamentvoll, immer mit 110 Prozent dabei. Ich mag solche Typen. Die brauchst du, um Erfolg zu haben.“ (Von Jörg Moll)

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