Kickers Offenbach

OFC-Stürmer Soriano: „Muss das Jubeln wieder lernen“

Doppeltorschütze geht, Top-Torjäger kommt: Elia Soriano (links) macht nach seinem gelungenen Startelf-Debüt Platz für Mathias Fetsch.
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Doppeltorschütze geht, Top-Torjäger kommt: Elia Soriano (links) macht nach seinem gelungenen Startelf-Debüt Platz für Mathias Fetsch.

Nach seiner doppelten Premiere im Trikot von Kickers Offenbach fiel der Jubel bei Stürmer Elia Soriano verhalten aus. Erster Startelf-Einsatz, erstes Tor und das zweite gleich hinterher. Da war selbst der Routinier überrascht und auch etwas überfordert.

Offenbach – Wenn Fußballer ihre Tore zelebrieren, kennt die Kreativität keine Grenzen. Der Zuschauer sah unter anderem bereits die Kuntz-Säge, den Klose-Salto, Küsse aufs Wappen oder den imaginären Ehering, die Baby-Wiege (wahlweise mit Ball unter dem Trikot) sowie den Ronaldo-Sprung samt breitbeiniger Landung. Und Elia Soriano? Als der Stürmer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach am Dienstag das 1:0 gegen Hessen Kassel erzielte, wirkte das Prozedere danach nicht kreativ, sondern eher etwas unbeholfen. Kurze Drehung, die Arme leicht seitlich vom Körper abgespreizt, mit den Augen die Mitspieler suchend - das war es.

„Ich war etwas verwundert, dass ich komplett frei stand“, sagte der 31-Jährige, der nach feinem Hackentrick von Serkan Firat aus 13 Metern unbedrängt einschieben konnte. „Und wie man jubelt, habe ich vergessen, das muss ich erst wieder lernen.“ Sein letztes Tor in einem Pflichtliege schließlich „ein Jahr zurück“. Genau genommen elf Monate. Damals traf Soriano für die Reserve des niederländischen Erstligisten Venlo gegen Breda. Wenige Tage später wechselte er nach Israel zu Hapoel Raanana, wo sich der gebürtige Darmstädter aber gleich im ersten Spiel das Kreuzband riss.

In Offenbach wollte Soriano eigentlich nur mittrainieren, um wieder fit zu werden. Doch nach dem Abgang von Stürmer Pelle Hoppe (Germania Halberstadt) wurde daraus ein festes Engagement, das nun gegen Kassel mit zwei Premieren seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Soriano gab sein Debüt in der Startelf und traf im sechsten Einsatz prompt erstmals für den OFC.

Coach Angelo Barletta hatte Soriano den Vorzug vor Torjäger Mathias Fetsch gegeben, der nach einer bei der Partie in Walldorf (0:0) erlittenen Fußprellung „nicht bei 100 Prozent“ war und zunächst geschont wurde. „Eine Vorsichtsmaßnahme. Es hat aber perfekt gepasst, weil ich Eli Spielzeit geben wollte“, so Barletta. „Er hatte im Training gute Leistungen gezeigt und kommt immer besser rein. Nach seiner langen Verletzungspause braucht er natürlich noch Zeit. Es ist daher umso schöner, dass er das wichtige 1:0 gemacht und dann noch eiskalt den Elfmeter zum 3:0 verwandelt hat.“

Kassels Ingmar Merle hatte Marcel Sobotta im Strafraum zu Fall gebracht und Soriano beim Strafstoß Gästetorwart Maximilian Zunker verladen. „Wir hatten das mit dem Elfmeter leicht abgesprochen“, sagte der Deutsch-Italiener angesichts der Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Ausführung in Serkan Firat und Tunay Deniz mindestens zwei weitere potenzielle Schützen auf dem Platz standen.

„Ich bin froh, dass der Trainer mir das Vertrauen gibt, ich jede Woche mehr Spielminuten erhalte und nun mit den zwei Toren etwas zurückgeben konnte“, gab sich der ehemalige Zweitliga-Stürmer (33 Einsätze, fünf Tore für die Würzburger Kickers) bescheiden. Angefangen hatte es mit zwei Minuten beim Spiel in Ulm. Dann näherte sich Soriano der 20-Minuten-Marke, die er bei der Partie in Walldorf schließlich überschritt. Dort blieb er jedoch ebenso wie alle seine Mitspieler in Mittelfeld und Sturm blass. „Wir hatten uns vor dem Spiel eventuell zu viele Fragen gestellt“, vermutete er. „Gegen Kassel sind wir hingegen super gestartet.“ Auch dank Soriano.

Er war nach der Partie der gefeierte Mann. Doch wichtiger als seine zwei Tore war ihm etwas anderes: „Es ist für mich toll, auf dem Platz zu stehen, gemeinsam mit den Jungs zu kämpfen und zu gewinnen. Es gibt kein geileres Gefühl.“ Dass der eingewechselte Fetsch prompt ebenfalls traf, bezeichnete Barletta als „perfekt“, auch wenn ihm das mittelfristig ein Luxusproblem bescheren könnte. Fetsch steht mittlerweile bei neun Toren, Soriano kommt immer besser in Schwung und spätestens ab Januar soll der vor der Saison als Torjäger verpflichtete Abu Bakarr Kargbo wieder richtig mittrainieren, der aufgrund eines Kreuzbandrisses lange gefehlt hatte. „Wir haben viele torgefährliche Spieler in unseren Reihen. Besser mehr als weniger“, sagte Soriano mit schelmischem Grinsen. (Von Christian Düncher)

OFC wie einst 1967

Erstmals in dieser Saison erzielte Kickers Offenbach fünf Tore in einem Spiel. Das 5:1 gegen Hessen Kassel war zugleich der höchste Saisonsieg des OFC - nach dem 4:0 gegen Schott Mainz. Gegen Kassel gewannen die Kickers noch nie höher. 1967 gab es schon mal ein 5:1 (Tore: Weida (2), Weschke (2), Becker). Am Ende der Saison stieg der OFC erstmals in die 1. Liga auf. (cd)

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