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OFC: Tim Sausen soll eine Ausnahme bleiben

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Von: Jörg Moll

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„Club“ statt OFC: Stürmer Tim Sausen, der im Januar 2020 vom JFV Hunsrückhöhe Morbach zur Bundesliga-U19 der Kickers wechselte, zog das Nürnberger Angebot vor.
„Club“ statt OFC: Stürmer Tim Sausen, der im Januar 2020 vom JFV Hunsrückhöhe Morbach zur Bundesliga-U19 der Kickers wechselte, zog das Nürnberger Angebot vor. © Hübner

Peter Roth, Vizepräsident des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach erklärt, warum das zum 1.FC Nürnberg gewechselte U19-Sturmtalent Tim Sausen nicht zu halten war.

Offenbach – Ende Juni konnte sich Peter Roth vor Nachrichten auf seinem Smartphone kaum retten. Was war passiert? Der Vizepräsident der Offenbacher Kickers hatte es selbst im „Kicker“ gelesen: Tim Sausen, 19-jähriges Mittelstürmertalent, gerade vom Nachwuchs des OFC zum 1. FC Nürnberg II gewechselt, hatte im Testspiel der ersten Mannschaft des „Clubs“ (2. Liga) gegen Drittligist FSV Zwickau zwei Tore erzielt. Auch im zweiten Test gegen Wacker Innsbruck kam er 45 Minuten zum Einsatz. Zuletzt wurde der 19-Jährige jedoch von einer Sprunggelenksverletzung ausgebremst.

„Warum habt Ihr den nicht behalten?“, war eine der am meisten gestellten Fragen, die Roth auf seinem Handy lesen durfte. Noch auffälliger ist: Der OFC hat diesen Sommer zum ersten Mal seit Jahren kein Talente direkt aus der U19 als Perspektivspieler in den Kader befördert. Vincent Moreno (19) war offiziell schon vergangene Saison, obwohl noch für die U19 spielberechtigt, befördert worden, wenngleich er weiterhin unten Spielpraxis sammelte. Enes Zengin trainiert aktuell oben mit, muss sich aber erst noch für einen Vertrag empfehlen. Roth nennt als Gründe die Folgen von Corona, aber auch den Trainerwechsel im Winter bei den Profis.

„Das ist alles andere als eine alltägliche Saison gewesen“, erklärt der fürs Leistungszentrum (LZ) zuständige Vizepräsident. Die Nachwuchsteams bestritten corona-bedingt kaum Pflichtspiele. Somit sei es den Verantwortlichen der Profis kaum möglich gewesen, auf diesem Wege zu sichten.

„Normal beginnen wir im Dezember, Gespräche mit den Kandidaten zu führen“, erklärt Roth. Weil da aber zum einen die Profis bis kurz vor Weihnachten gefordert waren - und danach Trainer Angelo Barletta durch Sreto Ristic ersetzt wurde, der anschließend ohne Wintervorbereitung „sofort liefern“ musste -, kamen diese Sondierungsgespräche zu kurz.

Im Falle von Tim Sausen, „ein super Junge mit unglaublichem Zug zum Tor“ (Roth), der in vier U19-Spielen für den OFC fünf Tore erzielt hatte, sei der Zug im Frühjahr trotz eines abgegebenen Angebotes dann abgefahren, als Anfragen aus Mönchengladbach, Fürth sowie Nürnberg kamen. Letztlich zog er das Angebot des „Clubs“, sich über die Reserve (Regionalliga Bayern) für höhere Weihen zu empfehlen, dem OFC-Angebot vor. Auch Mittelfeldspieler Damian Herth wechselt zur „Club“-Reserve. Niklas Meyer, seit 2014 beim OFC, geht zum Bayern-Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg.

Für Roth ist vor allem Sausens Abgang ein normaler Vorgang, der aber dennoch schmerzt. „Wenn wir im Leistungszentrum so ein Ausnahmetalent entwickeln, wird es immer wieder so sein, dass es Vereine gibt, die solche Spieler holen“, so Roth. „Das ist auch eine Säule, wie man ein solches Leistungszentrum finanziert.“ Normal mache ein Transferüberschuss im LZ „locker einen sechsstelligen Betrag aus“, so Roth.

Für die Zukunft sieht er das Leistungszentrum gut aufgestellt. „Es bietet mehr Chancen als Risiken“, sagt der Vizepräsident mit Blick auf die deutlich verbesserte Gegenfinanzierung des Aufwands. Was vor allem an der Aufwertung des LZ durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) liegt. Die Einstufung in die Kategorie zwei (von drei) bezeichnete Roth als „sensationelle Leistung“, vergleichbar mit dem Aufstieg der Profis in die 3. Liga. LZ-Leiter Alfred Kaminski hob dabei vor allem die finanzielle Bedeutung hervor. Die Zuschüsse durch den DFB hätten sich nach der Lizenzerteilung in eine Kategorie, in der sonst fast nur Leistungszentren von Zweitligisten eingestuft sind, fast verdoppelt auf nunmehr 100 000 Euro.

Positiv bewerten Roth und Kaminski auch, dass es mehr Konstanz im Personalbereich gebe. Unter anderem bleibt U19-Coach Robin Trabert. der mit seinem fast völlig neuformierten Team in der Bundesliga aufgrund von bis zu sieben Absteigern aber vor einer schwierigen Saison steht.

„Die U19 geht in ihre dritte Bundesliga-Saison, wir spielen mit der U15 in der höchsten Spielklasse (Regionalliga), und wir haben eine ganz starke U17 in der Hessenliga zusammen, mit der wir um den Aufstieg spielen wollen“, blickt Roth zuversichtlich voraus: „Und künftig wollen wir natürlich wieder versuchen, die beiden Besten des Jahrgangs in den Kader der Profis zu integrieren“, betont der OFC-Vizepräsident. Der „Fall Tim Sausen“ soll in jedem Fall eine Ausnahme bleiben. (Von Jörg Moll)

Interessenkonflikt: Schwartz nicht mehr Co-Trainer der U19

Er hatte Tim Sausen zu den Offenbacher Kickers gebracht und war dort auch dessen Co-Trainer. Doch ebenso wie der zum 1.FC Nürnberg II gewechselte Stürmer hat auch Tim Schwartz den OFC verlassen. Der Interessenkonflikt war zu groß geworden war. Denn: Schwartz ist auch Spielerberater bei der Agentur Blacksports. Neben Sausen zählen weitere ehemalige und aktuelle OFC-Talente zu deren Klienten - wie Amer Vrcic (SV Elversberg II), U19-Verteidiger Pietro Besso oder Georgios Lagonidis. Der Grieche, an dem auch der FSV Frankfurt Interesse haben soll, spielte zuletzt unter anderem beim SV Röchling Völklingen (Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar) vor. Nachfolger von Schwartz ist Alexander Schwarzenberger (32, zuletzt Co-Trainer beim Bremer SV). U19-Coach Robin Trabert und Alfred Kaminski, Leiter des Leistungszentrums, arbeiteten bereits bei den Stuttgarter Kickers mit Schwarzenberger zusammen. Schwarzenberger war bereits dort anderthalb Jahre lang Traberts Co-Trainer. (cd)

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