Glücksgefühl und Gänsehaut

OFC-Torwart Volz über den Elfmeter, Scherze mit Trainer Schreiner und gute Getränke

Die entscheidende Szene in Hannover. Karl-Heinz Volz hält den unberechtigten Elfmeter von Werner Biskup.
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Die entscheidende Szene in Hannover. Karl-Heinz Volz hält den unberechtigten Elfmeter von Werner Biskup.

Mit dem Pokalhelden von 1970 sprach die Offenbach Post über seinen Erfolg - und was danach geschah.

Offenbach – Er war der Pokalheld in Hannover: OFC-Torwart Karl-Heinz Volz parierte vor 50 Jahren im Finale kurz vor Schluss beim Stand von 2:1 den Elfmeter des Kölners Werner Biskup und sorgte für den bis heute größten Erfolg in der mittlerweile 119-jährigen Geschichte der Offenbacher Kickers.

Karl-Heinz Volz, stimmt es, dass Trainer Kurt Schreiner nach dem Finale zu Ihnen gesagt hat, Sie hätten Biskups Elfmeter festhalten müssen?

Ja, das hat er tatsächlich. Das war seine Art von Humor.

Was haben Sie geantwortet?

Ich habe ihm gesagt, dass ich Zeit gewinnen wollte. Wenn ich den Ball festgehalten hätte, hätte ich ihn doch gleich wieder ins Spiel bringen müssen. So habe ich zweimal nachgefasst, bin mit dem Ball unter mir liegen geblieben und habe wieder mindestens 30 Sekunden Spielzeit verstreichen lassen. Dann haben der Trainer und ich gegrinst, dann laut gelacht und uns in den Arm genommen.

Sie waren vorbereitet auf Biskus Elfmeter?

Ich wusste, was kommen könnte, wohin er am liebsten schießt. Werner hat sich an das gehalten, was ich erwartet habe. Von mir aus rechts unten. Ich war zur Stelle.

Vor dem unberechtigten Elfmeter gab es Tumulte. Was haben Sie gemacht?

Ich habe mich vor dem Tor entspannt auf den Boden gesetzt, meine Beine gelockert und mich konzentriert.

Wie erging es Ihnen nach dem gehaltenen Elfmeter?

Das war ein pures Glücksgefühl. Ich wusste, dass nicht mehr allzu lang zu spielen war und habe mir in diesem Moment fest vorgenommen, keinen Ball mehr reinzulassen. Ich wollte den Pokal. Und das hat geklappt.

Sie hatten insgesamt aber einiges zu tun, oder?

Ich musste im Spiel zwar einige Bälle abwehren, stand aber ähnlich wie Kölns Torwart Manglitz nicht unter Dauerbeschuss. Die Jungs vor mir haben super verteidigt, das muss man klar sagen.

Als das Spiel vorbei war...

...haben die OFC-Fans den Rasen gestürmt. Ich habe kaum noch Luft bekommen. Mein Bruder wollte mich auf dem Platz auch umarmen, hat sich zu mir durchgekämpft und mich da rausgeholt. Er hat dafür gesorgt, dass ich nicht erstickt bin auf dem Rasen.

Wie war es in der Kabine nach Ihrer Umarmung mit dem Trainer?

Wir waren ausgetrocknet und irgendwann gab es auch was zu trinken (lacht).

Karl-Heinz Volz

Abends beim Bankett sollten die Kölner in der ersten Reihe sitzen. Der DFB hatte nicht mit dem Sieg der Kickers gerechnet.

Ja, aber mir ist da viel mehr die Fairness der Kölner in Erinnerung geblieben. Sie waren als klare Favoriten in das Finale gegangen und haben eingesehen, dass wir besser waren. Sie haben beim Bankett sogar ein Hip-Hip-Hurra auf uns angestimmt. Das hatte hohes Niveau.

Wie haben Sie den Tag darauf in Offenbach in Erinnerung?

Das war mit das Fantastischste, was ich je erlebt habe. Die Autobahn vom Flughafen nach Offenbach war für uns gesperrt. An der Sprendlinger Landstraße sind wir in die offenen Wagen umgestiegen und zum Hotel Kaiserhof gefahren, umgeben von feiernden Menschen ohne Ende. Gefühlt waren ganz Offenbach und der Kreis dabei. Das sorgt noch immer für Gänsehaut.

Wann sind Sie dann zur Ruhe gekommen?

Eigentlich gar nicht. Ich bin zwar abends heimgefahren nach Neu-Isenburg, aber freitags stand schon wieder ein Punktspiel an, und zwei Wochen später die erste Runde im Europacup gegen Brügge. Der Alltag hat uns sofort wieder eingeholt.

Und ein Jahr später sind Sie ausgerechnet nach Köln zum FC gewechselt. Wie konnte denn das passieren?

Die Kickers waren abgestiegen, Kölns Torwart Manglitz im Zuge des Bundesligaskandals gesperrt. Köln hatte einen zweiten Torwart aus Jugoslawien, der war schon Mitte 30. Ich dachte, das könnte klappen mit dem Stammplatz. Dann aber hat er aufgehört, Trainer Gyulai Lorant hat Torwart Welz geholt, und ich hatte schlechte Karten. Ich bin trotz laufendem Vertrag bald zum FSV gewechselt. Ich wollte in Köln nicht nur auf der Bank sitzen.

Waren Sie zuletzt noch bei einem Ihrer Ex-Klubs?

Vor Corana war ich beim OFC und beim FSV. Köln ist mir zu weit. Aber Regionalliga ist für mich anstrengend zum Zuschauen (lacht).

Was machen Sie am Samstag so ab 16 Uhr, also genau 50 Jahre nach dem großen Triumph.

Ich werde mir die Szenen von vor 50 Jahren wieder einmal auf DVD anschauen, ein gutes Getränk aufmachen, mir selbst zuprosten und sagen: Karl-Heinz, den Elfmeter hast du klasse gehalten. Das wird ein guter Tag.

Das Gespräch führte Holger Appel

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