Kickers Offenbach

OFC-Trainer Ristic erlebte in Ulm eine chaotische Zeit: „Getroffen wie Touristen“

Sein letztes von 13 Zweitligaspielen für Ulm bestritt Sreto Ristic (rechts) im Mai 2001 gegen die Stuttgarter Kickers.
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Sein letztes von 13 Zweitligaspielen für Ulm bestritt Sreto Ristic (rechts) im Mai 2001 gegen die Stuttgarter Kickers.

Das Fußball-Regionalligaspiel zwischen Kickers Offenbach und dem SSV Ulm 1846 ist für OFC-Trainer Sreto Ristic eine Reise in die Vergangenheit. Als Stürmer erlebte er bei den „Spatzen“ eine chaotische Zeit. Dennoch hat er den Verein stets im Blick behalten.

Offenbach – Es schien alles perfekt zu passen in diesem Winter 2001. Kickers Offenbachs Trainer Sreto Ristic, damals als Spieler in Portugal beim SC Campomaiorense unter Vertrag, wollte zurück nach Deutschland. Am besten in die Nähe von Stuttgart zu seiner Familie. Da kam das Angebot des seinerzeit zweitklassigen SSV Ulm 1846 gerade recht. „Ulm ist eine sehr schöne und sportverrückte Stadt“, sagt Ristic. Dass seine Zeit bei den „Spatzen“ so verrückt werden würde, ahnte er allerdings nicht.

„Es ging unaufhaltsam nach unten, auch finanziell. Letztlich wurde Ulm sogar durchgereicht“, erinnert sich Ristic. Schon damals sei von drohender Insolvenz die Rede gewesen. „Ich habe das gut in Erinnerung. Es war allgemein sehr schwierig. Die Zeichen standen so, dass jederzeit die Lichter hätten ausgehen können.“ Insgesamt habe damals ein große Unruhe im Klub geherrscht, sagt der heute 45-Jährige vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Verein. „Es gab sehr zerstrittene Persönlichkeiten: Geldgeber, Präsident, Aufsichtsrat - es war viel Theater.“ Unter diesen Umständen war es auch für Trainer Hermann Gerland nicht einfach.

„Man hat ihm angemerkt, dass es schwierig war, in einem solchen Umfeld zu arbeiten“, sagt Ristic über den „Tiger“. Er könne über Gerland aber „nichts Negatives sagen. Er ist ein echter Typ. Ehrlich, geradeaus, spricht alles an. Ein absoluter Fachmann, aber auch ein harter Hund. Ich hatte unter ihm richtig harte Einheiten.“ Acht Spieltage vor Schluss wurde Gerland beurlaubt. Peter Assion übernahm, konnte Ulm jedoch nicht mehr retten. „Es ging für uns in den letzten drei, vier Spielen um nichts mehr. Vor der abschließenden Partie bei den Stuttgarter Kickers haben wir uns vor dem Stadion getroffen - wie Touristen“, so Ristic.

Obwohl es für ihn kein positives Kapitel war, hat er die Ulmer weiter im Blick. „Ich beobachte alle meine ehemaligen Stationen. Sandhausen und Braunschweig haben gerade eine schwere Zeit. Ich gucke auch, was bei den Stuttgarter Kickers passiert. Reutlingen, wo für mich alles begann, tut mir richtig weh. Wir waren damals mit Ulm auf Augenhöhe. Inzwischen ist Ulm auf dem richtigen Weg. Das Umfeld und die Möglichkeiten, um höher zu spielen, sind vorhanden. Man braucht natürlich Glück, Geduld und die richtigen Leute. Das scheint der Fall zu sein.“ (Von Christian Düncher)

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