OFC-Trainer vor Trainingsstart zuversichtlich

Steuernagel richtet Blick nach oben

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OFC-Trainer Daniel Steuernagel (rechts) im Gespräch mit Sportdirektor Sead Mehic.

Offenbach – 35 Tage nach dem letzten Spiel des Jahres 2018 beginnen die Offenbacher Kickers am Montag mit der Vorbereitung auf die restlichen 14 Spiele der Regionalliga-Saison 2018/19.

Daniel Steuernagel genießt derzeit noch die letzten Urlaubstage und spurt täglich durch die Langlaufloipen im Tannheimer Tal. Eingeschneit ist der Trainer der Offenbacher Kickers zwar nicht, „aber ein Meter Schnee liegt auch hier“. Der Rückkehr am Wochenende steht nichts im Weg, zumal Steuernagel es „kaum erwarten kann“, wieder an die Arbeit zu gehen. „Endlich geht es wieder los.“

In Offenbach sind die Trainingsplätze am Bieberer Berg unberührt von Schnee bereit für die Rückkehr der Kickers-Profis aus der fünfwöchigen Winterpause. Sechs Wochen lang wird Steuernagel das Team auf das erste Spiel am 23. oder 24. Februar gegen den SSV Ulm vorbereiten. Und zwar nur in Offenbach. Ein Trainingslager ist im Gegensatz zu den vergangenen Jahren nicht geplant. „Die Bedingungen sind sehr gut“, sagt Steuernagel: „Wir haben in Offenbach beste Möglichkeiten. Da ist es kein Nachteil, dass wir kein Trainingslager absolvieren.“

Herr Steuernagel, Sie haben vor der Winterpause vier Spielern (Ihab Darwiche, Christos Stoilas, Semih Sentürk und Serkan Göcer) gesagt, dass sie in den Planungen für die Restsaison keine große Rolle mehr spielen und es für sie besser wäre, den Verein zu wechseln. Wer wird den OFC verlassen?

Unser Sportdirektor Sead Mehic ist mit den Spielern und Beratern im Gespräch. Wir haben zur Zeit 25 Spieler unter Vertrag, ideal wären einige weniger. Deshalb wäre eine Trennung sicher das Beste, für beide Seiten.

Und wenn die Spieler nicht gehen wollen? Haben Sie noch Einsatzchancen?

Es ist ja noch etwas Zeit bis zum 31. Januar. Dann müssten wir die Situation neu bewerten. Aber ich gehe davon aus, dass es zu Wechseln und einer win-win-Situation kommt.

Sind auch Spieler auf den Verein mit Wechselwünschen zugekommen? Zum Beispiel die besten Torschützen Serkan Firat und Jake Hirst, die sicher das Interesse anderer Klubs geweckt haben?

Auf uns ist keiner zugekommen, dass er weg möchte.

Sie haben nach Jake Hirst im Sommer jetzt mit Moritz Reinhard wieder einen Spieler aus einer Amateurklasse, der Gruppenliga, verpflichtet. Hoffen Sie, dass der 23-Jährige von der SG Elters/Eckweisbach/Schwarzbach ähnlich einschlägt wie Jake Hirst, der mit acht Toren zweitbester OFC-Torschütze ist?

Wir haben uns sehr gut über Moritz Reinhard informiert und sehen eine große Wahrscheinlichkeit, dass er uns helfen kann. Er hat eine Woche bei uns mittrainiert und uns bei einer Belastungseinheit mit seiner physischen Stärke beeindruckt. Der Zeitpunkt des Wechsels passt bei ihm optimal in seine Lebensplanung. Er hat im Studium seine Bachelorarbeit abgegeben, er hat seine Ernährung seit zwei Monaten auf glutenfrei umgestellt und sich mit vielen Läufen vorbereiten können. Er ist voller Tatendrang, freut sich sehr auf den OFC und möchte sich beweisen.

Mit Florian Treske hat ein erfahrener Spieler den OFC verlassen. Musste man jetzt aus finanziellen Gründen als Ersatz einen günstigeren Spieler aus einer unteren Klasse verpflichten?

Nein, das hatte nichts mit dem Finanziellen zu tun. Wir hatten auch Spieler von höherklassigen Vereinen im Probetraining, aber Reinhard hat uns mehr überzeugt. Wir schauen auch immer auf Motivation und Charakter. Wir brauchen Leute, die Bock auf den OFC haben, die den nächsten Schritt in Offenbach machen wollen, mit dem OFC und für sich selbst. Egal in welcher Liga. Da sind junge Spieler eher im Fokus. Jake Hirst und Luka Garic sind die besten Beispiele, wie gut man sich hier entwickeln kann.

Kann das funktionieren mit Hirst und Reinhard in der Spitze, mit zwei Spielern aus der achten bzw. siebten Liga?

Da muss man abwarten. Die Vorbereitung wird das zeigen. Hirst und Reinhard passen gut in unser laufintensives Spiel, in dem wir vorne früh pressen und attackieren. Sie sind beide physisch sehr stark, jetzt schauen wir mal, wie sich Reinhard an das höhere Spieltempo anpasst. Wir haben zudem mit Varol Akgöz und Niklas Hecht-Zirpel zwei technisch gute und spielintelligente Stürmer sowie Maik Vetter, der auch in der Spitze spielen kann. Darüber hinaus sind wir als Mannschaft vom System viel flexibler geworden, können mit einer, zwei oder auch drei Spitzen spielen.

Wie schwer wiegt der Verlust von Florian Treske, nicht nur als Angreifer, sondern auch als Führungsspieler? Wer kann am ehesten in diese Rolle als einer der Anführer schlüpfen?

Unser Kapitän Benjamin Kirchhoff hat eine unheimlich gute Entwicklung gemacht. Er füllt diese Rolle als Führungsspieler immer besser aus. Auch Maik Vetter macht eine tolle Entwicklung, auf dem Platz und in der Kabine. Die beiden sind für das Gefüge schon ganz wichtige Faktoren, auch Francesco Lovric und Lukas Albrecht sind gute Leute, die Führungsrollen übernehmen können.

Wird es bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar noch weitere Zugänge geben?

Mal abwarten, wie viele Spieler gehen, dann können wir eventuell noch tätig werden.

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Auf welchen Positionen?

Wir hätten gerne noch einen Spieler für den Halbraum.

Haben Sie bestimmte Spieler im Auge?

Natürlich beobachten wir den Markt, sind in Gesprächen, halten Kontakt mit Spielern und Beratern. Ich bin guter Dinge, dass wir einen Spieler dazunehmen könnten. Wenn nicht, bin ich mit dem derzeitigen Kader auch zufrieden. Entscheidend ist sowieso, dass wir uns als Team weiterentwickeln.

Die Kickers sind Tabellenvierter haben neun Punkte Rückstand auf Waldhof Mannheim. Der Spitzenreiter holte in der Winterpause als Verstärkung einen Zweitligaspieler (Seegert aus Sandhausen), die Kickers einen Spieler aus der siebten Liga. Ist Mannheim noch einzuholen?

Man hat zum Beispiel in der Premier League gesehen, wie schnell sich alles entwickeln kann. Manchester City galt als unschlagbar, lag klar vorne. Dann haben sie dreimal verloren, Liverpool hat dreimal gewonnen und schon war der Wechsel da. Unsere Strategie muss sein, von Spiel zu Spiel zu schauen. Und natürlich dürfen wir nicht mehr so viele unnötige Punkte abgeben, wenn wir oben rankommen wollen.

Aber man muss auf Ausrutscher der drei Teams vor dem OFC hoffen.

Erst einmal müssen wir auf uns schauen, dass wir uns als Team weiterentwickeln und die Spieler verbessern. Wir waren vor der Winterpause auf einem guten Weg. Und wenn man die ersten vier Spiele ohne Sieg weglässt, ist der Punkteschnitt auch in Ordnung. Jetzt müssen wir in den 14 Spielen so viele Punkte wie möglich holen. Dann gibt es die entscheidenden Spiele, da muss man da sein.

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Konkret gefragt: Ist Platz eins für Kickers Offenbach noch drin?

Wenn wir keine Ziele hätten, bräuchten wir am Montag nicht anfangen. Wir wollen immer das Maximale rausholen. Wir haben es nicht in eigener Hand, das stimmt. Schon der Auftakt wird zeigen, ob wir nochmal oben rankommen. Dazu dürfen wir nicht wie im Sommer starten.

Damals haben die Kickers aus den ersten vier Spielen nur zwei Punkte geholt. Was werden Sie diesmal in der Vorbereitung anders machen?

Auf diesen Fehlstart hatte nichts hingedeutet. Sicher hat es etwas gedauert, mit der Umstellung auf einen neuen Trainer. Aber jetzt sind wir viel weiter. Wir spielen viel konstanter, machen weniger Fehler, sind taktisch viel variabler, können mehrere Systeme spielen. Wir haben auch bei den Testspielen etwas geändert. Weniger Spiele, dafür höherklassigere Gegner als im Sommer. Wir werden im Training etwas andere Reize setzen. Vor allem bei der Beweglichkeit und Athletik. Die Spieler wissen inzwischen genau, was wir erwarten. Ich bin wirklich guter Dinge, dass wir 2019 einen guten Start hinlegen.

Das Gespräch führte Jochen Koch

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