Schwache Vorstellung bei der TSG Balingen

Umbruch bei Kickers Offenbach wird radikaler ausfallen

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Torschütze im zweiten Anlauf: Moritz Reinhard (links) ließ erst eine Großchance aus, als er nach zu kurzem Rückpass von Manuel Pflumm (rechts) alleine aufs Tor zulief, sich den Ball aber zu weit vorlegte (22.). Drei Minuten vor Schluss erzielte er das 1:2 - sein fünftes Saisontor.

Auf dem Platz ist derzeit bei Kickers Offenbach beinahe weniger Bewegung als hinter den Kulissen. Nach der schwachen Vorstellung beim 2:2 bei der TSG Balingen stellen die Kickers die Weichen für eine neue Zukunft. Immer klarer wird: Der Umbruch wird größer als bislang angenommen.

Balingen – Dass sich im Kader etwas verändern muss, darüber sind sich Sportdirektor Sead Mehic und Trainer Daniel Steuernagel schon geraume Zeit einig. Nachdem nun immer klarer wird, dass sich dank des angekündigten Engagements einer Gruppe von Geldgebern um den potenziellen neuen Präsidenten Joachim Wagner neue Möglichkeiten ergeben, werden die Veränderungen wohl viel radikaler als lange geplant. „Es geht in die richtige Richtung“, freut sich Steuernagel: „Denn der Anspruch, den der Klub hat, ist mit dem bisherigen Etat nicht zu erfüllen.“ Gleichwohl warnte der OFC-Trainer vor überzogenen Erwartungen im Vergleich zu finanzstarken Klubs wie dem 1. FC Saarbrücken, dem FC Homburg, der SV Elversberg oder dem TSV Steinbach Haiger: „Wir werden die Konkurrenz jetzt sicher nicht überholen, sondern die Lücke wird nur etwas kleiner.“

Kickers Offenbach: Sechs Spieler verlassen OFC

Die Umgestaltung des Kaders hat längst begonnen. Sechs Spieler wissen bereits, dass ihre Zeit beim OFC endet. Neben den Torhütern Daniel Endres, Sebastian Brune und Bilal Jomaa Zabadne sowie den in der Winterpause erstmals aussortierten Christos Stoilas und Serkan Göcer wird auch Dennis Schulte gehen. Der 28-Jährige, seit 2013 in Offenbach und somit nach Endres der dienstälteste Akteur im Kader, wird sich beruflich neu orientieren, erklärte Mehic. In Balingen saß der Verteidiger erstmals nach seiner Verletzungspause auf der Bank.

Doch bei sechs Veränderungen wird es nicht bleiben. „Wenn du das Trikot von Kickers Offenbach trägst, musst du Woche für Woche gute Leistungen bringen“, sagte Steuernagel und gab Einblicke in seine Kriterien der Personalauswahl. „Wir müssen abwägen, wer mit dem Druck, der in Offenbach herrscht, umgehen kann.“ Eine Erkenntnis: Nur mit „Jugend forscht“ wird es nicht gehen. In Balingen standen ab der 65. Minute in Maik Vetter, Ko Sawada (beide 27 Jahre) und Niklas Hecht-Zirpel (25) nur noch drei „Ü24“-Feldspieler auf dem Platz.

Bilder: OFC im Auswärtsspiel gegen Balingen

OFC mit schwachem Auftritt in Balingen

Der über weite Strecken bedenklich schwache Auftritt in Balingen war eine weitere Bestätigung dafür, dass Veränderungen nötig sind. „Wir haben in der ersten Hälfte gespielt, als wären wir mit den Waldis unterwegs“, ärgerte sich Steuernagel über den lange behäbigen Auftritt, den er mit einem Spiel der Kickers-Traditionsmannschaft verglich. Von Wiedergutmachung für das 0:4 gegen Mannheim war lange nichts zu sehen. Steuernagel ließ auch nicht als Ausrede gelten, dass in Francesco Lovric (Gelb-Sperre), Julian Scheffler, Dren Hodja, Varol Akgöz, Serkan Göcer (alle Virusinfektion), Matias Pyysalo (Syndesmosebandriss), Christos Stoilas und Jan Hendrik Marx (angeschlagen) gleich acht Feldspieler nicht zur Verfügung standen.

„Wir hatten eine gute Mannschaft auf dem Platz“, betonte der Trainer, monierte aber vor allem die Einstellung. „In der ersten Halbzeit habe ich keinen Einsatz, keine Leidenschaft gesehen. Das geht so nicht“, kritisierte er und räumte ein, in der Kabine erstmals „richtig laut“ geworden zu sein.

Blamage abgewendet

Er hatte auch allen Grund dazu. Der Aufsteiger aus Balingen hatte mit einfachen Mitteln die Partie beherrscht: Zweikampfstärke, ein schnelles Umschaltspiel und gute Standards genügten, um den OFC zu beeindrucken. Dazu luden die Kickers Balingen mit haarsträubenden Fehlern zum Toreschießen ein. Beim 1:0 stand der Ex-Offenbacher Stefan Vogler nach einer Ecke völlig frei und traf per Flugkopfball (6.). Beim 2:0 für die TSG vertändelte der schwache Sawada im Mittelfeld den Ball, der ebenso neben sich stehende Kapitän Benjamin Kirchhoff ließ Vogler ziehen, der klug auf Scherer auflegte (34.).

Die Kickers, für die Moritz Reinhard frei vor dem Tor die Riesenchance zum Ausgleich liegen ließ (22.), waren in der zweiten Hälfte zwar bemühter, hatten aber bei Patrick Laubles Lattentreffer Glück, nicht 0:3 hinten zu liegen. Erst als Balingens Kräfte mehr und mehr erlahmten, kam der OFC richtig auf – und wendete eine Blamage gerade noch ab. Reinhard traf nach Vorarbeit des eingewechselten A-Jugendlichen Jakob Lemmer zum 1:2 (87.), Maik Vetter in der 90. Minute zum Ausgleich.

Von Jörg Moll

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