Kickers Offenbach

OFC: Vetter zeigt klasse Reaktion und lobt Teamgeist - „Das ist die Basis“

„Ich wollte zeigen, dass ich es besser kann“: Maik Vetter leitete mit diesem Steckpass das entscheidende 1:0 ein.
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„Ich wollte zeigen, dass ich es besser kann“: Maik Vetter leitete mit diesem Steckpass das entscheidende 1:0 ein.

Vor einer Woche war Kickers Offenbachs Maik Vetter beim 1:1 in Koblenz zur Pause ausgewechselt worden und nach der Partie mit grimmiger Miene zum Bus geschlichen. Am Freitag beim 1:0 in der Fußball-Regionalliga Südwest gegen die TSG Hoffenheim II war der Rechtsverteidiger der gefeierte Mann - auch weil er vorbildlich kämpfte. „Er hat das Herz am rechten Fleck“, lobte Trainer Sreto Ristic.

Offenbach – Fußball ist ein Sport, der wie kein zweiter in kurzer Zeit die ganze Bandbreite an Emotionen zu produzieren vermag. Maik Vetter wird das sicher bestätigen. Der 30-Jährige, dienstältester Profi der Offenbacher Kickers, war beim 1:0 gegen 1899 Hoffenheim II der gefeierte Mann beim Fußball-Regionalligisten. Eine Woche zuvor war er beim 1:1 in Koblenz noch mit grimmiger Miene nach vorzeitiger Auswechslung in den Mannschaftsbus geschlichen.

„Koblenz war keine gute Leistung von mir“, räumt Vetter ein: „Ich wollte unbedingt zeigen, dass ich es besser kann.“ Und das gelang höchst eindrucksvoll. Das Tor von Dejan Bozic (25.) bereitete er mit einem unwiderstehlichen Solo und einem Steckpass mustergültig - aber eben auch Vetter-typisch - vor. „Am Ende blieb nur noch die Grätsche“, sagte er grinsend zu seinem unkonventionellen Zuspiel auf den Offenbacher Mittelstürmer, der nach seinem vierten Saisontreffer „75 Prozent des Tores Maik“ anrechnete.

Vetter stand sinnbildlich für die Tugenden, für die es in Offenbach tosenden Applaus und zugleich Amnestie für etwaige Makel gibt. Er rannte, kämpfte, grätschte, solange ihn die Beine trugen. Und er lebte damit das vor, was eine Offenbacher Elf nach dem Geschmack der Anhänger auf dem Platz auszeichnen sollte. „In puncto Teamgeist haben wir einen ganz großen Schritt nach vorne gemacht“, meinte er: „Jeder hat alles rausgehauen. Fehler wurden vom anderen ausgebügelt, das ist die Basis.“

Sreto Ristic, der Vetter rechts hinten Jayson Breitenbach (Bank) vorgezogen hatte, durfte sich in seiner Personalauswahl bestätigt fühlen. Vor Vetter agierte in Denis Huseinbasic ein Akteur, der in Koblenz zunächst auf der Bank saß. Der 20-Jährige, zuvor eigentlich stets im zentralen Mittelfeld gesetzt, zeigte ebenfalls jene Tugenden, die am Bieberer Berg gefordert werden. Angestachelt von einem hochmotivierten Hintermann.

„Das ist Maik, das ist Herz am richtigen Fleck“, lobte der OFC-Coach den Routinier: „Er muss wissen, dass er kein Ronaldo ist, aber wenn er bei sich bleibt, ist er brutal wertvoll für die Mannschaft.“ Doch Ristic vergaß nach dem Spiel, das nach zwei Partien ohne Sieg auch mental herausfordernd war, nicht, auch Vetters Pendant links hinten zu erwähnen. „Beide Außenverteidiger haben es sehr gut gemacht“, meinte er mit Blick auf Davud Tuma, den Vertreter des verletzten Ronny Marcos (Bänderriss im Sprunggelenk). Der Linksverteidiger wird auch am Dienstag (19 Uhr) im Nord-Süd-Gipfel beim KSV Hessen Kassel noch nicht zur Verfügung stehen. Tuma bildete mit dem Last-Minute-Zugang Rafael Garcia, der am Samstag Hochzeit feierte, eine linke Seite, der zwar nicht alles gelang, die aber nie aufgab.

Die Fans, traditionell mit sensiblen Antennen ausgestattet, trugen mit „Maik-Vetter“-Sprechchören ihren Teil dazu bei, dass der Blondschopf, der seit 2014 203 Regionalliga-Partien für den OFC absolvierte, nach dem Koblenz-Schockerlebnis („Das ist noch nicht ganz verarbeitet“) glücklich lächelnd den Platz verließ. „Flutlicht, geile Stimmung, gutes Spiel - es hat viel Spaß gemacht“, konstatierte er. Und: „Dieser Sieg gibt Kraft, es geht ja jetzt Schlag auf Schlag weiter“, am Dienstag in Kassel und am Sonntag (14 Uhr) gegen Astoria Walldorf. Gegner, gegen die der OFC punkten sollte, um den Trend nach oben zu bestätigen. Ähnlich äußerte sich Torschütze Dejan Bozic: „Der Sieg gibt Selbstvertrauen, aber so soll es auch weitergehen.“ Den Zugang vom SV Meppen stimmt dabei zuversichtlich, dass die Kickers in solch intensiven Spielen wie gegen Hoffenheim stets in der Lage sind, von der Bank aus nachzulegen. „Das war ganz wichtig“, betonte er. Jeder, der reingekommen sei, habe sofort Leistung gezeigt. Lucas Hermes und Mathias Fetsch kamen in der 68. Minute. Kurz vor Schluss dann der wieder genesene Serkan Firat - und erstmals überhaupt seit seinem Wechsel von Drittliga-Absteiger VfB Lübeck schickte Ristic Moody Chana für den etwas glücklosen und am Ende völlig ausgelaugten Tunay Deniz aufs Feld.

Ristic hat somit nach dem fünften Punktspiel 19 der 22 Feldspieler im Kader eingesetzt. Und damit Bozics Kader-These untermauert.

Von Jörg Moll

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