Kickers Offenbach

OFC-Wintertransfers seit 2013: Eine Bilanz

89 Pflichtspiele, 31 Tore: Die Bilanz von Markus Müller (Mitte) im Trikot des OFC kann sich sehen lassen.
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89 Pflichtspiele, 31 Tore: Die Bilanz von Markus Müller (Mitte) im Trikot des OFC kann sich sehen lassen.

Wintertransfers im Fußball sind nicht unumstritten. Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach will in der Saisonpause sogar zwei bis drei Neue holen. Macht das Sinn? In den vergangenen Jahren war die Trefferquote jedenfalls hoch. Eine Bilanz: von Müller bis Laprevotte.

Offenbach – Zwei bis drei Zugänge sollen es nach den Vorstellungen von Geschäftsführer Thomas Sobotzik noch sein in diesem Winter. In Stürmer Philipp Hosiner (32) vom Zweitligisten Dynamo Dresden und Paul Milde vom Ligarivalen TSV Steinbach Haiger schlug Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach am Montag zweimal zu. In der Experten-Blase Profifußball werden Winterverstärkungen nicht selten kritisch gesehen, weil ihnen vorauseilt, einen geringen Mehrwert und selten lange Halbwertszeiten zu besitzen.

Die Frage über den Sinn solcher Verstärkungen ist durchaus erlaubt: Wer wechselt schon gerne im Winter den Klub? Und wer bitteschön steigt im Winter auch noch gerne in eine tiefere Liga ab? Es sei denn, der finanzielle Anreiz stimmt.

Doch ein Blick in die Regionalliga-Historie seit 2013 zeigt, dass der OFC einige Male wirklich gut beraten war mit Winterverstärkungen. Der polnische Abwehrhüne Sebastian Zieleniecki, der seit Januar 2020 in jedem Pflichtspiel auf dem Platz stand, überragt alle 15 Wintertransfers seit 2013, von denen mindestens sieben Eindruck hinterließen. Doch es gibt auch die anderen Beispiele, die längst vergessen sind, wie Grgo Zivkovic, Levent Vanli oder Pelle Hoppe.

Saison 2013/14:

Trainer Rico Schmitt, der nach dem unfreiwilligen Abstieg aus der 3. Liga eine Casting-Truppe ins Rennen geschickt hatte, legte im Winter einmal nach - und das zahlte sich aus: Torjäger Markus Müller, vom Ligarivalen Wormatia Worms gekommen, sollte sich in Offenbach schnell akklimatisieren und mit Leistung zurückzahlen: In 89 Pflichtspielen bis Juni 2016 gelangen dem früheren Zweitligaprofi des FC Erzgebirge Aue 31 Tore, 15 davon in der Meistersaison 2014/15. Heute kickt der 33-Jährige als spielender Co-Trainer in der Landesliga Niederrhein beim TSV Wachtendonk.

Saison 2014/15:

Die einzige Spielzeit, in der der OFC in der Regionalliga komplett auf Verstärkungen im Winter verzichtete. Nicht ganz verwunderlich angesichts der Dominanz des OFC in seiner Meistersaison.

Saison 2015/16:

Rico Schmitts Nachfolger Oliver Reck erhielt im Winter zwei Verstärkungen fürs Mittelfeld. Marco Rapp, Typ Aggressive Leader im defensiven Mittelfeld, kam vom Drittligisten Chemnitzer FC. In zweieinhalb Jahren, in denen er einige schwere Verletzungen beklagte, kam er auf 68 Pflichtspiele (zwei Vorlagen). Ging dann zum Bayern-Regionalligisten SpVgg Bayreuth, wo er seine Karriere mit 30 Jahren nach einer schweren Knieverletzung beenden musste. Genauso gut schlug Dren Hodja ein. Der Offenbacher Junge kehrte vom VfR Aalen in seine sportliche Heimat zurück. In 117 Einsätzen für den OFC erzielte er 35 Tore (10 Vorlagen), 26 davon zwischen 2016 und 2018, seiner stärksten Phase überhaupt in der Regionalliga. 2019 trennten sich die Wege, Hodja (27) landete nach Stationen in Alzenau und Gießen beim FSV Frankfurt.

Saison 2016/2017:

Lediglich einen Zugang vermeldete der OFC im Winter dieser Saison. In Levent Vanli kam ein junger Torwart, der als Nummer drei eingeplant war - und dessen große Stunde im April 2017 schlug. Weil Stammtorwart Daniel Endres verletzt fehlte und sein Vertreter Alexander Sebald beim 2:2 in Kassel nach einer halben Stunde lädiert runter musste, durfte der frühere Griesheimer drei seiner vier Regionalliga-Partien in seiner Karriere für den OFC bestreiten. Es blieb eine kurze Blüte, denn nachhaltig war sein Wirken nicht. Nach einem halben Jahr verließ er den OFC - und machte seine vierte und wohl letzte Regionalliga-Partie für TuS RW Koblenz. Seit drei Jahren ist der 29-Jährige ohne Verein, kürzlich war er beim Verbandsligisten Hanauer SC 1960 im Gespräch.

Saison 2017/18:

Die weiterhin von Oliver Reck trainierten Kickers schlugen in Person von Sportdirektor Sead Mehic in der Winterpause zweimal zu. Während Innenverteidiger Francesco Lovric zweieinhalb Jahre blieb (58 Pflichtspiele, fünf Tore), war Grgo Zivkovic schnell wieder Geschichte. Der Mittelfeldspieler, der vom kroatischen Erstligisten NK Novigrad kam, absolvierte nur sechs Einsätze über insgesamt 188 Minuten für den OFC. Über die Stuttgarter Kickers und einen Klub in der Heimat landete der heute 28-Jährige beim österreichischen Provinzklub SV Fellbach.

Saison 2018/19:

Ein Finne und ein Gruppenliga-„Bomber“ - das waren die Wintertransfers des OFC in dieser Spielzeit. Matias Pyysalo hatte sich als Testspieler empfohlen. Und Moritz Reinhard hatte Max Lesser, der Assistent des neuen Cheftrainers Daniel Steuernagel, in der Gruppenliga Fulda entdeckt. Dort hatte Reinhard für seinen Heimatverein SG Elters Jahr für Jahr mehr als 20 Tore pro Saison geschossen. Und nach dem Märchen um Jake Hirst, der aus der Kreisoberliga gekommen war, schien Reinhard die nächste Überraschung zu sein. Im dritten Regionalliga-Spiel traf er erstmals zum 1:0-Sieg gegen den SC Hessen Dreieich. Es folgten vier weitere Treffer in insgesamt 13 Partien. Doch dann stagnierte Reinhard, auch dank immer namhafterer Konkurrenz. Nach neun Toren in 42 Einsätzen ging der heute 26-Jährige im Sommer 2021 zum Hessenligisten SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Keine bleibenden Eindrücke hinterließ Matias Pyysalo. Der erste Finne im Dress der Kickers absolvierte in eineinhalb Jahren 18 Regionalligapartien (zwei Tore, drei Vorlagen). Sein wichtigster Treffer gelang ihm dabei im Achtelfinale des Hessenpokals beim 1:0 nach Verlängerung bei Bayern Alzenau. Heute kickt er in der dritten finnischen Liga bei Grankulla IFK.

Saison 2019/20:

Nach turbulenten Zeiten in der Vorrunde, in der die Kickers zwischenzeitlich in Abstiegsgefahr steckten, folgte die Runderneuerung: Trainer Steuernagel und Manager Mehic mussten gehen, auf Interimstrainer Steven Kessler folgte Angelo Barletta, der nach der Winterpause zur Aufholjagd ansetzen sollte, die durch den Corona-Ausbruch aber abrupt endete. Gelingen sollte das mit einem durch sechs Neue verstärkten Kader, den der neue Geschäftsführer Thomas Sobotzik erstmals umformierte. Außenbahnspieler Serkan Firat kam von Bayern Alzenau zurück und schlug wenig überraschend stark ein. Im polnischen Abwehrhünen Sebastian Zieleniecki gelang Sobotzik ein besonderer Coup: Der 26-Jährige fehlte seither keine einzige Minute in einem Pflichtspiel, ist längst einer der besten Abwehrspieler der Liga. Weniger glücklich verlief aus den unterschiedlichsten Gründen die Zeit für die anderen vier. Verteidiger Maurice Pluntke kam verletzungsbedingt nur einmal in eineinhalb Jahren zum Einsatz, ging im Sommer 2021 zum 1. FC Bocholt (Oberliga Niederrhein). Tim Dierßen, der Mittelfeldspieler, einst für Hannover 96 sogar in der Bundesliga am Ball, verletzte sich in der zweiten Saison schwer und kam so nur auf 18 Einsätze in eineinhalb Jahren. Noch schlechter lief es nur für Angreifer Pelle Hoppe (zwei Kurzeinsätze), der im Oktober 2020 Offenbach Richtung Regionalliga Nordost verließ (erst Germania Halberstadt, nun BFC Dynamo Berlin), und Torwart Felix Ferahyan. Der zweite Finne in Offenbach stand lediglich neunmal als Ersatztorwart im Kader. Heute ist der 23-Jährige vereinslos.

Saison 2020/21:

In Charles Elie Laprevotte stieß ein Neuer zum Team, das ab Januar 2021 von Sreto Ristic trainiert wird. Der Mittelfeldspieler, zuvor in 2. und 3. Liga unter anderem für den 1. FC Magdeburg am Ball, entwickelte sich sofort zur erhofften Verstärkung in der Schaltzentrale. Gleich im ersten Einsatz traf er sehenswert beim 4:1 in Stadtallendorf. Nach zwölf Einsätzen verletzte er sich beim 3:1 in Alzenau schwer an der Schulter. Weil der OFC den Heilungsprozess abwarten, Laprevotte sich jedoch nicht so lange gedulden wollte, trennten sich die Wege schnell wieder. Laprevotte (29) ging zum Ligarivalen SV Elversberg, wo er unumstrittener Stammspieler ist.

Von Jörg Moll

Traf gleich bei seinem Punktspieldebüt für den OFC in Stadtallendorf: Charles Laprevotte (links).

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