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OFC-Zugang Milde: „Will nicht nur ‚der Sohn von ...‘ sein“

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Von: Christian Düncher

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Abgeschirmt: Außenverteidiger Paul Milde (links, im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV) spielte für den Chemnitzer FC 32 Mal in der 3. Liga (acht Vorlagen). Für Dynamo Dresden war er zweimal in der 2. Liga im Einsatz.
Abgeschirmt: Außenverteidiger Paul Milde (links, im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV) spielte für den Chemnitzer FC 32 Mal in der 3. Liga (acht Vorlagen). Für Dynamo Dresden war er zweimal in der 2. Liga im Einsatz. © Imago

Paul Milde, Zugang des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, spricht im Interview über seinen Wechsel, das Wiedersehen mit alten Bekannten und seinen berühmten Vater

Offenbach – Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Vor der Saison war Paul Milde bereits ein Thema beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, stand aber schon bei Ligarivale TSV Steinbach Haiger im Wort. In der Winterpause schloss sich der 27 Jahre alte Außenverteidiger nun doch dem OFC an. Im Interview spricht er über die Gründe für den Wechsel, alte Bekannte und seinen berühmten Vater.

Sreto Ristic als Trainer, Sie rechts hinten, Rafael Garcia links vorne, Philipp Hosiner im Sturm und Davud Tuma sowie Dejan Bozic als Einwechselspieler - erinnern Sie sich noch daran, wann beziehungsweise gegen wen das war?

Ja, das müsste das Drittligaspiel 2019 mit dem Chemnitzer FC bei der Spvgg. Unterhaching gewesen sein. Wir haben eine gute Leistung gezeigt, uns aber nicht belohnt und knapp 1:2 verloren.

Und jetzt sind sie alle bei Kickers Offenbach wiedervereint. Gibt es da von der Fraktion der Nicht-Chemnitzer Frotzeleien?

Natürlich gehört der eine oder andere Spruch dazu. Aber es ist egal, wer woher kommt. Wichtig ist, dass wir jetzt ein Team sind und das gleiche Ziel verfolgen. Den Eindruck hatte ich von Anfang an. Dass ich ein paar Jungs kannte, hat mir sicher den Einstieg einfacher gemacht.

Fast wären Sie schon vor der Saison beim OFC gelandet. Erzählen Sie mal…

Für meine Frau und mich war klar, dass wir, wenn wir den Chemnitzer FC fix verlassen, im Sommer etwas Neues machen und uns regional verändern wollten. Es gab Interesse vom OFC, da stand ich jedoch schon in Steinbach im Wort und das zählt für mich.

Wie kam es nun zum Wechsel? Was waren die Beweggründe?

Mein Berater hat mir im Winter mitgeteilt, dass der OFC immer noch Interesse hat. In Steinbach haben wir dann offen gesprochen, wofür ich allen Beteiligten beim TSV sehr dankbar bin. Dabei habe ich dem Verein mitgeteilt, dass es mein großer Wunsch ist, zum OFC zu wechseln.

Wenige Tage nach ihrem Wechsel vermeldete der TSV Steinbach Haiger, dass 13 Spieler positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Was waren da Ihre ersten Gedanken?

Mein erster Gedanke war natürlich, dass meine ehemaligen Kollegen so symptomfrei wie möglich bleiben und keiner von ihnen größere Probleme bekommen. Ich selbst habe viele Tests gemacht, wodurch ich stets wusste, wie mein eigener Zustand ist.

Paul Milde
OFC-Zugang Paul Milde im Trainingslager in der Türkei © -

Steinbach war ihre erste Station in der Südwest-Staffel. Sie haben dort immerhin 16 Spiele gemacht. Wie ist Ihr Eindruck von der Liga?

Es ist eine sehr starke Liga, mit einem guten Mix in den Mannschaften. Die fußballerische Qualität ist hier sehr hoch, was jedes Spiel interessant macht.

Sie sind bereits mit Fürstenwalde (in die Regionalliga Nordost) und Chemnitz (in die 3. Liga) aufgestiegen. Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass diese Saison ein weiterer Aufstieg folgt?

Bei den zwei Aufstiegen war stets das Team am wichtigsten. Man muss eine Einheit bilden und die Leistungen sowie Qualitäten auf den Platz bringen. Das gilt auch jetzt. Wenn wir diese Woche für Woche schaffen, kommen die Ergebnisse von alleine.

Wie ist Ihr Eindruck von der Mannschaft?

Die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen und es mir leicht gemacht, mich einzufinden. Wir haben viel Qualität und ein gutes Klima im Team und drumherum.

Wo sehen Sie Ihre Stärken? Wo und wie können Sie dem Team am meisten helfen?

Das ist sicher die Beidfüßigkeit. Ich bin auf beiden Außenverteidiger-Positionen zu Hause und denke sehr offensiv. Ich bin überzeugt, damit der Mannschaft weiterhelfen zu können.

Sie waren früher deutlich weiter vorne zu Hause, haben teilweise im Sturm gespielt und es 2015/16 für Union Fürstenwalde als Flügelspieler in 29 Oberliga-Partien auf unglaubliche 42 Scorerpunkte (zehn Tore, 32 Vorlagen) gebracht. Wie kam es dann zur Umschulung zum Außenverteidiger?

In Chemnitz fiel unser Linksverteidiger aus, es gab keine richtigen Optionen. Trainer David Bergner kannte mich noch aus Dresdner Zeiten, wo ich als junger Spieler in der ersten Mannschaft ab und zu auf den Außenverteidiger-Positionen trainiert habe. Ich habe gegen Hertha II mein erstes Spiel als Linksverteidiger bestritten, es hat anscheinend gut funktioniert (lacht).

Ihr Vater Rocco (67 Erstliga-Spieler für Bochum und Rostock, zweimal Meister und einmal Pokalsieger in der DDR mit Dynamo Dresden) war selbst Stürmer. Wie hat er Ihre „Rückversetzung“ kommentiert?

Das Wichtigste als Spieler ist immer, auf dem Platz zu stehen. Genau das hatte er mir damals auch gesagt. Wenn man nicht spielt, kann man sich nicht zeigen und weiterentwickeln. Insofern ist die Position erst mal egal.

Wie lebt es sich als Fußball-Profi mit einem prominenten Vater? Gab es eine Phase in Ihrer Karriere, in der Sie das als Belastung empfanden?

Nein. Von Beginn an war er - wie meine Mutter natürlich auch - mein größter Fan und Kritiker. Er hat mir sehr viel mitgegeben, egal, ob als junger Kicker oder jetzt, wo ich selbst schon einiges erlebt habe. Ich bin sehr stolz darauf, sein Sohn zu sein und unsere Familie nun selbst vertreten zu dürfen. Trotzdem habe ich natürlich das Ziel, mir einen eigenen Namen im Fußball zu erarbeiten und nicht nur der ‚Sohn von ...‘ zu sein.

Das Gespräch führte Christian Düncher

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