Viel Arbeit für Kessler

OFC muss vier Baustellen schließen - Zeitnahe Entscheidung über neuen Assistenzcoach

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Zu oft zweiter Sieger: Nejmeddin Daghfous (links) war kein Faktor im Offenbacher Offensivspiel. Hinten rechts Außenverteidiger Marco Schikora, der seine Rolle zu defensiv interpretierte,

Steven Kessler blickte ernst drein nach dem 0:0 beim FSV Frankfurt. Doch die Zuversicht wollte er sich trotz des offensiv dürftigen Auftritts nicht nehmen lassen.

Offenbach – „Wir gewinnen aus jedem Spiel Erkenntnisse, werden es analysieren und weitermachen“, sagte der 44-Jährige. Nüchtern betrachtet liest sich die Bilanz des Interimstrainers beim Fußball-Regionalligisten gar nicht so schlecht: zwei Spiele ohne Gegentor und Niederlage.

Doch Kessler weiß auch, dass bei den ambitioniert in die Saison gegangenen und nunmehr mit zehn Punkten Rückstand auf Spitzenreiter 1. FC Saarbrücken hart gestrandeten Kickers viel Arbeit wartet. „Wir analysieren das Spiel – und dann geht es weiter“, sagte er lapidar.

Doch ganz so einfach dürfte es nicht werden, den eigenen Ansprüchen gerechter zu werden. Dafür gibt es doch einige Baustellen.

Baustelle 1: Statisches Aufbauspiel

„Uns ist es überhaupt nicht gelungen, dominant aufzutreten“, meinte Dominik Draband. Den Torwart der Kickers irritierten die vielen schnellen Ballverluste. „Wir waren erst in den letzten 20 Minuten dominanter, haben da gezeigt, wie wir Fußball spielen wollen“, sagte er. Davor ließen sich die Offenbacher von lauffreudigen Frankfurtern nerven – und zu vielen einfachen Fehlern verleiten. Dass Draband selbst oft mit langen Pässen den Aufbau ankurbeln musste, passte zum statischen und tempoarmen Aufbauspiel der Kickers.

Bezeichnend eine Aussage von Trainer Kessler: „Der FSV hat unser Spiel gut gelesen.“ Immer deutlicher wird, wie sehr der Abgang von Ko Sawada schmerzt. Einen modernen „Box-to-box“-Spieler, also einen, der nach Ballgewinnen blitzschnell umschalten und damit für den nötigen Raumgewinn sorgen kann, haben die Offenbacher nicht mehr. Maik Vetter gelingt das als zentralem Mittelfeldspieler zu selten. Sein Nebenmann Francesco Lovric denkt vorwiegend defensiv. Und die Rückkehr des verletzten Kapitäns Richard Weil wird trotz Fortschritten in der Reha noch eine Weile auf sich warten lassen. Ebenfalls noch auf unbestimmte Zeit fehlen wird Luka Garic.

Baustelle 2: Taktisches Verhalten

Weil Frankfurt mutig presste, ließen sich die Kickers – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – viel zu tief zurückfallen. „Daran müssen wir arbeiten“, kündigte Kessler an. Angefangen bei den Außenverteidigern Marco Schikora und Ronny Marcos, die ihre Rolle zu defensiv interpretierten, über die zentralen Mittelfeldspieler, die sich zu oft nebeneinander staffelten, gerieten die Abstände im OFC-Spiel zu groß. In Frankfurt verfielen so bis auf den mutigen Jakob Lemmer alle Offenbacher in alte Muster. Die Abstände zu den offensiven Außen stimmten ebenfalls nicht – und somit fehlte die Anspielstation oder der Partner, der ein Hinterlaufen der gegnerischen Abwehr ermöglichte. Die Folge: Die Angreifer der Kickers müssen den Ball oft weit hinten holen. Der Weg zum Strafraum wird ewig weit – und ist leicht zu verteidigen.

Baustelle 3: Schwankungen von Leistungsträgern

Wenn der konstanteste Spieler der Torwart ist, sagt das viel aus. Bei den Kickers gelingt es nur Dominik Draband, Woche für Woche gute Leistungen abzurufen. Auch in Frankfurt strahlte er Sicherheit aus. Dagegen gelang vermeintlichen Stützen wie Maik Vetter oder Nejmeddin Daghfous kaum Konstruktives. Moritz Hartmann holte sich oft den Ball, der aber durch ungenaue Zuspiele schnell weg war. Gleiches gilt für Daghfous, der in dieser Saison einige Male den Unterschied ausmachte, dieses Mal aber kein Faktor war. Bezeichnend: Beide Angreifer schossen nicht aufs Tor.

Baustelle 4: Ungelöste Personalfragen

Viel Arbeit für Steven Kessler, der etwas Unterstützung gebrauchen könnte. Nach der Trennung von Assistent Max Lesser stehen dem Interimscoach nur Torwarttrainer Rene Keffel und Fitnestrainer Alex Konjevic zur Seite. „Wir arbeiten an Lösungen“, heißt es von Seiten des Vorstandes. Zeitnah soll entschieden werden, ob Kessler einen Assistenten erhält. Schnell beantwortet werden muss auch die Frage, wer ihn in der Bundesliga-U19 des OFC entlastet.

Von Jörg Moll

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