Zwischen Stadion und Bankschalter

OFC hat sich teilweise vom Vollprofitum verabschiedet

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Vor der Saison kochten die OFC-Profis Daniel Endres (links) und Maik Vetter (rechts) im Restaurant von Christoforo Amodeo („Die Zwei“) für Fans. Vetter geht inzwischen neben dem Fußball tatsächlich einer weiteren beruflichen Tätigkeit nach. 

Offenbach - Kickers Offenbach bezeichnet sich gerne als einen Ausbildungsverein. Inzwischen ist man dies sogar in doppelter Hinsicht. Vom Vollprofitum hat sich der OFC nämlich zumindest teilweise verabschiedet.Von Christian Düncher 

Es soll jedoch nicht zur Regel werden, dass Spieler parallel noch einen anderen Beruf haben. Der Zeitpunkt, als sich Oliver Reck zu einer öffentlichen Klarstellung veranlasst sah, lässt sich recht genau bestimmen: Es war der 22. Oktober gegen 16 Uhr. Die Offenbacher Kickers hatten in der Regionalliga Südwest gerade gegen den SSV Ulm im Endspurt aus einem 0:2 noch ein 3:2 gemacht und dessen Trainer Stephan Baierl die Niederlage auf der Pressekonferenz unter anderem damit begründet, dass viele seiner Spieler parallel einer Arbeit nachgehen. Bei den Kickers sei hingegen „alles top professionell“, so Baierl.

Profis gegen Feierabend-Kicker? Das wollte der OFC-Trainer so nicht unkommentiert lassen. „Wir haben auch Spieler, die in der Ausbildung stecken und in die Schule gehen. So professionell, wie es nach außen wirkt, ist es nicht immer“, stellte Reck klar. Zu Baierls Verteidigung sei angemerkt, dass dieser Zustand bei den Kickers relativ neu ist. Zwar hatte bereits nach dem Abstieg in die Regionalliga 2013 mindestens ein Spieler den Wunsch geäußert, parallel eine Ausbildung zu machen. Doch der damalige Trainer Rico Schmitt wollte nur mit Vollprofis arbeiten, um den Aufstieg zu schaffen. Lediglich Jan-Hendrik Marx, seinerzeit noch Perspektivspieler, machte eine Ausbildung – in der Filiale der Sparda-Bank-Hessen im Stadion.

Inzwischen absolviert der OFC seine vierte Regionalliga-Saison in Folge. Schmitt wurde durch Reck ersetzt. Und der ist – auch angesichts des Sparkurses – bereit, in Einzelfällen mit Spielern zu arbeiten, die parallel einem Beruf nachgehen wollen. Sein Okay gibt es aber nur, wenn er davon überzeugt ist, dass sich dies nicht negativ auswirkt.

Bei Maik Vetter hatte Reck keine Bedenken. Der 25-Jährige ist quasi Marx’ Nachfolger, macht eine dreijährige kaufmännische Ausbildung in der Filiale der Sparda-Bank-Hessen im Stadion. So lange läuft auch sein Vertrag mit dem OFC, der vor der Saison verlängert worden war. Verteidiger Dennis Schulte (26) ist seit September bei der KIZ Management GmbH in Offenbach tätig, die Menschen auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit berät. „Wir haben jedes Jahr zwei bis vier Auszubildende. Die Kombination mit dem OFC ist für uns aber neu“, sagt Markus Weidner, einer der KIZ-Geschäftsführer und Schatzmeister des Vereins Kickers Offenbach. „Fußball-Profis müssen zielstrebig, diszipliniert und leistungsbereit sein. Das sind gute Voraussetzungen, um auch in unserem Betrieb Erfolg zu haben.“

Bilder: OFC lässt Alzenau im Testspiel keine Chance

Torwart Daniel Endres (31) war eine Weile Schultes Klassenkamerad in der Berufsschule. Er hat seine Ausbildung aber abgebrochen, konzentriert sich aktuell wieder ganz auf Fußball und will den Trainerschein machen.

Linksverteidiger Alexandros Theodosiadis (28) war ebenfalls an einer Ausbildung interessiert. Man fand für ihn aber keine Stelle. Er will nun neben dem Fußball mit seinem Vater Kostas zusammenarbeiten. Branche: Rohrreinigung. Geplanter Name der Firma: Kostas Kanalis. Andere OFC-Akteure denken über einen 450-Euro-Job neben dem Fußball nach.

Die OFC-Verantwortlichen sehen das alles mit gemischten Gefühlen. Natürlich sei man vor allem bei Spielern, die sich bereits Gedanken über die Zeit nach dem Fußball machen, bereit, ihnen einen Weg ins Berufsleben zu ebnen, betonte Sportdirektor Sead Mehic, „es sollte aber nicht die Regel werden.“ Zwar zeige unter anderem das Beispiel Astoria Walldorf, dass man auch erfolgreich sein kann, wenn ein Großteil des Kaders nicht aus Vollprofis besteht. „Das funktioniert jedoch nur in der Regionalliga“, so Mehic. „Wir wollen aber mittelfristig hoch.“

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