Früher als gedacht

OFC: Kapitän Weil nach Verletzungspause wieder im Team

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Auch als Ersatzspieler ein Antreiber: OFC-Kapitän Richard Weil (rechts) während einer Spielunterbrechung im Gespräch mit seinem Mittelfeldkollegen Luigi Campagna. Hinten: Trainer Steven Kessler.

Richard Weil von Kickers Offenbach überzeugt nach langer Verletzungspause gegen den FSV Mainz 05. 

Offenbach – Kaum war der Kapitän wieder an Bord, übernahm er das Kommando – obwohl er zunächst gar nicht auf dem Platz stand: Richard Weil, Spielführer der Offenbacher Kickers, gehörte am Samstag im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 II nach langer Verletzungspause das erste Mal wieder dem Kader an, saß jedoch zunächst auf der Ersatzbank. 

Das hinderte ihn nicht daran, Einfluss zu nehmen. .

Mitte der ersten Hälfte redete er zunächst während einer Spielunterbrechung auf Mittelfeldmann Luigi Campagna ein. Als das Team dann kurz vor Beginn der zweiten Hälfte obligatorisch den Kreis bildete, hielt nicht der die Spielführerbinde tragende Maik Vetter die Rede, sondern Weil. 1:0 führten die Kickers zu diesem Zeitpunkt. 

OFC: Weil zog sich im August einen Sehnenanriss zu

Als Weil in der 77. Minute für Matias Pyysalo eingewechselt wurde, hatte sein einstiges Team das Spiel zum 1:3 gedreht. Dabei blieb es auch. „Ich hätte mir lieber gewünscht, dass ich 90 Minuten auf der Bank sitze, wir jedoch 1:0 gewinnen“, gab der Mittelfeldspieler zu, der sich Mitte August im Spiel bei der TSG Hoffenheim II einen Sehnenanriss zugezogen hatte.

Damals hieß es, der Kapitän würde rund drei Monate ausfallen, Weil kam bereits nach acht Wochen zurück und zeigte bei seinem Comeback auf Anhieb, warum er so schmerzlich vermisst worden war. Er kurbelte das Spiel an, war nahezu überall auf dem Platz zu finden. Mal klärte er am eigenen Sechzehner und versuchte, Manolo Rodas auf die Reise zu schicken. Mal tauchte er weit vorne auf und leitete den Ball per Kopf weiter. 

Kapitän Weil: „Seine Präsenz ist für uns wichtig“ 

Sehenswert waren auch die Verlagerungen via Diagonalpass. „Seine Präsenz ist für uns wichtig“, lobte Trainer Steven Kessler. Zudem bringt er ein Element ins defensive Mittelfeld, das seinen Neben- oder Ersatzleuten auf dieser Position fehlt. „Er hat uns in der einen oder anderen Situation spielerisch geholfen. Da hat man schon gesehen, wo er die Bälle hinspielt und wie er das Spiel beruhigt und dass die Mannschaft ihn auch sucht“, sagte Kessler.

Luigi Campagna ist eher ein Abräumer, Maik Vetter lebt von seiner Dynamik und Francesco Lovric wird bei den Kickers eher im Abwehrzentrum eingesetzt als im defensiven Mittelfeld. Weil hingegen verbindet Kampfgeist sowie das spielerische Element wie kein anderer Spieler im OFC-Kader. Er selbst wollte die beim Comeback gezeigte Leistung und seine Rolle in der Mannschaft nicht überbewerten: „Ich freue mich, zurück zu sein, aber es stehen elf Mann auf dem Platz.“

Kessler weiß um die große Bedeutung des zweitliga-erfahrenen Routiniers für die Mannschaft, warnt aber vor zu hohen Erwartungen. „Er muss wieder ein Gefühl fürs Spiel bekommen und sich langsam finden“, betont der Trainer. „Wir wollen ihn sukzessive aufbauen und werden das in den nächsten Trainingseinheiten und Spielen langsam steigern.“ Ein „Verheizen“ werde es auf keinen Fall geben: „Wenn er einen Rückschlag erleidet, habe wir alle nichts gewonnen“, so der Trainer. „Er ist ein Spieler unseres Profikaders, mit denen wollen wir perspektivisch arbeiten.“ Und Weil sei dabei eine „wichtige Säule“.

Hartmann ist gegen 1. FC Saarbrücken nicht dabei

Das gilt auch für Moritz Hartmann. Der erstliga-erfahrene Stürmer machte zwar bei zwei der drei Gegentore keine gute Figur, da er nicht nah genug an seinem Mann war, gehörte in der Offensive aber zu den auffälligsten Akteuren. Er setzte seine Nebenleute immer wieder gut in Szene, ist zudem technisch stark, lässt aber noch zu viele Chancen liegen. So auch in der 55. Minute, als er nach einem hohen Zuspiel von Rodas den Ball sehenswert mit rechts annahm und mit links abschloss: knapp vorbei. Es war eine Schlüsselszene. Wenig später glichen die Mainzer aus, drehten später das Spiel – 3:1. Kurz vor dem Ende flog Hartmann mit Gelb-Rot vom Platz, nachdem er erst einen Pfiff gefordert und dann ungestüm nachgesetzt hatte. Er spielte den Ball, traf aber auch den Gegner. Ein unnötiges Einsteigen. Kessler verteidigte seinen Spieler jedoch: „Das sind Emotionen. Als Stürmer, der immer in harte Zweikämpfe verwickelt ist, ist man auch immer ein bisschen auf den Schutz des Schiedsrichters angewiesen.“ Den vermisste der Trainer in der Szene. Und der OFC wird gegen den 1.FC Saarbrücken Hartmann vermissen. Dafür ist immerhin Kapitän Weil zurück.

Steven Kessler fasste den Grund für die erste Niederlage unter seiner Leitung mit einem Satz zusammen. „Wir haben das Spiel über die Standards verloren“, sagte der Trainer der Offenbacher Kickers nach dem bitteren 1:3 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 II.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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