OFC-SERIE III:

Präsident Spahn hört auf - Ruhl erhält 24,5 Prozent OFC-Anteile

+
Kickers Offenbach

Die sechste Spielzeit in der Fußball-Regionalliga war eine wechselvolle in vielerlei Hinsicht für die Offenbacher Kickers. In einer vierteiligen Serie blicken wir zurück: TEIL III: Wachwechsel

Offenbach – Der erste Paukenschlag erfolgte bereits am 6. September. Mit sofortiger Wirkung trat Präsident Helmut Spahn zurück. Der 58-Jährige ist als Sicherheitschef des Weltfußballverbandes FIFA in Zürich angestellt, weltweit unterwegs und selten zu Hause in Froschhausen. Und so führt er als Gründe für das abrupte Ende seiner Amtszeit – Spahn war erst im Februar wiedergewählt worden – private Motive an. „Seit Mai 2017 lebe ich in der Schweiz und bin beruflich sehr oft auch weltweit unterwegs“, erklärte er: „Demzufolge bin ich für meine Familie und den OFC nur am Wochenende verfügbar. Gerade in den letzten Wochen und Monaten hat sich sehr deutlich gezeigt, dass diese für mich sehr fordernde Konstellation nicht optimal für den Verein und meine Familie ist.“

OFC: Präsident Spahn tritt zurück

Auf der Hauptversammlung im Februar dieses Jahres ließ Geschäftsführer Christopher Fiori durchschimmern, dass es womöglich auch interne Gründe für den Abschied gab. Spahn, Initiator des Retterspiels gegen den FC Bayern München, hatte als Aufsichtsratsvorsitzender ein weiteres lukratives Spiel in Aussicht gestellt, das Fiori in die Etatplanung übernahm. Weil das aber ausblieb, mussten später Förderer, Gremienmitglieder und Freunde des OFC ein Loch von 500 000 Euro schließen. So überraschend der Rücktritt des welt- und wortgewandten Spahn kam, so erstaunlich war, dass das verbliebene Präsidium die Lücke im Führungsgremium nicht schließen wollte. Als Sprecher des Präsidiums fungierte fortan Michael Relic („Der Rücktritt hat uns sehr überrascht“), an seiner Seite blieben Markus Weidner (Vizepräsident) und Barbara Klein (Vizepräsidentin). Neu ins Gremium rückten der seitherige Verwaltungsratsvorsitzende Uwe Zeiler und Schatzmeister Daniel Simon.

OFC: Mitgliederversammlung am 25. Juni

Seitdem im Frühjahr dieses Jahres eine Gruppe von OFC-Freunden um den Unternehmer Joachim Wagner erklärt hat, Verantwortung übernehmen zu wollen, ist aus dem Quintett ein Vorstand auf Abruf geworden. Sicher scheint: Am 25. Juni wird bei der Mitgliederversammlung nur noch Daniel Simon in Wagners Mannschaft als Schatzmeister zur Wahl stehen.

Der Offenbacher Anwalt und Steuerberater hatte maßgeblich die Einigung mit Großgläubiger Dr. Frank Ruhl vorangetrieben, ein weiteres emotionales Thema hinter den Kulissen. Der Ex-Präsident hatte nach Ende der Stundungsvereinbarung am 31. Dezember 2018 für seine Forderungen aus Zeiten der ersten Insolvenz 2013 in Höhe von 1,25 Millionen Euro Anteile an der Profi-GmbH des OFC erhalten. Mit 24,5 Prozent für 650 000 Euro besitzt Ruhl nun den zweitgrößten Anteil nach dem Hauptverein (51 Prozent). Im Gegenzug hatte er ein Darlehen in Höhe von 600 000 Euro eingeräumt. Simon bezeichnete die Einigung mit Ruhl „als bestmögliche Lösung für alle Beteiligten“. Bereits im März 2018 war der Namensgeber des Stadions, die Sparda-Bank Hessen, als GmbH-Gesellschafter eingestiegen, hatte für 300 000 Euro 10,7 Prozent der Anteile erworben. Der OFC kann somit mit Blick auf die 50+1-Regel im deutschen Fußball noch 14,7 Prozent Anteile an künftige Investoren verkaufen. Ruhl selbst hatte im Interview mit unserer Zeitung offen eingeräumt, dass er diese Anteile gerne auch übernehmen würde, „es aber aus Satzungsgründen nicht darf, was ich selbstverständlich akzeptiere.“ Der Ex-Präsident erhielt zudem gemäß Satzung zwei Sitze im Aufsichtsrat. Ein weiteres Amt schloss er aus. „Ich habe bereits ein wichtiges Amt inne.“

Ruhls Urteil über die künftigen Verantwortlichen fällt positiv aus. „Ich bin verhalten optimistisch.“ Solches Lob des selten zufriedenzustellenden Ex-Präsidenten gleicht fast schon einem Ritterschlag für Wagner und dessen Team.

Morgen in Teil IV: Personalwechsel: Steuernagel und Mehic forcieren den Umbruch

VON JÖRG MOLL

Lesen Sie auch:

Von 7:0-Derbysieg bis 0:4-Heimdebakel: Sportliches Auf und Ab verlangt Fans viel ab

Die sechste Spielzeit in der Fußball-Regionalliga war eine wechselvolle in vielerlei Hinsicht für die Offenbacher Kickers. In einer vierteiligen Serie blicken wir zurück: Teil zwei der Serie: Stimmungswechsel.

Reck-Nachfolger Daniel Steuernagel setzt auf neue Methoden und Start in Sand

In einer vierteiligen Serie blicken wir zurück. TEIL I: Paradigmenwechsel

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare