Offenbacher Kickers

Schicksalstag für Daniel Steuernagel: Entscheidung gefallen

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Bleibt Daniel Steuernagel Trainer von den Kickers Offenbach oder wagt der OFC einen Neuanfang?

Tag der Entscheidung bei den Offenbacher Kickers: Die Verantwortlichen müssen ihrem Trainer und Sportdirektor mitteilen, ob sie bleiben dürfen oder gehen müssen. 

Update vom Dienstag, 16. September, 11.35 Uhr: Kickers Offenbach hat eine Entscheidung getroffen und trennt sich Trainer Daniel Steuernagel, Co-Trainer Max Lesser und Sportdirektor Sead Mehic. Über alle neuen Entwicklungen beim OFC berichten wir im News-Ticker.

Erstmeldung vom Montag, 16. September, 18.32 Uhr: Offenbach - Spätestens nach der 0:1-Niederlage beim TSV Steinbach-Haiger gibt es auch bei den Entscheidern erhebliche Zweifel, ob man die Saison mit Daniel Steuernagel und Sead Mehic zu Ende spielen soll. Nach vier Spielen ohne Sieg (1 Punkt/1:6 Tore) ist Platz eins schon acht Punkte entfernt. Gewinnt der 1. FC Saarbrücken heute sein Nachholspiel gegen Hoffenheim sind es sogar schon zehn Zähler.

Mit 13 Punkten aus den ersten fünf Spielen lag man eigentlich voll im Soll. Schließlich hatten auch viele Trainer und Experten den OFC in den Kreis der Aufstiegsaspiranten erhoben. Doch dann folgte der Einbruch. Wobei schon zu Saisonbeginn die Ergebnisse oft den Rumpelfußball übertünchten. Die Kickers haben selten ein Spiel dominiert. Mit einer abwartenden, teilweise zurückhaltenden Taktik, zumeist mit zwei defensiven „Sechsern“, zuletzt auch mit drei Innenverteidigern, war wenig von der vor Saisonbeginn propagierten Spielkontrolle zu sehen. Kein Wunder, dass das Spiel nach vorne selten funktionierte.

Kickers Offenbach: Die Mannschaft ist überfordert – Wagt der OFC einen Neuanfang? 

Die Niederlagen gegen Elversberg (0:3), Homburg (1:2) und Steinbach (0:1) haben gezeigt, dass die Mannschaft überfordert ist, wenn sie auf ebenfalls hoch eingeschätzte Teams trifft. Das deprimierende 0:0 gegen den sieglosen Tabellenvorletzten Pirmasens hat die Probleme schonungslos offengelegt. Der Mangel an Kreativität, Durchschlagskraft und Torgefahr könnte sich mit der Nachverpflichtung von Moritz Hartmann verbessern. Aber dann ist es womöglich schon zu spät und die Saison kaum noch zu retten.

Deshalb stellen sich Wagner, Herzog und Co. die Frage: Weiter so und hoffen, dass Steuernagel die Mannschaft schnellstens wieder auf Kurs bringt, und Mehic bei seiner Transferpolitik (13 Zugänge/14 Abgänge) nicht komplett daneben gelegen hat. Oder: Wechsel auf der Kommandobrücke und mit einem oder zwei Neuen die Wende herbeiführen?

In den letzten erfolglosen Tagen haben Wagner und Co. viele Gespräche mit Steuernagel, Mehic und den Spielern geführt. Ohne den erhofften Erfolg. Jetzt werden sie bestimmt auch mit anderen Trainern sprechen, um sich Lösungsmöglichkeiten aufzeigen zu lassen.

Kickers Offenbach: Verträge von Steuernagel und Mehic laufen bis 2020 – keine Abfindungsregelungen 

Die Verträge von Steuernagel und Mehic laufen noch bis Saisonende. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es keine Abfindungsregelegung, beide müssten im Falle einer Trennung also bis 30. Juni 2020 weiter bezahlt werden. Ein neuer Trainer (mit Co-Trainer) und ein neuer Sportdirektor würden das Budget nochmals stark belasten. Eine Doppellösung, also ein Trainer/Sportdirektor in einer Person, wäre daher naheliegend. Zumal die personelle Planung der neuen Saison (wo sind welche Verstärkungen nötig?) sowieso erst in der Winterpause anlaufen wird. Bis dahin könnte sich der neue Mann ein aussagekräftiges Bild vom Kader machen. Aber natürlich ist es schwierig, derzeit geeignete Kandidaten zu finden. Zumal das Präsidium und der Geschäftsführer erst seit wenigen Wochen im Amt sind, und weder über langjährige Fußball-Kompetenz, noch über das nötige Netzwerk im Profifußball verfügen.

Intern böte sich zumindest kurzfristig eine Lösung mit Teammanager Bernd Winter an. Der 47-jährige Ex-Profi war beim FSV Frankfurt zu Zweitligazeiten Co-Trainer, arbeitete mit Tomas Oral in der Saison 2016/17 auch beim Karlsruher SC.

Trennt sich der OFC nur von Steuernagel (und Co-Trainer Max Lesser), müsste Sead Mehic einen Nachfolger suchen, obwohl er selbst stark in der Kritik steht. Als Sportdirektor hatte er sich in der Saison 2016/17 gegen eine Vertragsverlängerung von Oliver Reck ausgesprochen, und argumentiert, die Mannschaft sei besser als der damals erreichte Platz drei. Doch das erste Jahr nach Reck schloss der OFC unter Steuernagel auf Platz fünf ab, mit sieben Punkten weniger.

Mehic und Steuernagel wollten die Qualität der Mannschaft der Offenbacher Kickers massiv verbessern

Vor der neuen Saison wurde mit Hilfe der Kickers-Freunde der Etat massiv erhöht. Mehic und Steuernagel wollten die Qualität der Mannschaft mit zwölf neuen Spielern, teilweise mit Bundesliga- und Zweitligaerfahrung, verbessern. Allerdings ist es noch nicht gelungen, einen Kader zu formen, der um den Aufstieg mitspielen kann. Platz acht (10:10 Tore) und die Darbietungen sind enttäuschend.

Entsprechend groß ist jetzt der Druck auf Steuernagel und Mehic.

Aber noch sind die Verantwortlichen zu keiner Entscheidung gekommen. Nachdem die Mannschaft gestern frei hatte, wird Daniel Steuernagel heute das Training leiten. Das muss aber nicht bedeuten, dass der 39-Jährige auch noch am Samstag im Spiel gegen den sieglosen Tabellenletzten RW Koblenz auf der Bank sitzen wird.

Die Offenbacher Kickers müssen in den nächsten Spielen liefern

Vor dem Training treffen sich die Präsidiumsmitglieder und der Geschäftsführer mit der sportlichen Leitung. Was als „Jour fix“ alle 14 Tage stattfindet, wird heute sicher keine Routinesitzung. „Natürlich sind wir mit der Situation unzufrieden. Wir sind nicht Pirmasens, wird, sind der OFC. Da erwarten wir alle ein anderes Auftreten als in den letzten Spielen“, sagt Geschäftsführer Andreas Herzog. Steuernagel und Mehic werden genau erklären müssen, wieso die Saison nicht wie erwartet läuft und wie man schnellstens erfolgreich sein will. Dann müssen Präsidium und Geschäftsführung bewerten, ob man weiter miteinander arbeitet, oder ob man in einem Neuanfang eine bessere Perspektive sieht. „Da müssen wir ehrlich und offen miteinander umgehen“, sagt Herzog.

Sollte Steuernagel im Amt bleiben, müssen er und die Mannschaft das Vertrauen am Samstag mit einem klaren Sieg gegen Koblenz rechtfertigen. Die Aufgabe gegen den Aufsteiger muss auch der Anfang für eine Serie werden. In den nächsten drei Spielen geht es für die Kickers nur gegen Abstiegskandidaten ( RW Koblenz/18., FSV Frankfurt/15. und Balingen/16.). Da sind Siege Pflicht, egal für wen, egal mit wem.

Von Jochen Koch

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