Nach 0:1-Pleite

Offenbacher Kickers: Bei den Fans liegen die Nerven blank

Ratlos im Regen: Die OFC-Spieler hadern nach der 0:1-Heimpleite gegen Pirmasens mit den vielen vergebenen Chancen. Torwart Daniel Endres (gelbes Trikot) leitete die Niederlage mit einem Fehlpass ein. Hinten rechts: Matias Pyysalo, der sich sein Debüt anders vorgestellt hatte. Foto: pressehaus

Bei einigen Anhängern der Offenbacher Kickers liegen die Nerven blank nach der sechsten sieglosen Partie in Folge - der Trainer ist ratlos.

Offenbach – Der Kontrast nach dem Schlusspfiff im Stadion auf dem Bieberer Berg hätte kaum extremer sein können. Während die kleine Gruppe Gästefans unter den 3655 Zuschauern (niedrigster Saisonwert für die Offenbacher Kickers) den vorzeitigen Klassenerhalt des FK Pirmasens in der Fußball-Regionalliga Südwest feierte, lagen bei einigen OFC-Anhängern nach der nächsten Heimpleite die Nerven blank. In Block zwei gerieten Fans körperlich aneinander.

OFC: Kickers auch im sechsten Spiel sieglos

Erst das bittere 0:4 gegen Erzrivale Mannheim, nun das 0:1 gegen Pirmasens, das mit dem zweitkleinsten Spieler-etat und Feierabendkickern aus Hin- (1:1) und Rückspiel vier Punkte gegen die Kickers holte. Dazwischen der Auftritt in Balingen, wo nach indiskutabler erster Hälfte zumindest ein Remis erkämpft worden war (2:2). Insgesamt sind die Kickers seit sechs Spielen sieglos und haben in diesem Zeitraum lediglich vier Zähler verbucht.

„Solche Phasen gibt es in einer Saison“, sagte Trainer Daniel Steuernagel, stellte aber klar: „Spitzenmannschaften haben maximal eine solche Phase, wir haben bereits die zweite, in der wir nicht gut punkten.“ Kurzum: Der OFC ist kein Topteam, auch wenn er gegen Pirmasens „Chancen für zwei Spiele“ hatte, wie Sportdirektor Sead Mehic zutreffend sagte, und letztlich durch einen katastrophalen Fehlpass von Torhüter Daniel Endres verlor, den der Gast früh zum 0:1 nutzte (8.). „Spielglück ist auch oft eine Frage der Qualität. Bei einigen reicht es einfach nicht“, so Steuernagel. „Es gibt bei uns zu viele Spieler, die abtauchen. Hier muss ein anderer Geist rein.“ Also eine andere Mentalität. Um das zu erreichen, müsse man einiges ändern, betonte der Trainer. Man werde in den kommenden Wochen genau hinsehen und dann „eventuell auch Entscheidungen treffen, die unpopulär sind“.

Offenbacher Kickers: Wie geht es weiter?

Doch wie sollen die aussehen? Gegen Pirmasens stand nahezu die Stammformation auf dem Feld. Mit Lukas Albrecht (wurde zur Pause aus taktischen Gründen ausgewechselt), Maik Vetter (ackerte, agierte aber unglücklich) und Jake Hirst (Leistungstief) wurde kürzlich verlängert, bei Moritz Reinhard (vergab drei Großchancen) wird man die Option ziehen. Kevin Ikpide und Ko Sawada stehen noch bis 2020 unter Vertrag. Endres wurde bereits mitgeteilt, dass man ohne ihn plant. Trifft es also Kapitän Benjamin Kirchhoff, Francesco Lovric, Jan Hendrik Marx und/oder Serkan Firat? Der Coach wollte sich dazu nicht äußern, aber auch „nicht über allen den Stab brechen“.

Steuernagel hat in den vergangenen Wochen fast alles versucht. Nach dem 0:4 gegen Mannheim hatte er die Spieler in Schutz genommen, in Balingen wurde es jedoch nicht besser. Danach gab es klare Worte, doch auch diese fruchteten nur bedingt. Man habe gegen Pirmasens „zu wenig Einsatz und Leidenschaft“ gezeigt und mit dem Ball zu viele flasche Entscheidungen getroffen, bilanzierte der Trainer. „Auch wenn wir unsere Chancen besser genutzt hätten, wäre es kein gutes Spiel gewesen.“

Steuernagel redet in der Kabine lange auf sein Team ein

Direkt nach dem Spiel hatte Steuernagel in der Kabine lange auf sein Team eingeredet. Im Heimspiel am Freitagabend (19.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart II erwarte er „eine ganz andere Leistung. Es wurde genug gesprochen. Mit Blabla kommt man nicht weiter. Es müssen Taten folgen. Die Fans wollen Vollgas sehen.“ Klingt gut, wirkt aber auch zunehmend ratlos. Mehic sieht das anders. Er stellte sich hinter den Trainer. „Die Zuschauer haben es verdient, 100 Prozent Einsatz zu sehen. So darf man sich nicht präsentieren. Da akzeptiere ich auch nicht, dass die Luft raus ist“, ärgerte sich der Sportdirektor. „Wir werden unsere Erkenntnisse daraus ziehen. Eventuell ist der eine oder andere Spieler nicht für unseren weiteren Weg geeignet. Ob der Vertrag ausläuft oder nicht – so darf man sich nicht präsentieren.“

Die Mannschaft werde ein „neues Gesicht“ erhalten, so Mehic. „Das junge Team, das in den vergangenen zweieinhalb Jahren den Weg mitgegangen ist, braucht Mentalität und Erfahrung, sofern das die Mittel zulassen.“ Ein Akteur, der die erforderliche Einstellung mitbringt, sei Matias Pyysalo. Der lange verletzte Winterzugang gab gegen Pirmasens als Einwechselspieler sein Debüt und soll gehalten werden. „Wir sind mit seinem Berater im Gespräch“, so Steuernagel. Auch Die Verpflichtung eines Torwarts steht kurz bevor. Alexander Sebald (von Lustenau nach Rostock verliehen) ist ein heißer Kandidat.

Von Christian Düncher

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