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Wird Richard Weil der Kapitän der Offenbacher Kickers?

„Du musst von den Mitspielern akzeptiert sein“: OFC-Zugang Richard Weil geht auch im Training voran. Akzeptanz, meint er, erarbeite man sich durch Leistung und mentale Stärke. Foto: Pressehaus

Daniel Steuernagel hatte sich „andere Typen“ gewünscht. Der Trainer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach hat sie erhalten. Richard Weil ist so einer.

Offenbach – Der 31-Jährige, der vom Zweitliga-Absteiger 1. FC Magdeburg kam, deutet mit jeder Aussage an, dass er bereit ist, „Verantwortung zu übernehmen“. Von den Mitspielern wurde er in den fünfköpfigen Mannschaftsrat gewählt, aus dem Steuernagel vor dem Saisonauftakt am Montag (20. 15 Uhr/Sport1) den Kapitän bestimmen wird. Weils Vita zeugt davon, dass er seinen Worten Taten folgen lässt. Er ist der Aufstiegsexperte schlechthin im neuen OFC-Kader: mit vier Teams gelangen ihm derlei Erfolge.

Ein längeres Gespräch mit Steuernagel und OFC-Sportdirektor Sead Mehic hatte den Ausschlag dafür gegeben, dass der gebürtige Frankfurter ins Rhein-Main-Gebiet zurückkehrt. „Sie haben mir sehr klar gesagt, was sie sich von mir erhoffen“, sagt der Mittelfeldspieler, der auch in der Viererkette zentral spielen kann. Es ging um Attribute wie Verantwortungsbewusstsein und Führungsstärke. Eigenschaften, die ihn seit Jahren auszeichnen. Beim FSV Mainz 05 II war er Kapitän, stieg mit dem Team in die 3. Liga auf. Bei den Würzburger Kickers war er in der 3. Liga Spielführer, ging als Aufsteiger zum 1. FC Magdeburg. Dort gehörte er dem Mannschaftsrat an - und stieg erneut in die 2. Liga auf.

Richard Weil hat schon mehrere Male einen Aufstieg feiern können

Das rauschhafte Gefühl, Aufstiege zu feiern, hat Weil einige Male ausgiebig ausgekostet. „Das sind spezielle Momente. Was da in dir ausgelöst wird, ist einzigartig, da rast alles an dir vorbei, du schaust nur in freudige Gesichter – in der ganzen Stadt“, meint Weil. Er erinnert sich an Fußballer, die meinten, „dass das besser ist als ein Orgasmus“.

Jeder einzelne Aufstieg sei speziell gewesen. Mit Eintracht Frankfurt II stieg er 2008 von der Oberliga Hessen in die damals drittklassige Regionalliga Süd auf. Weil er bei den Profis keine Chance erhielt, ging er zum 1. FC Heidenheim.

Richard Weil stieg mit den Würzburger Kickers in die zweite Bundesliga auf

Nach dreieinhalb Jahren beim damaligen Drittligisten wechselte Weil zur zweiten Mannschaft des FSV Mainz 05 in die Regionalliga Südwest. „In Heidenheim ging es nicht weiter, ich war lange verletzt, wollte Spielpraxis sammeln“, erklärte er. Nachdem er erst mitgeholfen hatte, den Abstieg zu verhindern, stieg er 2014 mit der von Trainer Martin Schmidt (mittlerweile FC Augsburg) trainierten Reserve der 05er nach zwei Siegen in den Aufstiegsspielen gegen die TSG Neustrelitz (2:0, 3:1) in die 3. Liga auf. 

„Mit einer so jungen Mannschaft war das nicht selbstverständlich“, erinnert sich Weil, der 2015 sein „nächstes Projekt“ startete. „Ich bin nie einfach zu einem Klub gewechselt, ich brauchte immer Visionen und Ziele.“ Mit den Würzburger Kickers hieß das Projekt Zweitligaaufstieg, und der gelang 2016. „Das war der verrückteste von allen“, erinnert sich der 31-Jährige. Zur Saisonhalbzeit standen die Franken noch auf Rang zehn. Nach einer famosen Rückrunde (Weil absolvierte 36 von 38 Partien) beendeten die von Bernd Hollerbach trainierten Kickers die Saison auf Rang drei und setzten sich in der Relegation gegen den Zweitligisten MSV Duisburg (2:0, 2:1) durch. Mit Weil jubelten der Ex-Offenbacher Robert Wulnikowski im Tor - und sein heutiger Teamkollege Nejmeddin Daghfous als Linksaußen.

Richard Weil: "Habe bislang bei Vereinen gespielt, mit denen OFC-Fans nicht die besten Assoziationen haben

„Von Aufstiegen kannst du nie genug bekommen“, sagt Weil. 2018 erlebte er diese emotionalen Momente mit dem 1. FC Magdeburg. Jener Klub, der 2015 den Offenbacher Kickers mit zwei Siegen in der Relegation den Aufstieg in die 3. Liga versperrt hatte, feierte am 21. April 2018 mit 22.000 Fans (Weil: „Gänsehautatmosphäre“) vorzeitig den Aufstieg in die 2. Liga. Weil erlebte eine Stadt im Freudentaumel. Ein Jahr später ging ihm der sofortige Abstieg genauso nahe. Weil hatte wegen einer in der Wintervorbereitung erlittenen Verletzung fast die gesamte Rückrunde verpasst. Als er am Ende der Saison zurückkehrte, „lag das Kind schon im Brunnen“.

„Ich weiß natürlich, dass ich bislang bei Vereinen gespielt habe, mit denen OFC-Fans nicht die besten Assoziationen verbinden“, sagt Weil lächelnd mit Blick auf die Rivalität mit Eintracht Frankfurt, dem FSV Mainz 05 oder dem Relegationsschreck von 2015 aus Magdeburg. Es ist diese Ehrlichkeit und Offenheit, mit der Weil schon beim offiziellen Trainingsauftakt am Bieberer Berg viele Fans überzeugte. „Ich bin einfach so, ich kann nicht anders“, erklärt er: „Und Verstellen bringt ja auch gar nichts.“

Kapitän des OFC? "Ich habe Bock auf diese Aufgabe"

Authentizität, Kommunikationsstärke und Leistungsvermögen auf dem Platz - Attribute, mit denen Weil auch in Offenbach Erfolg haben will. „Ich komme nicht, um hier meine Karriere austrudeln zu lassen“, stellt er klar: „Ich bin hier, weil wir hier etwas Neues aufbauen wollen, daran möchte ich teilhaben.“

Und für diese Vision will er gerne vorangehen. Wenn es (vom Trainer) gewollt ist, auch als Kapitän. „Die Binde zu haben“, sagt Weil, der sie in Testspielen im Wechsel mit Maik Vetter trug, „bedeutet, Verantwortung zu tragen gegenüber der Mannschaft. Das ist schwierig genug, weil du von den Mitspielern akzeptiert sein musst - und zwar vor allem durch Leistung und mentale Stärke.“ Weil ist bereit dazu. „Es wäre eine Ehre, diesen Traditionsverein als Kapitän anzuführen.“ Doch auch ohne Binde würde sich nichts an der Vorfreude ändern: „Ich habe Bock auf diese Aufgabe.“

Von Jörg Moll

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