Mehic: „Verpflichtung kein Missverständnis“

OFC schreibt Taylor nicht ab

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Matthew Taylor (hier im Spiel gegen Wormatia Worms) erzielte in 21 Spielen für den OFC zwei Tore. Seit seinem letzten Startelfeinsatz im Oktober bekam der zweitligaerfahrene US-Amerikaner kaum noch Spielzeit.

Offenbach - Matthew Taylor sollte der Königstransfer der Offenbacher Kickers sein. Der zweitligaerfahrene 35-jährige Stürmer war als Führungsspieler eingeplant. Doch der Neuzugang vom 1. FC Saarbrücken konnte die Erwartungen bisher nicht erfüllen. Von Christian Düncher 

In der Hinrunde hatte Taylor bei der 0:1-Niederlage der Kickers beim FC Homburg noch in der Startelf gestanden. Vor dem Rückspiel (Sonntag, 14 Uhr) ist er davon weit entfernt.

Manchmal genügt eine Szene, um zu beschreiben, welchen Stellenwert ein Fußballer bei seinem Trainer hat. Im Fall Matthew Taylor ereignete sich diese Szene am 25. März: Es lief die 79. Minute im Heimspiel der Kickers gegen Elversberg. Der OFC war beim Stand von 0:0 klar am Drücker, Oliver Reck wechselte das erste Mal - Offensivspieler für Offensivspieler. Doch in die Partie kam nicht der 35-jährige US-Amerikaner, sondern A-Jugendspieler Nicola Jürgens (18), der erst zwei Wochen zuvor sein Profi-Debüt gegeben hatte.

Taylor blieb gegen Elversberg auf der Bank, so wie eine Woche später beim 0:0 in Kaiserslautern. In den vergangenen sieben Begegnungen spielte er zweimal - insgesamt acht Minuten. „Für Matthew ist die Situation sicher nicht glücklich“, sagt OFC-Sportdirektor Sead Mehic. „Nicola Jürgens macht viel Wind, spielt sich in den Vordergrund. Er hat daher zuletzt den Vorzug als Einwechselspieler erhalten.“

Dabei hatte der vermeintliche Königstransfer einen perfekten Einstand, traf gleich bei seinem ersten Spiel - als Joker. 20 weitere Einsätze kamen seitdem hinzu, aber nur noch ein Tor - am 12. November beim 2:0-Sieg gegen Wormatia Worms. Das ist zu wenig für den einstigen Zweitliga- (54 Spiele, elf Tore) und Drittliga-Profi (99 Spiele, 39 Tore). „Wir hatten uns alle mehr erhofft“, gibt Mehic zu. Taylor stimmt zu, stellt aber klar: „Es geht nicht um mich, sondern um den Verein. Jeder will, dass der OFC nicht absteigt, auch ich.“

Mehic betont, dass Taylors Verpflichtung „kein Missverständnis“ gewesen sei. Nach Ansicht des Sportdirektors fielen mehrere Faktoren unglücklich zusammen. So kam der ehemalige US-Nationalspieler erst gegen Ende der Saisonvorbereitung zu den Kickers. Später wurde er durch familiäre Probleme aus dem Rhythmus gebracht. „Das ist nicht optimal gelaufen“, meint Mehic.

„Ich will das nicht als Ausrede benutzen“, betont Taylor. „In meiner Familie sind wieder alle gesund. Und außer beim Hessenpokalspiel in Seligenstadt habe ich immer im Aufgebot gestanden.“

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Der Vertrag von Taylor läuft aus. Eine Verlängerung ist unwahrscheinlich, auch wenn der Sportdirektor das Thema umdribbelt: „Wir werden sicher keinen Spieler vorzeitig abschreiben, wir brauchen jeden. Matthew hat wie alle anderen jederzeit die Chance, sich ins Team zu spielen.“ Aber auf diese Chance wartet Taylor.

Von Taylor (35) hatte man sich beim OFC erhofft, dass er eine Art zweiter Sasa Ciric (36) wird. Der war 2004/05 in der damals noch drittklassigen Regionalliga Süd auch nicht mehr der Schnellste, aber unter Trainer Hans-Jürgen Boysen gesetzt, stand bei 32 Einsätzen 30 Mal in der Startelf und traf zwölf Mal.

Oliver Reck plant ohne Taylor. Konstantinos Neofytos (zwei Tore in den vergangenen vier Spielen) oder Ihab Darwiche erhalten den Vorzug, bei zwei Spitzen rückte Dren Hodja nach vorne. Taylor stand nur sieben Mal in der Anfangself (zuletzt im Oktober gegen Koblenz), wurde 14 Mal eingewechselt. Im Schnitt spielte er in der Liga nur 35 Minuten pro Partie. Tendenz fallend. Das wirkt sich natürlich nicht motivierend aus. Mehic hingegen hebt die Bedeutung des Stürmers hervor: „Man sieht im Training, dass er wichtig ist. Er redet viel mit den Jungs, gibt ihnen Tipps.“ Geholt worden war er jedoch vorrangig, um Tore zu schießen.

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