Kommt Tomic als Ersatz?

OFC Top-Spieler Firat: Zwischen Genie und Wahnsinn

Meinungsverschiedenheit: Trainer Daniel Steuernagel (rechts) ärgerte sich zuletzt oft, weil Serkan Firat (Mitte) zu verspielt agierte. Der OFC-Topscorer ist mit seinen Leistungen in diesem Jahr selbst nicht zufrieden. Foto: Pressehaus

Die Zahlen sprechen auf den ersten Blick eine klare Sprache: Serkan Firat ist mit elf Treffern der beste Torschütze des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach in dieser Saison. Hinzu kommen neun Vorlagen. 

Offenbach - Der 24-Jährige war also an 20 der 55 Treffer beteiligt, die der OFC in dieser Spielzeit erzielt hat. „Serkan hat eine überragende Hinrunde gespielt“, lobt Trainer Daniel Steuernagel und bringt damit zugleich das Problem auf den Punkt. Denn: Seit der Winterpause läuft sowohl bei Firat als auch bei den Kickers nicht mehr viel zusammen.

OFC: Firat fiel zweite Saisonhälfte aus

Der flinke Linksfuß spricht vor dem Heimspiel gegen den zuletzt dreimal in Folge siegreichen Tabellenelften FK Pimasens (Samstag, 14 Uhr) von einer „Leidenszeit, auch für mich“. Dabei hatte Firat nach einer starken ersten Saisonhälfte (elf Tore, sechs Vorlagen) bereits im Januar und damit „relativ früh“ mit seinem Berater und OFC-Sportdirektor Sead Mehic zusammengesessen. Es ging darum, die Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit über die Saison hinaus (Firats Vertrag endet) auszuloten.

„Danach bin ich ein bisschen krank geworden“, erinnert sich Firat. Aufgrund eines Hörsturzes verpasste er einen Teil der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Im Auftaktspiel der Restrunde gegen Ulm fehlte er gelbgesperrt. Neunmal kam Firat seitdem zum Einsatz. Die Bilanz: kein Tor, drei Vorlagen. Zu wenig, wie er selbst zugibt. „Die Leistung hat in den letzten Spielen nicht mehr so gepasst. Da bin ich auch immer sehr kritisch mit mir“, sagt der Offensivspieler. Bezeichnend war die Szene im Derby beim FSV Frankfurt (0:2), als er beim Stand von 0:1 einen Elfmeter verschoss.

Offenbacher Kickers: Firat wurde bei Darmstadt 98 ausgebildet

Aus dem Linksaußen, über den Steuernagel einst sagte, dass er in jedem Spiel den Unterschied ausmachen könne, ist ein Akteur geworden, der zuletzt wiederholt für Verärgerung bei seinem Trainer gesorgt hat. Ein zu lässiges Abspiel beim Konter in Hoffenheim, katastrophale Fehlpässe in Steinbach und gegen Mannheim – Firat agierte verspielt, teilweise sogar fahrlässig. Die Auftritte des Technikers schwankten zuletzt überspitzt formuliert zwischen Genie und Wahnsinn – mit dem Problem, dass das Pendel zuletzt immer öfter in die negative Richtung ausschlug. In seiner Premieren-Saison beim OFC hatte der bei Darmstadt 98 (ein Kurzeinsatz in der 3. Liga) ausgebildete Außenangreifer unter anderem als Freistoßkünstler für Furore gesorgt. Anfragen anderer Vereine gab es damals aber laut OFC nicht. Vergangene Saison war von interessierten Drittligisten die Rede, aber Firat verlängerte um ein Jahr in Offenbach. Und nun?

Technisch gehört er zu dend besten OFC-Spielern

Der Mann mit der Nummer elf auf dem Trikot ist ehrgeizig und achtet auf seinen Körper. Technisch gehört er zu den besten OFC-Spielern, ist zudem viel auf dem Platz unterwegs. Wenn Steuernagel jedoch mehr Tempo fordert, ist damit auch Firat gemeint. Vorteile verschafft er sich zumeist durch Technik, nicht durch Schnelligkeit. Das letzte Freistoßtor liegt schon eine gefühlte Ewigkeit zurück. Und zuletzt häuften sich die Szenen, die auch bei Fans für Kopfschütteln sorgten.

„Ich fühle mich beim OFC wohl. Wir sind mit Sead Mehic in Kontakt“, sagt Firat. Ob seine Zukunft in Offenbach liegt, hängt nicht nur davon ab, ob andere Angebote kommen. Firat ist nicht mehr völlig unumstritten – trotz der starken Hinrunde. Der OFC beschäftigt sich mit Alternativen und soll nach Informationen unserer Zeitung über David Tomic (diese Saison 30 Spiele, sieben Tore, fünf Vorlagen für den VfB Stuttgart II) nachdenken. Der Linksaußen (21) ist in Hanau geboren, spielte einst für die SG Rosenhöhe und wurde beim 1. FC Kaiserslautern zum Junioren-Nationalspieler (einmal U19, einmal U20). Allerdings: Sein Vertrag bei den abstiegsbedrohten Schwaben läuft noch bis 2020.

VON CHRISTIAN DÜNCHER

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