„Das war nicht mal ein Flämmchen“

Nach Derbypleite: Ernüchterung beim OFC 

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Frust in Frankfurt: Den OFC-Spielern Maik Vetter (links) und Serkan Firat (rechts) ist die Enttäuschung nach der 0:2-Pleite am Bornheimer Hang anzumerken. Vetter verschuldete das 0:1, Firat vergab per Elfmeter den Ausgleich.

Maik Vetter stand mit einer Mischung aus Frust und Schuldbewusstsein vor der Haupttribüne das Stadions am Bornheimer Hang und ging geradezu in Sack und Asche. „Das geht auf meine Kappe“, sagte der Linksaußen der Offenbacher Kickers nach der 0:2-Pleite beim FSV Frankfurt, die er mit einem Fehler vor dem 0:1 eingeleitet hatte.

Offenbach - Damit erlosch auch das letzte Fünkchen Hoffnung auf den Aufstieg. Dessen war sich Vetter bewusst. Und obwohl er das nicht alleine zu verantworten hatte, war es ihm ein Anliegen, sich zu entschuldigen – bei der Mannschaft, bei den Fans, „die lange im Regen standen und dann so ein Scheißspiel von uns sehen“, und beim Verein.

Vetter verwies zwar darauf, dass noch zehn Spiele ausstehen, stellte jedoch klar: „Ich will damit nicht sagen, dass wir alles noch aufholen.“ Angesichts von stattlichen zwölf Punkten Rückstand auf Rang eins wäre das auch nicht realistisch. Vor allem nicht mit einer Leistung wie beim FSV Frankfurt. Und so kann es für den OFC nur noch darum gehen, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen, die Fans mit guten Leistungen zu versöhnen und sich für die kommende Runde einzuspielen. „Wir dürfen uns jetzt auf keinen Fall hängen lassen“, betonte Vetter auch mit Blick aufs Heimspiel am Sonntag (14 Uhr) gegen Freiburg II.

Innerhalb der Mannschaft hatte man zwar insgeheim gehofft, die Lage aber realistisch eingeschätzt. „Die Fans dürfen träumen, wir müssen hingegen unsere Arbeit machen“, hatte Torwart Daniel Endres bereits vor dem Derby klargestellt. „Diesmal haben wir unseren Job aber nicht gemacht“, gab Kapitän Benjamin Kirchhoff zu und zeigte sich vom schwachen Auftritt überrascht. „Ich dachte, wir wären weiter. Das war ein Rückschritt.“ Trainer Daniel Steuernagel kam es hingegen vor wie ein Déjà-vu-Erlebnisse. Er fühlte sich an den 9. November erinnert, als die Kickers zuvor das letzte Mal verloren hatten: 1:2 in Homburg. Auch damals hatte es der OFC zu oft durch die Mitte versucht und wurde ausgekontert.

Kickers Offenbach zu Gast beim FSV Frankfurt: Bilder

Es lag aber nicht nur an taktischen Fehlern. „Einige Spieler sind nicht an ihre Form herangekommen“, sagte Steuernagel. Zudem fehlte die Einstellung. „So darf man nicht auftreten“, kritisierte Kirchhoff. Beim 7:0 im Hinspiel habe man „gezeigt, wie man in ein Derby gehen muss“. Endres sah es ähnlich. „Wir wollten auf dem Platz ein Feuer entflammen, aber es war nicht mal ein Flämmchen“, befand er und stellte ernüchtert fest: „Wir sind auf den Boden der Tatsachen geholt worden.“

Auch bei Christopher Fiori wirkte die Derbypleite mit einem Tag Abstand noch nach. „Das war ein bisschen enttäuschend, weil das niemand erwartet hatte“, sagte der OFC-Geschäftsführer und sprach von einem „herben Dämpfer“. Gleichwohl werde man versuchen, alle noch ausstehenden Spiele zu gewinnen, „um Wiedergutmachung zu betreiben“. Der Aufstieg sei angesichts der großen Rückstandes auf Mannheim hingegen unrealistisch. „Aber wir haben bereits vorher primär für die Regionalliga geplant“, betonte Fiori.

OFC-Zeugnis gegen FSV Frankfurt

Schon seit Wochen werden Gespräche mit den Spielern und Beratern geführt. Erste Angebote wurden gemacht. „Wir werden nun in den letzten Spielen hinschauen, wer sich wie präsentiert“, meinte Fiori. In einem Fall hat sich der OFC bereits entschieden und will noch diese Woche eine Vertragsverlängerung vermelden. Francesco Lovric gilt als Kandidat.

Dass die Zuschauerzahlen bei Heimspielen nun „völlig abfallen“, glaubt Fiori nicht. „Das Interesse hatte wieder angezogen. Vor allem gegen Mannheim wäre es schön gewesen, wenn der Spannungsbogen noch etwas gehalten hätte. Von einer fünfstelligen Zuschauerzahl ist nun nicht mehr auszugehen.“

Von Christian Düncher

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