Boysen auf der Suche nach Führungsspieler

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Steffen Haas fällt in Regensburg aus.

Offenbach - (joko) Drei Niederlagen in Folge, in den letzten fünf Spielen nur ein Tor geschossen - die Offenbacher Kickers stecken vor dem Auswärtsspiel bei Jahn Regensburg in der Krise.

Tiefpunkt einer mäßigen Rückrunde (nur Platz elf in der Rückrundentabelle) war die 0:3-Heimniederlage gegen den SV Sandhausen. „Allen ist klar: Wir müssen zerschlagenes Porzellan wieder kitten“, weiß Trainer Hans-Jürgen Boysen, dass die Mannschaft mit ihrem leblosen und mutlosen Auftritt bei den Anhängern viel Kredit, den sie sich in der Vorrunde erworben hatte, verspielt hat.

In Einzelgesprächen mit allen Spielern hat der Trainer Ursachenforschung betrieben. „Der Tenor war eindeutig. Bei den Spielern hat die Enttäuschung, dass wir in den Spielen gegen Düsseldorf und Unterhaching spät und unnötig alle Perspektiven nach oben verspielt haben, eine Blockade ausgelöst. Dazu kam das frühe Gegentor, dann der Doppelschlag zum 0:3, und alle waren wie gelähmt.“ Erklärungen, die Boysen zwar akzeptiert („Sandhausen streichen wir aus dem Gedächtnis, wir wollen mit freiem Kopf in die letzten Spiele gehen“), aus denen er aber auch seine Schlüsse zieht.

Denn in der Rückrunde wurde einmal mehr deutlich, dass die Mannschaft keine Führungsspieler, keine Leader besitzt. Es fehlen Typen, die der Mannschaft oder zumindest einzelnen Mannschaftsteilen positive Impulse geben, die das Team in einer Schwächephase aufrütteln, dirigieren. Der einzige Spieler, der dazu in der Lage ist, ist Robert Wulnikowski. Doch der Torhüter ist zu weit vom direkten Geschehen auf dem Platz entfernt, kann zu wenig Einfluss nehmen.

„Ich kann die Spieler immer nur dazu animieren, sich mehr einzubringen, Einfluss zu nehmen. Das sind Eigenschaften, die man sich aneignen kann, egal ob man jung oder introvertiert ist. Aber da muss mehr kommen.“ Boysen hofft, dass sich der eine oder andere Spieler möglichst bald in die gewünschte Führungsrolle entwickelt. Wenn nicht, wird man bei der Suche nach Verstärkungen für die neue Saison das Hauptaugenmerk auf dieses Anforderungsprofil legen.

Kurzfristig wird die 0:3-Niederlage personelle und taktische Konsequenzen haben. „Wir müssen vor allen Dingen wieder Stabilität und Kompaktheit herstellen. Wir können nicht im Hurrastil versuchen, unsere Offensive zufrieden zu stellen“, kündigt Boysen nach dem enttäuschenden 4-4-2-Experiment mit der Doppelspitze Mesic/Türker die Rückkehr zum geordneteren 4-2-3-1-System an. Das bedeutet, dass nur für einen Stürmer Platz sein wird. Suat Türker (11 Spiele/ein Tor) oder Mirnes Mesic (24/5)? „Das ist noch zu früh, um darüber zu entscheiden“, will Boysen die Trainingseindrücke abwarten.

Im Mittelfeld ist Boysen zu Umstellungen gezwungen. In seinem 33. Punktspiel erlitt Steffen Haas einen leichten Muskelfaserriss und wird in Regensburg ausfallen. Erste Alternative wäre Sebastian Rode gewesen, doch der U19-Nationalspieler laboriert an einer Sprunggelenksverletzung und fällt auch aus. Wer die „Doppelsechs“ besetzt, ist noch völlig offen. Aufschlüsse erhofft sich Boysen im Training und im Spiel der U23 heute in Alzenau, wo einige Akteure aus dem Profikader spielen werden.

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