Harmonische Jahreshauptversammlung 

Insolvenzgefahr „bei 0,0 Prozent“

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Viel Applaus gab es für das Präsidium der Offenbacher Kickers auf der Jahreshauptversammlung in der Mühlheimer Willy-Brandt-Halle. er

Mühlheim -  Die Mitglieder der Offenbacher Kickers haben mit überwältigender Mehrheit dem Präsidium das Vertrauen für zwei weitere Jahre ausgesprochen. Präsident Helmut Spahn wurde mit nur einer Gegenstimme der 317 Mitglieder in der Mühlheimer Willy-Brandt-Halle wiedergewählt. Von Jörg Moll

Sein Vorstandsteam wurde ohne Gegenstimmen im Amt bestätigt. Neu hinzu kommt Daniel Simon als Schatzmeister.
In einer überaus harmonischen Sitzung ohne große Diskussionen zog Spahn nach den ersten 27 Monaten Amtszeit ein differenziertes, aber durchaus zufriedenes Fazit: „Wir wollten den Verein mit GmbH und e.V. zusammenführen, seriös auftreten und sportlichen Erfolg erreichen“, sagte er: „Wenn man alle Problematiken einbezieht, dann kann sich das durchaus sehen lassen.“ Als großen Erfolg verkündete er, dass die Insolvenzgefahr des Vereins bei „0,0 Prozent“ liege. Schatzmeister Markus Weidner untermauerte dies später mit Zahlen. In den Geschäftsjahren 2016/17 und 2017/18 stehe beim e.V. eine schwarze Null. Das sei möglich geworden, weil verschiedene Maßnahmen zur Kostendeckung ergriffen wurden. Der Förderverein „Club1901“ trage 65.000 Euro pro Jahr bei. Durch die Abmeldung der zweiten Mannschaft seien 85.000 Euro eingespart worden, durch Senkung von Verwaltungskosten 18 000. Die positive Entwicklung des OFC dokumentierte auch GmbH-Geschäftsführer Christopher Fiori, der für dieses Spieljahr einen Gewinn von 150.000 Euro prognostizierte. Der Umsatz werde auf 3,2 Millionen Euro steigen. Die Probleme aber bleiben, vor allem in der Regionalliga, weil dort keine fixen Einnahmen zu erzielen seien.

Großen Beifall erhielt Vizepräsident Michael Relic, der über die Verbindlichkeiten informierte. Angetreten war das Präsidium 2015 mit einem Schuldenstand in Folge der ersten Insolvenz 2013 in Höhe von 4,473 Millionen Euro. Gestern Abend verkündete Relic, dass diese Summe durch Vereinbarungen auf 2,935 Millionen Euro gesunken sei. Die Zahl der Gläubiger sei nach intensiven Verhandlungen „mit den Gersters und Ruhls dieser Welt“ von 16 auf vier reduziert worden. Vereinbarte Stundungen gelten bis 31. Dezember 2018. „Dann müssen wir Lösungen finden, die den Verein nicht wieder in Gefahr bringen“, sagte Relic.

Die Versammlung im Liveticker zum Nachlesen.

Spahn räumte derweil offen Fehler ein, unter anderem die Entstehung des Neun-Punkte-Abzugs in Folge der Insolvenzanmeldung im Sommer 2016. „Mit dem Wissen von heute hätten wir den Antrag vor dem letzten Saisonspiel gegen Saarbrücken gestellt“, sagte er: „Aber wir hatten noch eine Chance, die Insolvenz abzuwenden und die wollten wir ergreifen. Es hat am Ende nicht gereicht.“ Spahn richtete schnell den Blick nach vorne. „Wir wollen den nächsten Schritt gehen“, betonte der 56-Jährige und lobte die Entwicklung der Mannschaft, die vor dem heutigen Nachholspiel beim KSV Hessen Kassel mit einem Punkt Vorsprung auf Verfolger Waldhof Mannheim auf Rang zwei steht.

Als wichtiges Signal für die Entwicklung des Vereins kündigte er eine strategische Partnerschaft mit Sponsor Sparda Bank Hessen an. Wobei er hervorhob, dass das Angebot vom Sponsor selbst kam. Offen ließ er, wie die Partnerschaft aussehen könnte. Denkbar ist, dass die Bank als Anteilseigner der Profi GmbH einsteigen wird.

Jahreshauptversammlung des OFC: Bilder

Für die weitere Entwicklung des Vereins sei laut Spahn Kontinuität von zentraler Bedeutung. „Wir als Team müssen diesen Weg weitergehen“, sagte er mit Blick auf sein Vorstandsteam um Barbara Klein (Vizepräsidentin), Michael Relic und Markus Weidner (beide Vizepräsident). Zu diesem Team gehört seit gestern auch der Offenbacher Steuerberater und Fachanwalt Daniel Simon, der als neuer Schatzmeister fungieren wird. „Ich habe große Lust auf diese Aufgabe“, sagte der Inhaber einer familiengeführten Steuerberatungskanzlei in Offenbach, die seit 1954 besteht: „Ich kann also getrost sagen, dass hier Traditionsverein auf Traditionskanzlei trifft.“ Die längste Redezeit gönnte sich der neue Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Reinhard Stumpf, der die Mitglieder schnell für sich gewann. „Ich habe den OFC nie aus meinem Herzen verloren und freue mich nun sehr, dass sich mein Karrierekreis hier schließt.“

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