Prozess um Insolvenzverschleppung

Nur Fischer droht keine Bestrafung

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Jörg Hambückers (links), früherer Finanz- und Lohnbuchhalter des OFC und Kurzzeitgeschäftsführer, droht wie seinem Amtsvorgänger Thomas Kalt (rechts) eine Bewährungsstrafe.

Offenbach - Es ist alles andere als eine Unterhaltungsshow, die da am Dienstag vor dem Darmstädter Landgericht begonnen hat. Doch im Prozess um Insolvenzverschleppung geht es für drei ehemalige Geschäftsführer der Offenbacher Kickers um exakt jene Frage: Deal or no deal? Von Jörg Moll

Der Prozess gegen drei ehemalige Geschäftsführer der Offenbacher Kickers wegen Insolvenzverschleppung, Bankrott und Steuerhinterziehung könnte schnell enden. Voraussetzung ist, dass Thomas Kalt, Jörg Hambückers und David Fischer einen angebotenen Deal annehmen. Der Vergleichsvorschlag des Vorsitzenden Richters Marc Euler lässt wenig Zweifel daran, wen er als die Hauptschuldigen für das zweifelhafte Finanzgebaren des OFC von Anfang 2010 bis zur Insolvenzanmeldung im Juni 2013 ausgemacht hat. Jörg Hambückers soll bei einem Geständnis eine Freiheitsstrafe von 12 bis 21 Monaten auf Bewährung erhalten und 15.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Thomas Kalt erwartet demnach sogar eine Bewährungsstrafe zwischen 15 und 24 Monaten, er soll 20.000 Euro an soziale Zwecke entrichten. Der Haken für beide an diesem Vorschlag: Nehmen sie den Deal an, gelten sie als vorbestraft.

„Es ist ein Vorschlag in die richtige Richtung“, sagte Horst Kletke, Anwalt von Thomas Kalt, über den Deal. David Fischer bot Euler gegen Zahlung von 10.000 Euro für eine soziale Organisation die Verfahrenseinstellung an. „Positiv für meinen Mandanten ist, dass keine Bestrafung vorgesehen ist“, meinte Fischers Anwalt Sebastian Münkel. Fischer war von 1. November 2012 bis Januar 2016 Geschäftsführer der Kickers. Seit April 2016 ist er in gleicher Funktion beim Regionalliga-Rivalen 1. FC Saarbrücken.

Die unterschiedlichen Strafmaße dokumentierten sich auch in den Häufigkeiten der zur Last gelegten Vergehen. Thomas Kalt, vom 4. Januar 2010 bis 23. Juli 2012 Geschäftsführer der am 1. Januar 2010 ausgegliederten Profi GmbH, wurden 165 strafrechtlich relevante Handlungen zur Last gelegt, Jörg Hambückers deren 42, David Fischer lediglich 25. Die Staatsanwaltschaft unterstellte keinem der drei ehemaligen Geschäftsführer, sich selbst bereichert zu haben. Vielmehr sei es allen um die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in der 3. Liga gegangen sein.

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„Die OFC GmbH war seit ihrem Bestehen finanziell überschuldet“, betonte Staatsanwalt Tobias Stewen, der eine lange Liste an Vergehen vortrug: Insolvenzverschleppung, betrügerische Darlehensvereinbarung mit Investoren - laut Staatsanwaltschaft im Wissen um die Zahlungsunfähigkeit. Bei diesen Geschäften habe zudem ein Verstoß gegen das Kreditwesengesetz vorgelegen. Für das Modell, das bei Zahlung von Beträgen zwischen 200 und 30.000 Euro sechs bis sieben Prozent Zinsen versprach, hätte eine Zusage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vorliegen müssen. Weitere Vorwürfe waren unsachgemäße Buchführung und unvollständige Steuererklärungen.

Jörg Hambückers, Finanz- und Lohnbuchhalter der GmbH und von 23. Juli bis 31. Oktober 2012 Geschäftsführer, verließ den Verhandlungssaal wortlos. Dem 50-Jährigen wird zudem Steuerbetrug wegen nicht angezeigter Umsätze gegenüber dem Finanzamt vorgeworfen.

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Wie komplex das Verfahren gegen die Geschäftsführer der Offenbacher Kickers, die nach der Lizenzverweigerung für die 3. Liga am 7. Juni 2013 Insolvenz anmeldeten, tatsächlich ist, dokumentieren 10.000 Seiten Schriftstücke. An diesem Donnerstag werden sich die Angeklagten erstmals selbst zu den Vorwürfen äußern.

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