Unzufriedenheit trotz späten Jubels in Stuttgart

OFC: „Punkt der Moral“ erhöht den Druck für Kickers Offenbach

Kollektiver Kickers-Jubel: Nach dem späten Treffer zum 2:2 in Stuttgart stürmten auch die Trainer und Ersatzspieler auf den Platz, um Torschütze Serkan Firat zu gratulieren, der von Elia Soriano in den Schwitzkasten genommen wird. Links: Malte Karbstein, der zum 1:1 getroffen hatte.
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Kollektiver Kickers-Jubel: Nach dem späten Treffer zum 2:2 in Stuttgart stürmten auch die Trainer und Ersatzspieler auf den Platz, um Torschütze Serkan Firat zu gratulieren, der von Elia Soriano in den Schwitzkasten genommen wird. Links: Malte Karbstein, der zum 1:1 getroffen hatte.

Das 2:2 beim VfB Stuttgart II durch ein spätes Tor von Serkan Firat hat bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach für ein kleines Gefühlschaos gesorgt. Vor allem Trainer Angelo Barletta tat sich mit der Einordnung des Gesehenen schwer.

Stuttgart – Angelo Barletta ist ein ebenso emotionaler wie feinfühliger Trainer. Und so fiel es dem 43-Jährigen nach dem 2:2 (0:1) seiner Offenbacher Kickers beim VfB Stuttgart II spürbar schwer, das Gefühlschaos zu ordnen, das die Partie in ihm ausgelöst hatte. Nur wenige Minuten, nachdem er auf dem Platz mit seinen Spielern den späten, mehr als verdienten Ausgleich bejubelt hatte, zeigte sich der Coach des Fußball-Regionalligisten bei der Spielanalyse hin- und hergerissen. Er lobte, kritisierte und haderte - auch mit sich selbst.

„Ich sage es wie es ist: Das interessiert mich nicht“, antwortete Barletta auf die Frage, ob seine Mannschaft in Stuttgart ihre in spielerischer Hinsicht beste Saisonleistung gezeigt habe und machte eine abwertende Handbewegung. Es gehe derzeit nicht darum schön, sondern erfolgreich zu spielen. „Jedes Unentschieden, jede Niederlage gibt uns Druck“, betonte der Coach. „Natürlich wollen wir uns entwickeln.“ Das gehe jedoch einfacher, wenn die Resultate stimmen. Denn jeder Erfolg gebe Sicherheit.

Kickers Offenbach: „Das geht nur, wenn die Mannschaft intakt ist“

In gewisser Weise wertete Barletta das 2:2 als solchen. Er sprach zwar von zwei fehlenden Punkten in der Tabelle, aber auch von einem „Punkt der Moral“, der für die Entwicklung des Teams wichtig sein kann. „Auf so etwas kann man für den Rest der Saison aufbauen. Es hat mich beeindruckt, wie wir bis zum Schluss gekämpft haben. Das geht nur, wenn die Mannschaft intakt ist.“

Zwischenzeitlich hatte der Trainer sogar Mitleid mit seinen Spielern. „Die Jungs haben mir leidgetan“, sagte Barletta mit Blick auf den kuriosen Spielverlauf. „Wir haben alle gelitten, von außen war es noch schlimmer.“ Der OFC erspielte sich zwar eine Unmenge an Chancen, scheiterte jedoch mehrfach am starken VfB-Schlussmann Sebastian Hornung, der unter anderem gegen Mathias Fetsch (22.), Serkan Firat (27.), Tunay Deniz (30.) und Malte Karbstein (45.) parierte. Bei einem Kopfballaufsetzer von Fetsch sowie zwei Ecken von Deniz rettete das Aluminium. Zudem schoss Florent Bojaj aus wenigen Metern frei vorbei. „Ich habe aufgehört, zu zählen. Das war wie verhext“, klagte Barletta.

Kickers Offenbach: Zweimal unaufmerksam, prompt fallen zwei Gegentore

Stuttgart war wesentlich effektiver. „Wir waren zweimal unaufmerksam und kassierten prompt zwei Tore“, sagte der OFC-Trainer. Beim ersten habe man die Qualität von Philipp Förster (einer von vier Erstliga-Profis im Aufgebot) gesehen, der Kickers-Torwart Stephan Flauder mit einem platzierten Schuss aus 16 Metern keine Chance ließ (18.).

Man sei etwas zu demütig ins Spiel gegangen, resümierte Barletta. „Vielleicht war es auch meine Schuld, weil ich den Gegner zu stark geredet habe.“ Nach dem Gegentor legte der OFC den Respekt ab und war fortan das dominierende Team. Es dauerte aber bis zur 67. Minute, ehe Karbstein nach einem Eckball per Kopf ausglich. Der OFC wollte nun mehr, geriet jedoch erneut in Rückstand. Flauder parierte zwar gegen Förster, war aber beim folgenden Distanzschuss von Marco Pasalic machtlos (71.). „Wir wollten mit aller Macht in Führung gehen, hatten aber keine gute Kompaktheit“, analysierte Barletta. Wie vor dem 1:0 war der Stuttgarter Schütze von keinem der zwei sehr offensiv agierenden „Sechser“ (Tunay Deniz und Tim Dierßen) gestört worden. Man habe in beiden Szenen „etwas falsch gemacht“, gab der OFC-Trainer zu und sprach von „einigen Schlägen“, die sein Team abbekommen habe. Den letzten Treffer landeten aber die Kickers - durch Firat, der in der Nachspielzeit aus der Distanz durch Freund und Feind hindurch zum 2:2 traf und dabei das Glück hatte, dass der Ball abgefälscht wurde.

Trainer Barlette der Kickers Offenbach: „Uns fehlen vier Zähler“

„Nur wenn man bis zuletzt daran glaubt, schießt man in so einer Situation nicht drüber, sondern haut ihn rein“, stellte Barletta zufrieden fest. Es sei aber „trotzdem ärgerlich“, dass nach dem 0:0 zum Auftakt gegen den Bahlinger SC zum wiederholten Mal ein klares Chancenplus nicht zum Sieg reichte. „Diese Zähler fehlen uns“, sagte der Kickers-Coach mit Blick auf die Tabelle. Dort hat der OFC aktuell bei einem Spiel weniger sechs Zähler Rückstand auf Spitzenreiter TSV Steinbach Haiger. (Von Christian Düncher)

VfB Stuttgart II - Kickers Offenbach 2:2 (1:0)

VfB Stuttgart II: Hornung – Aidonis, Maglica, Stein – Zografakis, Michel, Mack, Förster, Pasalic (81. Wolf) – Egloff (46. Kober), Sökler (63. Weil)

Kickers Offenbach: Flauder (Note 3) - Fritscher (4; 46. Calabrese/3,5), Zieleniecki (3), Karbstein (2,5), Marcos (3,5) - Tuma (5; 55. Sobotta/3), Deniz (4), Bojaj (3), Dierßen (3), Firat (2,5) - Fetsch (4,5; 73. Soriano)

Schiedsrichter: Dingler (Birkenfeld) - Zuschauer: keine - Tore: 1:0 Förster (18.), 1:1 Karbstein (67.), 2:1 Pasalic (71.), 2:2 Firat (90.+5) - Gelbe Karten: Aidonis, Wolf, Michel, Weil / Calabrese (4), Soriano (1)

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