OFC organisatorisch vorbereitet für Regularien zum Restart / Kritik aus Walldorf und Bahlingen

Regionalliga Südwest führt Testpflicht ein

Sechs Wochen nach dem 4:0 gegen Schott Mainz, hier bereitet Serkan Firat (rechts) das 1:0 von Mathias Fetsch (links) vor), setzen die Offenbacher Kickers die Saison beim FC Astoria Walldorf fort. Dessen Vorsitzender Willi Kempf übt heftige Kritik am Restart.
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Sechs Wochen nach dem 4:0 gegen Schott Mainz, hier bereitet Serkan Firat (rechts) das 1:0 von Mathias Fetsch (links) vor), setzen die Offenbacher Kickers die Saison beim FC Astoria Walldorf fort. Dessen Vorsitzender Willi Kempf übt heftige Kritik am Restart.

Offenbach – Der Neustart in der Fußball-Regionalliga Südwest am Wochenende des 11./12. Dezember schlägt weiter hohe Wellen. Während sich Befürworter wie die Offenbacher Kickers auf das erste Punktspiel seit dem 30. Oktober (4:0 gegen Schott Mainz) vorbereiten und sich auch organisatorisch gut gewappnet sehen, schlagen andere kritische Töne an. Der Bahlinger SC und Astoria Walldorf äußern in offenen Briefen ihr Unverständnis über die Wiederaufnahme, die seit gestern Abend perfekt ist.

Hessen, Saarland und Rheinland-Pfalz, das bislang die 4. Liga nicht als Profiliga eingestuft hatte, haben die Corona-Verordnungen so angepasst, dass Trainings- und Spielbetrieb möglich ist. Als letztes Bundesland gab am Abend Baden-Württemberg, das im November den Regionalligisten den Profistatus gewährt hatte, mit seinem Corona-Erlass ab dem 1. Dezember das Go. „Erst wenn alle vier Bundesländer grünes Licht geben, können wir die Entscheidung bekanntgeben“, hatte Sascha Döther, Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR erklärt.

„Dass bei den großen verschärften Einschränkungen der Amateurfußball weiter betrieben werden darf, dafür habe ich kein Verständnis“, schreibt Willi Kempf, Vorsitzender des nächsten OFC-Gastgebers Astoria Walldorf (Freitag, 11. Dezember, 19 Uhr), in einem offenen Brief. Spieler bei Amateurvereinen wie dem FC Astoria, die nur abends trainieren und Lehrlinge, Studenten oder Schüler sind, seien einer größeren Ansteckungsgefahr ausgesetzt als Spieler von Proficlubs. Die Kosten für die Tests und empfohlene Anreisen mit dem Privatauto soll der Verein übernehmen, der bei Geisterspielen ohnehin schon keine Einnahmen habe. Kempf kündigt an, prüfen zu lassen, „inwieweit das Verursacherprinzip gilt“.

Ähnlich deutliche Worte zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Zeiten hoher Corona-Infektionszahlen und starker Einschränkungen kulturellen und privaten Lebens findet auch Dieter Bühler. Der Vorsitzende des Bahlinger SC warnt auch vor den finanziellen Auswirkungen. Im Dezember und Januar müsse sein Klub acht Spiele ohne Zuschauer austragen. Da könne sich jeder ausrechnen, was dem BSC, der in der vergangenen Saison einen Schnitt von 1400 Zuschauern hatte, am Ende fehlen werde. Wenn der Kaiserstuhl-Klub, der immer solide gewirtschaftet habe, keine Beihilfen aus dem Sportbereich und der Politik erhalte, gerate er ernsthaft in Gefahr.

Auch Tobias Damm (37), Trainer des KSV Hessen Kassel, hält den Neustart „im Kampf gegen die Pandemie für das falsche Signal“, auch wenn man es als Sportler und Fußball-Liebhaber gut finden würde. Damm merkt an, dass man so auch im November hätte spielen können.

Berufungsgericht urteilt über „Fall Balingen“

Die Entscheidung über die Neuansetzung oder Wertung der Partie TSG Balingen - Kickers Offenbach wird nicht vom Sportgericht der Regionalliga Südwest entschieden, sondern von der nächsthöheren Instanz, dem Berufungsgericht. Das bestätigte Regionalliga-Geschäftsführer Sascha Döther. Die Partie am 26. September war drei Stunden vor dem Anpfiff wegen eines Corona-Falls eines Balinger Spielers abgesagt worden. Das Sportgericht sieht sich nicht zuständig. Dem Berufungsgericht gehört auch Torsten Becker (Hanau), Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbandes, an. Döther hofft noch in diesem Jahr auf einen Gerichtstermin. Eine Neuansetzung wäre dann am 22./23. Dezember möglich. jm

OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik will sich an der Diskussion nicht beteiligen. Er blickt stattdessen nach vorne und arbeitet mit seinem Team die organisatorischen Aufgaben ab. „Der Verband hat gute Vorarbeit geleistet“, lobt er. So habe die Regionalliga Südwest GbR über einen Dienstleister Antigen-Schnelltests für alle Klubs besorgt. „Wir machen das mit“, betont er und hebt hervor, dass es sich um eine sehr kostengünstige Lösung handele. Zwischen 250 und 300 Euro, also zehn Euro pro Test, fallen pro Spieltag an. Die Belastungen bezeichnet Döther als zumutbar.

Getestet werden soll 24 Stunden vor dem jeweiligen Spiel, die Ergebnisse sollen binnen kurzer Zeit vorliegen und müssen an die Regionalliga gemeldet werden. Nur wer negativ getestet ist - das gilt auch für Schiedsrichter, Trainer und Betreuerstab-, darf am Spiel teilnehmen. Die Testungen führt nach Schulung des Dienstleisters Personal der Vereine durch. Beim OFC übernehmen das Physiotherapeut Björn Klümper und Mannschaftsbetreuerin Corinna Crause.

Wer positiv ist, wird von der Mannschaft isoliert. Ob und wenn ja wie viele weitere Spieler in Quarantäne müssen, darüber entscheidet weiter das örtliche Gesundheitsamt. Noch geklärt werden soll, wie viele Akteure auf der Spielberechtigungsliste stehen sollen, um antreten zu müssen. In der 3. Liga sind das 15, in der 4. Liga wird über 16 Spieler diskutiert. Wobei das bislang nicht das Problem gewesen sei, so Döther. Das größere Problem bei Corona-Fällen sei gewesen, dass die örtlichen Gesundheitsämter unterschiedlich über die Auswirkungen für das betroffene Spiel entschieden hätten.

Von Jörg Moll

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