Pause bleibt umstritten

OFC in der Regionalliga Südwest: Training, Kurzarbeit und Urlaub statt Fußball

Duell der Gegensätze: Während der OFC (rechts: Tunay Deniz) trainieren und spielen darf, braucht Schott Mainz (links: Jost Mairose) dafür eine Ausnahmeerlaubnis.
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Duell der Gegensätze: Während der OFC (rechts: Tunay Deniz) trainieren und spielen darf, braucht Schott Mainz (links: Jost Mairose) dafür eine Ausnahmeerlaubnis.

In der Frage, ob die Unterbrechung des Spielbetriebs richtig war, zeigt sich die Regionalliga Südwest so uneinig, wie in der Einstufung Profi- oder Amateurliga.

Offenbach – War es die richtige Entscheidung, die Fußball-Regionalliga Südwest im November pausieren zu lassen? Die Meinungen dazu gehen auseinander - sogar innerhalb der Vereine. Dabei zeigt sich abermals, wie schwierig es ist, in einer aus Amateuren und Profis bestehenden Spielklasse eine Lösung zu finden, die allen Seiten gerecht wird. Zumal nicht überall mit offenen Karten gespielt wird.

Kickers Offenbach als Amateure oder Profis?

Dominik Crljenec, der bei Kickers Offenbach in der Jugend spielte und nun für Bayern Alzenau aktiv ist, bringt es auf den Punkt: „Wenn man unsere Strukturen mit denen in Offenbach oder Steinbach vergleicht, sind das sicher Welten“, sagte der Defensivspieler dem Portal „Torgranate.de“. „Ich kann daher nicht sagen, dass die Regionalliga eine volle Profiliga ist, es ist vielmehr eine Mischung.“ Für Alzenaus Boss Andreas Trageser ist die Spielklasse hingegen eine Amateurliga. Daher sei es „eine vernünftige und gegenüber der Bevölkerung respektvolle Entscheidung“, vorerst zu pausieren.

Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass 17 der 22 Teams der Regionalliga Südwest von ihren Landesregierungen nicht als Amateure eingestuft wurden, auch wenn sie sich teilweise selbst als solche sehen. Wie der TSV Eintracht Stadtallendorf, der sich als „Dorfclub“ bezeichnet. Dessen Torwart Aykut Bayar sagt allerdings. „Es gibt viele Profiteams, die in der Überzahl sind. Aber auch Amateurclubs, wo Leute wie ich noch Vollzeit arbeiten. Ich sage letztlich aber, dass es eine Profiliga ist, da sie nicht mehr nur vom HFV organisiert ist.“ Der 28-Jährige hätte gerne weitergespielt, gibt jedoch zu, dass es eine „schwierige Phase“ sei. Sein Trainer Dragan Sicaja nennt die Unterbrechung „eine plausible Entscheidung“ und weist auf ein Problem der Amateure hin: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nicht nur Fußball spielen. Wenn wir die Krankheit an die Arbeit mitschleppen oder in Quarantäne müssen, hat der Arbeitgeber das Problem.“

In der Regionalliga Südwest spielt der OFC gegen den Profi-Nachwuchs von TSG und FSV

Für andere in der Liga ist Fußball jedoch der Hauptberuf. Und so stößt die Pause nicht bloß bei den U23-Mannschaften der Erstligisten SC Freiburg, TSG Hoffenheim, VfB Stuttgart und FSV Mainz 05, deren Talente sich nun nicht mehr so gut zeigen können, auf wenig Gegenliebe. Auch die zwei ambitionierten saarländischen Klubs sind alles andere als begeistert. „Die Liga-Leitung sollte das Ziel haben, dass weiter Fußball gespielt wird. Hier hat mir der richtige Einsatz gefehlt. Für uns ist diese Entscheidung nicht verständlich. Es wurde mit uns nicht geredet, auf Anfragen gab es keine Antwort“, sagte Ole Book, Sportdirektor der SV Elversberg, der „SZ“. Rafael Kowollik, Geschäftsführer des FC Homburg und zugleich Ligasprecher, ergänzte: „Wir hätten gerne weitergespielt. Wir versuchen nun, dass es zumindest im Dezember weitergehen kann. Dazu müssen die Mannschaften aus Rheinland-Pfalz Ausnahmegenehmigungen beantragen. Von RW Koblenz weiß ich, dass sie es versuchen möchten.“

Auch der FSV Mainz 05 II ist an einer Fortsetzung ab Dezember interessiert, ebenso offenbar der FK Pirmasens. Till Pleuger, Manager des TSV Schott Mainz, betonte hingegen: „Wir tragen die Haltung der Landesregierung mit.“

Dem TSV Steinbach Haiger, der punktgleich mit Spitzenreiter Freiburg auf Platz zwei rangiert, tut die Pause „richtig weh“, wie Sportchef und Geschäftsführer Matthias Georg gegenüber „Reviersport“ zugab. Er könne die Entscheidung jedoch „schweren Herzens“ nachvollziehen, zumal es zwei Komponenten gebe. Man sehe eine „gesellschaftliche Verantwortung, durch Kontaktreduktion die Infektionszahlen zu senken. In vielen Vereinen sind haupt- und vor allem ehrenamtlich viele ältere Menschen tätig, die man bei Normalbetrieb einer gewissen Gefahr aussetzt“, so Georg.

Drohen dem OFC bald wieder Geisterspiele?

Dass es den Normalbetrieb zuletzt nicht gab und so schnell auch nicht geben wird, ist das andere Problem. Demnach hätte nämlich „eine Fortführung der Liga im November mit Geisterspielen (...) nach aktuellem Stand ohne Fördergelder oder Umsatzerstattungen über die Bühne gehen müssen“.

Daher haben Steinbach sowie einige andere Clubs für Spieler und Trainer Kurzarbeit angemeldet. In Einzelfällen drängt sich dabei aber der Eindruck auf, dass man von dieser Möglichkeit gerne Gebrauch macht und kein großes Interesse daran hat, sich für eine schnelle Fortsetzung des Spielbetriebs einzusetzen. Untermauert wird das unter anderem dadurch, dass sich der Sportchef eines Vereins am Tag der Verkündung der Spielpause in den Teneriffa-Urlaub verabschiedete.

Bei Kickers Offenbach wurde die Entscheidung, ob Kurzarbeit beantragt wird, „notgedrungen vertagt“, wie Präsident Joachim Wagner betonte. „Wir werden das erst in Erwägung ziehen, wenn klar ist, ob es weitergeht oder nicht. Aktuell gehen wir fest davon aus, dass wir am 5. Dezember zu Hause gegen den FSV Frankfurt spielen werden. Da können wir nicht bis 17. November nichts machen und dann innerhalb weniger Tage alles hochfahren.“ (Christian Düncher)

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