Wieder kein DFB-Pokal / Kickers verlieren Hessenpokal-Viertelfinale 1:2

Riesenenttäuschung in Alzenau

Tief enttäuscht: Malte Karbstein (links) und Marcell Sobotta.
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Tief enttäuscht: Malte Karbstein (links) und Marcell Sobotta.

Alzenau – Der Rekord-Hessenpokalsieger hat sich gleich in der ersten Runde verabschiedet: Kickers Offenbach verlor am Mittwochabend überraschend, aber verdient mit 1:2 (1:0) beim FC Bayern Alzenau.

Nach der Führung durch Tunay Deniz (24./Freistoß) kam der vom früheren Offenbacher Fabian Bäcker trainierte Tabellenvorletzte der Fußball-Regionalliga Südwest stark zurück und durch Nils Fischer (56.) und Marco Ferukoskis Traumfreistoß (77.) zum Sieg. „Das ist eine Riesenenttäuschung“, räumte OFC-Kapitän Stephan Flauder ein: „Aber wir sind selbst schuld.“ Damit sprach er die enttäuschende zweite Hälfte an, in der die Kickers erst die Kontrolle und dann auch das Spiel verloren. „Wir hatten wenig Power“, konstatierte OFC-Trainer Sreto Ristic: „Und wir haben geistig und körperlich nicht das Nötige auf den Platz gebracht.“ Eine Erkenntnis, die den Kickers-Coach sichtlich überraschte. „Ich weiß noch nicht, woran es liegt, es war das erste Spiel, in dem es so gelaufen ist.“ Fabian Bäcker, Ober-Rodener Trainerleihgabe beim FC Bayern, bekam das Lächeln dagegen überhaupt nicht aus dem Gesicht. „Wir haben uns das Glück verdient“, freute sich der frühere OFC-Profi nach dem ersten Pflichtspielsieg seit Ende Dezember (1:0 in Freiburg). Alzenau war seither 19-mal in Folge nicht als Sieger vom Platz gegangen. „Dieses Mal haben wir die kniffligen Momente überstanden“, lobte Bäcker.

Ristic hatte gegenüber dem 4:0 gegen Eintracht Stadtallendorf in der Liga drei Änderungen in der Startelf vorgenommen. Für Davud Tuma, Florent Bojaj und Mathias Fetsch (alle Bank) begannen Luka Garic, Jakob Lemmer und Elia Soriano. Die Kickers, die am 27. März im Punktspiel mit 3:1 in Alzenau gewonnen hatten, erlebten ein ähnliches Spiel wie in der Liga. Die Alzenauer suchten ihr Heil in mutigem Anlaufen, wollten so die Kickers zu Fehlern zwingen. Nils Fischer (8.) stürmte früh alleine auf OFC-Kapitän Stephan Flauder zu, verzettelte sich dann aber beim Abschluss. Die Kickers übernahmen anschließend die Kontrolle über das Spiel, erarbeiteten sich nach einigen guten Spielzügen Chancen durch Soriano (11.), Huseinbasic (12.) und Firat (16.). Die Führung gelang aber wieder einmal nach einem Standard, der Offenbacher Spezialität in dieser Saison. Der Ex-Offenbacher Marcel Wilke hatte Soriano kurz vor dem Strafraum gefoult, Tunay Deniz die Kugel an der Mauer vorbei in den rechten Winkel gesetzt. Alzenaus Torwart Leonnel Mballa Mvogo sah dabei in „seiner Ecke“ nicht gut aus. Die Führung gab den Offenbachern aber nicht die gewünschte Sicherheit. Die Alzenauer suchten ihr Heil in laufintensivem Pressing – und hatten durch Mingi Kang (45./Außenpfosten) kurz vor der Pause schon den Ausgleich auf dem Fuß.

Nach der Pause setzte sich die Offenbacher Trägheit fort, Fischer (46.) schoss zunächst noch drüber, dann aber saß sein nächster Versuch aus 20 Metern (56.). Wer nun gedacht hätte, dass die Kickers wieder die Zügel anziehen und die Partie wieder in ihre Richtung lenken, sah sich schnell getäuscht. „Man hat gemerkt, dass es ein Pokalspiel war. Aber wir haben nicht die Leistung gebracht wie in den letzten Wochen“, meinte ein enttäuschter OFC-Innenverteidiger Malte Karbstein: „Und Alzenau war topmotiviert.“ Der 23-Jährige hatte die beste – und einzige Chance der Kickers in der zweiten Hälfte. Sein Schuss aus dem Getümmel wurde auf der Linie geklärt (80.). Besser machte es ein Ex-Offenbacher auf der Gegenseite: Marco Ferukoski nahm in der 77. Minute Maß und schlenzte die Kugel in den linken Winkel. „Das war natürlich ein besonderer Moment gegen den Ex-Verein“, sagte der 21-Jährige: „Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal ein Freistoßtor geschossen habe.“ Sein Trainer auch nicht: „Im Training macht er da meist nur Quatsch.“

Bayern Alzenau: Mballa Mvogo - Kummer, Crljenec, Mazagg, Haritonov - Teklab (66. Brauburger), Wilke, Martin (89. Bergmann), Ferukoski - Kang, Fischer (86. Fecher)

Kickers Offenbach: Flauder - Fritscher, Zieleniecki, Karbstein, Marcos - Deniz, Garic - Lemmer (71. Sobotta), Huseinbasic (58. Bojaj), Firat (58. Tuma) - Soriano

Schiedsrichter: Herbert (Nüsttal) - Tore: 0:1 Deniz (24.), 1:1 Fischer (56.), 2:1 Ferukoski (77.) - Gelb: Fischer / Marcos

Von Jörg Moll

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