Kickers Offenbach

Ristic soll beim OFC die letzten Prozente herausholen

Der neue OFC-Trainer Sreto Ristic redet auf Florent Bojaj ein. „Wir haben eine gewisse Internationalität in der Mannschaft. Da ist es nicht hinderlich, wenn sich der Trainer in die Mentalität von Spielern wie Serkan Firat oder Florent Bojaj hineinversetzen kann“, sagt Geschäftsführer Thomas Sobotzik über den gebürtigen Serben, der als Spieler außer in Deutschland auch in Portugal, China und der Schweiz tätig war.
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Einzelgespräch im Schneeregen: Der neue OFC-Trainer Sreto Ristic redet auf Florent Bojaj ein. Er soll die letzten Prozentpunkte aus der Mannschaft holen. Vom Aufstieg will er aber nicht reden.

Das Wort Aufstieg nimmt Sreto Ristic, der neue Coach des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach, nicht in den Mund. Und auch Geschäftsführer Thomas Sobotzik ist darum bemüht, nach dem doch etwas überraschenden Trainerwechsel Druck vom Kessel zu nehmen.

Offenbach – Das Jahr ist noch jung, aber Sreto Ristic hat bei Kickers Offenbach bereits einige Premieren hinter sich: Sein erstes Training, das erste Testspiel und nun auch seine erste Pressekonferenz. Heute stellte der Fußball-Regionalligist den am 30. Dezember verpflichteten Coach offiziell vor - quasi mit einem Jahr Anlauf. Als er im November 2019 beim OFC einstieg, habe er schon mal bei Ristic angefragt, gab Geschäftsführer Thomas Sobotzik zu. „Damals kamen wir jedoch überein, dass es nicht der richtige Zeitpunkt war.“ Die Wahl fiel auf Angelo Barletta, der nun von Ristic abgelöst wurde.

„Ich hatte damals die Ausbildung zum Fußballlehrer begonnen und war mir nicht sicher, ob das alles zu viel Belastung gewesen wäre“, sagt der neue Kickers-Trainer. Der Lehrgang in Serbien ist noch nicht abgeschlossen. Corona-bedingt musste einiges verschoben werden. Vermutlich zweimal wird der 44 Jahre alte Ex-Profi (u.a. VfB Stuttgart) noch in sein Geburtsland reisen müssen, unter anderem für die Abschlussprüfung.

Neuer OFC-Trainer Ristic: „Das ist ein Riesenclub“

Für die Aufgabe beim OFC fühlt er sich jedoch inzwischen bereit, auch wenn er vor ihr gewaltigen Respekt hat. „Es ist nach wie vor schwer. Das ist ein Riesenclub“, meint Ristic. „Wenn man hier vorfährt, sieht man sofort, dass das mit Regionalliga nichts zu tun hat. Das kann einem Angst machen und erdrücken. Mich aber nicht. Ich bin hier, um Spiele zu gewinnen.“

Wenn das mit Regionalliga nichts zu tun hat und Barletta als Tabellenvierter freigestellt wurde, kann das Ziel für diese Saison eigentlich nur der Sprung in die 3. Liga sein. Doch Ristic stellt klar: „Das Wort Aufstieg ist für mich weit weg. Ich kann nur für alles, was innerhalb der vier Linien passiert, Verantwortung übernehmen.“ Und auch Sobotzik ist spürbar darum bemüht, Druck vom Kessel zu nehmen. Während Präsident Joachim Wagner erst kürzlich betont hatte, dass es diese Saison keine Übermannschaft gebe, der eigene Kader auf allen Positionen topbesetzt sei und man „unbedingt die sich bietende Chance ergreifen“ wolle, drückt es der Geschäftsführer etwas defensiver aus. Fußball sei schwer planbar. Man könne nur ein Fundament bauen und dann versuchen, alles rauszuholen. „Wenn am Ende der Fall der Fälle eintritt, sind wir glücklich“, so Sobotzik. „Aber dafür ist eine wahnsinnige Detailarbeit nötig.“

OFC: Sreto Ristic soll letzte Prozentpunkte bei Kickers Offenbach herausholen

Und Ristic soll die dafür erforderlichen letzten Prozentpunkte aus dem Team herauskitzeln. „Das ist fast wie bei einer Zitrone, aus der man alles herausquetscht“, sagt der Geschäftsführer. Vorgänger Barletta traute man das nicht mehr zu. Der Neue bringe eine „natürliche Autorität“ sowie „Leidenschaft und Emotionalität mit, was in Offenbach sehr wichtig ist“. Eine Sache fehlt ihm aber: Erfahrung als Chefcoach. Bislang war Ristic lediglich Co-Trainer in der Regionalliga sowie der 3. Liga, zuletzt sogar nur Scout. Seit rund einem halben Jahr habe er kein Training mehr geleitet, betont er selbst. Sobotzik stellt dennoch klar: „Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir so das Maximum aus unseren Möglichkeiten herausholen werden.“ Man setze aber keineswegs alles auf eine Karte. Der Dreijahresplan, der den Aufstieg spätestens 2022 vorsieht, habe weiterhin Bestand.

Sobotzik weiß natürlich, dass es ein gewagter Plan ist und sein Wirken auch daran gemessen wird, ob Ristic mehr Erfolg haben wird als Barletta. „Ich bin dafür eingesetzt worden, das Bestmögliche herauszuholen“, stellt der 46-Jährige klar. „Ein Trainerwechsel in der Saison ist stets ein großes Risiko. Wenn der Sportchef losrennt und sich nach Kandidaten umsieht, ist das nie förderlich, weil es in der Regel auch nie lange geheim bleibt.“ Man habe mit zwei Kandidaten gesprochen und mit Barletta. Es sei alles offen gewesen. Nach der gemeinsamen Analyse sei dann die Entscheidung contra Barletta und pro Ristic gefallen. Er solle dem Team unter anderem einen „stärkeren Halt geben“.

Neuer OFC-Trainer Sreto Ristic will das Spiel kontrollieren

Der neue Coach will die Mannschaft erst mal kennenlernen, hat aber bereits eine klare Vorstellung vom künftigen Spielstil: „Wir wollen aktiv sein, viel Ballbesitz haben und das Spiel kontrollieren.“ Mit Elia Soriano (Stuttgarter Kickers) und Davud Tuma (Chemnitzer FC) arbeitete er schon zusammen. Andere Spieler wie Tunay Deniz, Marcell Sobotta und Stephan Flauder kennt er als Gegner aus der Regionalliga Nordost. Torwart Flauder soll Kapitän bleiben. „Für die Mannschaft waren die vergangenen Tage turbulent. Ich werde es so belassen. Flauder ist ein erfahrener Spieler und hat es hervorragend gemacht.“ (Christian Düncher)

Sechster Trainer in siebeneinhalb Jahren

Die Offenbacher Kickers spielen ihre achte Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest - und Sreto Ristic ist bereits der sechste Chefcoach während dieser Zeit. Vor ihm saßen Rico Schmitt (2013 bis Januar 2016, 47 Siege/22 Unentschieden/18 Niederlagen), Oliver Reck (Januar 2016 bis Juni 2018, 43/22/23), Daniel Steuernagel (Juli 2018 bis September 2019, 20/13/10), Steven Kessler (September 2019 bis Dezember 2019, 3/3/4) und zuletzt Angelo Barletta (Dezember 2019 bis Dezember 2020, 9/5/4) beim OFC auf dem Trainerstuhl. (cd)

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