Schmerzen für alle Beteiligten

+
Abschied aus Offenbach: Suat Türker (rechts) verlässt die Kickers. In der Rückrunde wird der Stürmer am 35. Spieltag (16. bis 18. April) mit dem SV Wehen Wiesbaden in Offenbach antreten. Links David Ulm.

Offenbach ‐ „Ich möchte bleiben, so lange es geht“, hatte Suat Türker bei seiner Rückkehr zu den Offenbacher Kickers am 21. Januar 2009 im Interview mit unserer Zeitung gesagt. 366 Tage später ging es nicht mehr. Von Jochen Koch

Türker (33) hat seinen Vertrag mit den Offenbacher Kickers aufgelöst und unterschrieb gestern einen neuen Kontrakt bis 2011 beim Liga-Konkurrenten SV Wehen Wiesbaden. Wenn die Kickers am Samstag ein Testspiel bei Wormatia Worms absolvieren, wird er schon zum ersten Mal für den SV Wehen Wiesbaden (gegen Grazer AK) spielen. Wehens Cheftrainer Hans Werner Moser: „Wir erwarten uns von Suat, dass er seine ganze Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit bei uns einbringt. Er ist ein sehr guter Fußballer, ein Schlitzohr und ein eiskalter Vollstrecker. Wir freuen uns sehr, dass der Transfer geklappt hat.“

Was als Erfolgsgeschichte geplant war, entpuppte sich als großes und teures Missverständnis. Die Kickers-Verantwortlichen hatten im Januar 2009 Türker die Rückkehr vom damaligen Zweitligisten SC Freiburg mit einem lukrativen Vertrag bis 2013 schmackhaft gemacht. Türker sollte bis 2011 spielen und die Kickers mit seinen Toren in die 2. Liga schießen. Ab 2011 wäre ein Anschlussvertrag im Trainerstab in Kraft getreten.

Türker konnte nicht mehr an Leistungen anknüpfen

Doch schon nach wenigen Wochen gab es die ersten Schwierigkeiten. Hans-Jürgen Boysen war mit Türkers Leistungen unzufrieden. Der Stürmer wiederum vermisste die Rückendeckung und das Vertrauen des Trainers und fühlte sich im 4-2-3-1-System als einzige Spitze nicht wohl. Doch selbst als Boysen das System auf zwei Spitzen umstellte, konnte Türker nicht mehr an die Form und Leistung anknüpfen, mit der er erfolgreichster Torschütze und Publikumsliebling geworden war.

Die Differenzen zwischen Türker und Boysen eskalierten in der laufenden Saison. Der Trainer hatte Türker sogar aus dem Kader gestrichen. Nach dem Trainerwechsel hoffte Türker auf einen Neuanfang. Doch auch unter Boysen-Nachfolger Steffen Menze klagte der bestbezahlte Spieler im OFC-Kader über fehlendes Vertrauen und wirkte zunehmend unzufrieden. Zumal er sportlich auch nicht über die Rolle des Jokers hinauskam. Als die Kickers in der Winterpause mit Kai Hesse einen Stürmer verpflichteten, gab es für Türker keine Perspektive mehr.

Spieler für die linke Seite als Lückenfüller?

Die Kickers werden Türker eine Abfindung zahlen, auch der Anschlussvertrag wurde aufgelöst. „So etwas geht nie ohne Schmerzen für alle Beteiligten“, sagte Vizepräsident Thomas Kalt. „Die Situation war für Suat verfahren. Er hat nicht mehr den glücklichsten Eindruck gemacht und will jetzt wieder unbelastet spielen“, sagte Sportmanager Andreas Möller. Suat Türker selbst wollte sich nicht zum Wechsel äußern.

Den freien Platz im Kader wollen die Kickers kurzfristig nicht mit einem Stürmer, sondern mit einem Spieler für die linke Seite besetzen. Gestern trainierte Tom Moosmayer mit. Der 30-Jährige steht bei RW Ahlen unter Vertrag (sechs Einsätze), spielte zuvor zwei Jahre bei Kickers Emden und wird heute im Testspiel in Worms (15 Uhr) eingesetzt. Möller: „Wir haben in der Rückrunde schwere Auswärtsspiele. Da brauchen wir erfahrene Spieler.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare