„Spieler fühlen, was verlangt wird“ / Fitness zahlt sich aus

OFC: Ristics Idee vom kontrollierten Ballbesitzfußball kommt an

Schuss ins Glück: Davud Tuma (links) blüht unter Sreto Ristic in Offenbach auf. In Homburg ragte er nicht nur wegen seines Treffers um 1:0 heraus.
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Schuss ins Glück: Davud Tuma (links) blüht unter Sreto Ristic in Offenbach auf. In Homburg ragte er nicht nur wegen seines Treffers um 1:0 heraus.

Offenbach – Corona kann auch für komische Szenen sorgen. Nach dem 2:1 beim FC Homburg dirigierte Mathias Fetsch seine Mitspieler Richtung Wald. „Kommt, wir gehen da hin“, sagte der Angreifer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach. Aus dem Dunkel des Waldes ertönten Beifall und „OFC“-Rufe. Links und rechts des Stadions hatten mehr als zwei Dutzend Fans corona-konform mit dem nötigen Abstand die Partie verfolgt.

Es zeigt, wie groß die Sehnsucht ist, ihren Herzensklub anzufeuern. Und so mancher OFC-Verantwortlicher wird wehmütig beim Blick auf die entgangenen Zuschauereinnahmen im März: Am Samstag (14 Uhr) geht es gegen die TSG Balingen, am 20. März kommt Spitzenreiter SC Freiburg II, am 31. März (17 Uhr) der FSV Frankfurt. Ziemlich volle Tribünen wären bei der Euphorie nach 21 Punkten aus neun Spielen garantiert.

71 Tage sind nach der 0:1-Niederlage in Balingen vergangen - und mit jedem Tag dürfte sich OFC-Sportdirektor Thomas Sobotzik mehr bestätigt fühlen, dass der von ihm initiierte Trainerwechsel zum Jahreswechsel richtig war. Sreto Ristic hat die Skeptiker widerlegt. Seine Idee vom kontrollierten Ballbesitzfußball kommt an - bei den Fans im Wald, bei den Verantwortlichen - und vor allem bei der Mannschaft. „Die Prozesse, die wir begonnen haben, beginnen zu wirken“, sagt Linksverteidiger Ronny Marcos. Auffällig sind diese Aspekte:

OFC: Marcos‘ spektakuläre Flugeinlage bleibt ohne Folgen

Es war die Aufregerszene der zweiten Hälfte beim 2:1 des OFC in Homburg: In der 74. Minute sprintete Ronny Marcos die linke Außenbahn entlang, überholte locker Jannik Sommer. Und dann passierte das Unglaubliche: Sommer, einst auch in Offenbach am Ball, schubste Marcos, der dadurch nicht mehr bremsen konnte und im vollen Tempo über die Werbebande flog. Sofort eilten Homburger Ersatzspieler herbei, um nach ihm zu schauen. Nach einigen Schrecksekunden stand Marcos alleine auf - und konnte das Spiel beenden. Nach dem Abpfiff äußerte sich Marcos zum Vorfall. „Ich weiß nicht, ob es Absicht war, aber es war eine blöde Situation“, sagte er: „Ich bin auf dem Nacken gelandet, hatte dann erstmal keine größeren Schmerzen.“ Nach dem Abpfiff änderte sich das, nachdem das Adrenalin im Körper runtergefahren war: „Mir zuckte es schon quer über den Rücken“, räumt Marcos ein. Immerhin: Gestern gab Marcos im Training Entwarnung. Im Spiel hatte sich Sommer sofort entschuldigt. Wohl wissend, dass er Glück gehabt hatte, nicht vom Platz geflogen zu sein. Gelb hatte er schon bei dem Freistoß vor dem Offenbacher 1:0 gesehen, als er Davud Tuma gefoult hatte. jm

Selbstverständnis: Der Auftritt in Homburg könnte ein Fingerzeig für die kommenden vier Wochen mit Topspielen gegen Freiburg, in Steinbach, gegen den FSV und gegen Ulm gewesen sein. Die Kickers traten souverän und kontrolliert auf. Aufmerksam im Zweikampf, mit großer Spielfreude und einer immer größeren Ballsicherheit. Dazu trägt auch bei, dass Ristic seit Amtsantritt Anfang Januar seine Startelf behutsam und oft nur wenn notwendig positionsbezogen veränderte. Die Abwehr stand bis auf ganz wenige Ausnahmen gegen einen Gegner, der durchaus Qualität hatte. Und selbst als die Abstimmung einmal nicht klappte und Charles Elie Laprevotte nach einem Missverständnis mit Sebastian Zieleniecki im Strafraum Damjan Marceta foulte, verloren die Kickers nach dem Foulelfmeter zum 1:1 (62.) ihr Ziel nicht aus den Augen. „Wir sind ruhig geblieben, haben weiter unseren Plan verfolgt“, lobt Ristic.

Stabilität: Ristic ist es gelungen, klare Strukturen aufzubauen und er hat damit die Mannschaft erreicht. „Die Spieler fühlen, was von ihnen verlangt wird“, sagt er. Die Folge: In jedem Mannschaftsteil greifen die Rädchen immer besser ineinander. Das Spiel gegen den Ball ist ein Schlüssel. Homburgs Widerstand erlahmte in der zweiten Hälfte auch deshalb, weil die Kickers mit anstrengendem Gegenpressing agierten, die Räume gut zustellten und dann stets in hohem Tempo den Vorwärtsgang einlegten. Ristics Maßnahme, während der Phase mit Eis und Schnee den Schwerpunkt auf Fitness zu legen, zahlt sich somit aus. Anschaulich wird das bei Spielern wie Serkan Firat und Davud Tuma auf den Außenbahnen. Sie sind permanent in Bewegung, nach vorne und hinten. Und weil jeder weiß, wie er zu agieren hat, blüht so mancher richtig auf. Bestes Beispiel: Davud Tuma, der in Homburg an fast allen entscheidenden Situationen beteiligt war: Das 1:0 schoss er selbst (49.), den Platzverweis von Luca Plattenhardt (57.) „provozierte“ er mit zwei starken Tempodribblings. Seinen ersten Doppelpack im OFC-Trikot vereitelte nach tollem Volleyschuss Homburgs Torwart David Salfeld (67.). „Ich freue mich über das Vertrauen und versuche meine Stärken so einzubringen, dass sie uns helfen“, bleibt Tuma bescheiden. Und Sreto Ristic, das wird immer deutlicher, würde auch nichts anderes akzeptieren. Denn: „Die Mannschaft weiß, dass sie gegen jeden Gegner gewinnen kann. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagt er.

Von Jörg Moll

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