Manfred Bender im Interview

Stagnation dauert lange genug

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Manfred Bender warnt davor, sich schon jetzt auf die nächste Saison zu konzentrieren. „Wir sind noch nicht aus dem Abstiegskampf raus.“

Offenbach - Keine 24 Stunden nach der Berufung von Manfred Bender zum Geschäftsführer Sport kam es zum ersten „Gipfeltreffen“ mit Rico Schmitt. Von Jochen Koch

Gestern Vormittag sichtete Bender die Verträge der 28 Spieler der Offenbacher Kickers, am Nachmittag traf er sich mit dem Trainer, um über die Zukunftsplanungen zu sprechen.

Der 46-jährige Bender wird sich in den nächsten Tagen eine Wohnung in Offenbach nehmen. Seine Frau, die Tochter (5) und der Sohn (1 Jahr) bleiben zunächst in Ismaning bei München. „Meine Frau weiß, was Fußball für mich bedeutet. Ich war jetzt lange genug zu Hause“, schmunzelt Bender.

Herr Bender, Sie haben ihre Profikarriere 2004 beendet, waren dann Trainer in Österreich und bei Nigerias U20. Wie wird man dann Geschäftsführer bei Kickers Offenbach?

Der Kontakt kam über einen Bekannten zustande, der den Draht zu Kickers-Präsident Frank Ruhl hergestellt hat. So ist das heutzutage im Geschäft, es geht doch fast nur noch über Beziehungen.

Warum hat es so lange gedauert, bis Sie ins Profigeschäft zurückgekehrt sind?

Ich hatte noch einige andere Sachen zu tun. Ich war in Österreich in der 1. und 3. Liga Trainer, wurde als Co-Trainer mit der U20 von Nigeria Afrikameister, habe eine Casting-Show für Fußballtalente in Österreich mitorganisiert. Man muss im Profifußball nicht auf jeden Zug aufspringen, wie das viele machen, nach dem Motto: Egal was für ein Verein, Hauptsache mein Name ist im Geschäft. Das war nicht mein Ding.

Sie waren Trainer, jetzt sind Sie Geschäftsführer Sport, wie kam es zu dem Sinneswandel?

Sagen wir mal so: Wenn man sein Geld anlegt, setzt man auch nicht alles auf eine Aktie. Oder hat man Matthias Sammer auch schon mal gefragt, warum er Sportdirektor beim DFB und bei den Bayern geworden ist, obwohl er vorher als Trainer Deutscher Meister war? Ich glaube, dass das Organisieren rund um eine Mannschaft, das Zusammenstellen eines Kaders schon mein Ding ist, das liegt mir.

Kickers-Präsident Ruhl hat mehrfach betont, dass kein Geld für einen Sportmanager in der Kasse ist. Wer bezahlt Sie?

Privatpersonen aus dem Umfeld des Vereins. Ich liege dem OFC nicht auf der Tasche.

Stimmt es, dass sie einen Sponsor mitbringen?

Ich weiß nicht, wieso man hier so ein Gezeter macht, wenn man jemanden mitbringt, der in den Verein investieren will. Man sollte doch froh sein, dass dem Verein damit weitere Möglichkeiten geboten werden. Jetzt sieht es so aus, als ob ich den Job nur bekommen hätte, weil ich einen Sponsor dabei habe. Aber so ist es doch gar nicht. Ich habe mich mit Herrn Ruhl getroffen, mein Konzept vorgestellt und er war begeistert. Erst dann habe ich ihm gesagt, dass ich noch jemanden hätte, der vielleicht in den Verein etwas einbringen will.

Wer ist der Sponsor, und wie will er sich einbringen?

Da will ich nicht vorgreifen, das werden die Gespräche zeigen, die dann der kaufmännische Geschäftsführer Herr Fischer und die Marketing-Abteilung führen.

Sie haben in Österreich die Castingshow mit einem Wettanbieter produziert. Wird bwin oder sjbet beim OFC einsteigen?

Weiß ich nicht.

Was erwarten Sie in Offenbach?

Einen Haufen Arbeit. Dass es keine einfache Aufgabe wird, ist klar.

Sie haben die Mannschaft beim 2:0-Sieg gegen die Stuttgarter Kickers gesehen, wie ist Ihr Eindruck?

Ich habe auch schon die Spiele gegen den Karlsruher SC und gegen Rot-Weiß Erfurt gesehen.

Das heißt, die Verhandlungen mit dem OFC laufen schon längere Zeit?

Das ist nur professionell. Herr Ruhl holt mich nicht nach nur einem Gespräch. Man muss sich kennenlernen. Es ist schließlich keine einfache Verantwortung, die Herr Ruhl da weiter gibt. Als Sportdirektor verpflichte ich auch keinen Spieler, den ich nur eine Halbzeit lang gesehen habe.

Ihr Eindruck nach den drei Spielen?

Manfred Bender hat 229 Bundesligaspiele bestritten, wurde 1990 mit Bayern München Deutscher Meister.

Andere Vereine wissen seit dem ersten Spieltag, dass es gegen den Abstieg geht, für die Kickers kam das etwas überraschend. Gegen Karlsruhe und Erfurt hat man gemerkt, dass die Mannschaft nicht mit dem Abstiegskampf gerechnet hat. Aber nach dem Zwei-Punkte-Abzug hat die Mannschaft in Stuttgart die richtige Antwort gegeben. Das war definitiv ein ganz anderes Auftreten. Da hat man schon gesehen, dass Potenzial in der Mannschaft steckt.

Der Etat wird nächste Saison um ein Drittel gekürzt. 20 Verträge laufen aus. Da dürfte die Kaderzusammenstellung eine schwierige Aufgabe werden.

Ja genau, das wird anstrengend, aber es wird auch Spaß machen. Ich gehe fest davon aus, dass wir in der 3. Liga bleiben, und dann werden wir nächste Saison eine gute und schlagkräftige Mannschaft haben, die den Fans wieder Spaß machen wird.

Mit welchen Vorgaben gehen Sie an die Kaderplanung?

Das hängt natürlich stark von den finanziellen Möglichkeiten ab. Spieler, die für Leidenschaft und Engagement stehen, Teamspieler sind, nach solchen Typen werden wir Ausschau halten. Denn wir werden sicher nicht die großen Gehälter zahlen können. Also müssen die Spieler, die wir holen, auch passen. Es soll wieder nach oben gehen. Stagnation hat lange genug gedauert. Es wird Zeit, dass ihr bald wieder positive Schlagzeilen schreiben könnt.

Wann werden Sie ihre Arbeit in Offenbach beginnen?

Ich bin schon mitten drin. Als Sie angerufen haben, habe ich gerade die Spielerverträge gesichtet.

Und haben festgestellt, dass bei Vertragsende oft 2013 steht.

Ja, nicht nur das. Wenn ich mir die Verträge so anschaue, dann wäre ich gerne noch mal 20 Jahre jünger.

Wie lange läuft Ihr Vertrag?

Ein Jahr lang bis 2014, auf meinen Wunsch.

Ihr erstes Heimspiel ist ausgerechnet gegen ihren Ex-Klub Spvgg. Unterhaching.

Ja, schon komisch. In Unterhaching hat für mich alles angefangen. Vielleicht können wir jetzt Unterhaching ein bisschen als kleines Vorbild hernehmen. Die haben ein Drittel vom Offenbacher Etat, aber schon 44 Punkte.

Wo sehen Sie die Kickers mittelfristig?

(Lacht) Lasst uns erst mal von Spiel zu Spiel denken. Jetzt müssen wir die Saison gut überstehen und uns konsolidieren. Dann möchten wir mit dem Trainer eine Mannschaft zusammenstellen, die Spaß macht. Wenn wir den Schritt erreicht haben, dann können wir uns dem nächsten widmen.

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