Steiniger Weg für schlafenden Riesen

OFC-Versammlung: Einigung mit Gläubiger Ruhl im Fokus

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Hände hoch für den OFC: 253 stimmberechtigte Mitglieder der Offenbacher Kickers waren bei der Versammlung in Mühlheim dabei - und setzten die Rote Karte ein.

Mühlheim – „Wir sind auf einem guten Weg“ - ein Satz, der gestern Abend auf der Mitgliederversammlung von Kickers Offenbach häufiger zu hören war. In einer gegen Ende hitzigen Sitzung in der Mühlheimer Willy-Brandt-Halle war die Einigung mit Großgläubiger und Ex-Präsident Frank Ruhl in vielen Redebeiträgen ein zentrales Thema. Von Jörg Moll

„Durch diese Einigung haben wir nun Rechtssicherheit“, sagte Präsidiumssprecher Michael Relic: „Und damit sind wir nun in der Lage, Partner zu finden, die in die Zukunft investieren und nicht in die Vergangenheit.“

Ähnlich optimistisch äußerte sich Schatzmeister Daniel Simon, der die Verrechnung von Ruhls Forderungen aus Zeiten der ersten Insolvenz 2013 in Höhe von 1,25 Millionen Euro in GmbH-Anteile (24,5 Prozent) und ein Darlehen für die Profi GmbH erneut als „bestmögliche Lösung für alle Beteiligten“ bezeichnete. „Wir können den schlafenden Riesen OFC in absehbarer Zeit reaktivieren“, so Simon. Der Schatzmeister konnte gute Zahlen im Verein verkünden. Ausgaben von 594.000 Euro standen im Jahr 2017/2018 611.000 Euro Einnahmen gegenüber.

Ex-OFC-Präsident und Großgläubiger Frank Ruhl

Simon konterte auch die Kritik einiger Mitglieder, die bei der Vereinbarung mit Ruhl Transparenz bemängelten. „Wir hatten ein Problem am 31. Dezember 2018.“ Ruhl, so Simon, hätte am 1. Januar 2019 seine Forderungen geltend machen können. „Dann wäre wieder der Insolvenzverwalter da gewesen und wir würden heute hier nicht sitzen.“ Zentrale juristische Grundlage war das Schuldeingeständnis des Vereins gegenüber Ruhl seit 5. November 2016. Simon warb um Verständnis, dass die Vereinbarung eine Stillschweigeregelung zu Details wie der Darlehenslaufzeit und den Zinskonditionen beinhaltet.

Der gute Weg ist also nicht frei von steinigen Abschnitten, die auch die Zukunft des Fußball-Viertligisten anspruchsvoll gestalten dürften. „Der Rücktritt von Helmut Spahn hat uns sehr überrascht“, räumte Michael Relic ein. Der Vizepräsident ist nach dem Rücktritt des FIFA-Sicherheitschefs Sprecher des OFC-Vorstandes. Nachtreten wollte Relic nicht. „Egal, was war: Ich möchte mich bei Helmut bedanken für die zwei Jahre seiner Arbeit, in der er den OFC auch finanziell sehr unterstützt hat.“

Dem Vorstand gehören neben Relic der für Spahn ins Präsidium aufgerückte Uwe Zeiler, Markus Weidner, Barbara Klein (alle Vizepräsidenten) und Schatzmeister Daniel Simon an. Er wurde mit zwei Gegenstimmen entlastet. Nicht thematisiert wurde die Neubesetzung des Präsidentenamtes. Relic hatte schon im Vorfeld anklingen lassen, dass er mit seinen Vorstandskollegen voll handlungsfähig sei und bis auf weiteres im Kollektiv wirken wolle. „Wir haben den Rücktritt als Chance begriffen und sind in den Gremien noch enger zusammengerückt“, lobte Relic die Zusammenarbeit mit Aufsichtsrat der Profi GmbH und dem Verwaltungsrat des eingetragenen Vereins.

Dem gehören nun zwei prominente neue Mitglieder an. Professor Jürgen Weber, langjähriger Vorstandsvorsitzender des Sponsors und GmbH-Anteilseigners Sparda Bank Hessen, wurde mit überwältigender Mehrheit ins Gremium gewählt wie Peter Tauber. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium hatte bei seiner Vorstellung mit launigen Worten gepunktet. „Ich bin seit der legendären Oberliga-Saison Kickers-Fan, als 2000 Offenbacher Fans beim SV Bernbach gezeigt haben, was Stimmung ist.“ Es waren die einzigen Wahlen neben jener von Adi Grimm in den Ehrenrat.

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Wie steinig der Weg ist, skizzierte OFC-Geschäftsführer Christopher Fiori. „Wir haben ein strukturelles Problem in der GmbH. Und wir stehen in einem harten Wettbewerb mit Mäzen-Klubs.“ Die Vermarktungsmöglichkeiten in der Regionalliga bezeichnet er als endlich. „Daher wäre es immens wichtig, in die 3. Liga aufzusteigen“, meinte er. Erst dort seien signifikante Umsatzsteigerungen möglich. Die Liquidität für diese Saison sei nur durch Zuwendungen von Mitgliedern der Gremien und Vereinsfreunden gesichert. Rund 500.000 Euro hätten sie beigesteuert. Das Defizit erklärt sich laut Fiori auch durch ein im Etat fest eingeplantes und werthaltiges Freundschaftsspiel. „Das haben wir aber nicht bekommen.“

Positiv hob Fiori die eingeleitete Neuaufstellung zu Beginn dieser Saison hervor. „Wir wollten mit einem jungen Trainer frischen Wind reinbringen, das ist uns gelungen.“ Als Enttäuschung stufte er das Aus im Hessenpokal ein. Auch der misslungene Start in die Regionalliga „war nicht das, was wir uns erhofft haben“. Aber, und darin war sich Fiori mit allen Rednern einig: „Wir können es nur gemeinsam schaffen.“

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