Regionalliga Südwest

Streit um Auf- und Abstieg: Kickers Offenbach bezieht Stellung

FK Pirmasens und Kickers Offenbach
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Solidarität unter sportlichen Gegnern: Der FK Pirmasens (blaue Trikots) will zur Not juristisch um den Klassenerhalt kämpfen. Die Offenbacher Kickers (links: Davud Tuma) tragen das Schreiben des Ligasprechers mit, in dem „im Namen des Großteils der Vereine der Regionalliga Südwest“ die aktuelle Auf- und Abstiegsregelung kritisiert wird.

In der Auseinandersetzung um die aktuelle Regelung des Auf- und Abstiegs äußert sich nun Kickers Offenbach (OFC).

Offenbach – Der Großteil der Teams der Fußball-Regionalliga Südwest empfindet die aktuelle Regelung des Auf- und Abstiegs als unverhältnismäßig und hat daher in einem „Offenen Brief“ seinen Unmut geäußert. Auch Kickers Offenbach trägt dieses Schreiben mit. Die Antwort der Oberligisten ließ nicht lange auf sich warten. Nun droht sogar ein juristischer Streit.

Es knistert im Gebälk: Die abstiegsbedrohten Teams der Fußball-Regionalliga Südwest liegen im Clinch mit ambitionierten Oberligisten. Hintergrund ist die Frage des Aufstiegs in die viert-höchste Liga. Es gebe einen „Missstand“, auf den er „im Namen des Großteils der Vereine der Regionalliga Südwest“ hinweise, heißt es in einem von Ligasprecher Rafael Kowollik (FC Homburg) unterzeichneten Brief.

Konkret geht es um die Aufstiegsregelungen der Oberligen Hessen, Rheinland-Pfalz/Saar und Baden-Württemberg.

Kickers Offenbach (OFC): Es „herrscht reger Unmut“

„Dass Mannschaften mit teilweise nur acht ausgetragenen Spielen aus den Oberligen oder Regionalligen (Bayern, Nordost, Nord) aufsteigen sollen, während hingegen sechs unserer Teams mit 42 absolvierten Spielen in einer (...) Rekordsaison absteigen müssten oder eben als Tabellenzweiter der Regionalligen West und Südwest nicht aufsteigen“, sei unverhältnismäßig, so Kowollik. Es „herrscht reger Unmut“, was für ihn nachvollziehbar sei.

Der Sprecher der Regionalliga Südwest verweist darauf, dass die regionalen Fußballverbände gemäß ihren Satzungen die Saison annullieren, da weniger als 50 Prozent des Spielklassenbetriebes durchgeführt wurde. Es gebe daher für alle Amateurspielklassen – von der Verbandsliga bis zur C-Klasse – mangels Wertung weder Absteiger noch Aufsteiger: „Warum werden ausgerechnet für die Oberligen und Regionalligen fragwürdige Ausnahmen gemacht?“

Kickers Offenbach und die Regionalliga: Schreiben sorgt bei Fünftligisten für Kopfschütteln

Bei den betroffenen Fünftligisten sorgt das Schreiben für Kopfschütteln. „Mit Erstaunen haben wir den Offenen Brief des Herrn Raphael Kowollik (...) gelesen, der uns ratlos zurücklässt“, teilte beispielsweise Prof. Dr. Rainer Lorz, Präsident des baden-württembergischen Oberliga-Zweiten Stuttgarter Kickers, mit, der ebenso wie der Erste SGV Freiberg zur Not juristisch für sein Aufstiegsrecht streiten will. Umgekehrt gilt das auch für den abstiegsbedrohten Regionalligisten FK Pirmasens. Beim SC Hessen Dreieich, Zweiter der Hessenliga, sieht man das entspannter. „Wir haben mit Corona so viele andere Probleme“, betont Trainer Sasan Tabib. Es sei zudem „verfrüht“, über das Thema zu diskutieren.

Sascha Döther sieht es ähnlich. „In Hessen und Baden-Württemberg wurde noch gar keine Entscheidung getroffen“, stellt der Geschäftsführer der Regionalliga Südwest GbR klar. Er rät, zunächst die Entscheidung der 3. Liga abzuwarten, zumal es dort mit Blick auf die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern eine ähnliche Gemengelage gebe. Dort sei eher eine Dringlichkeit gegeben, da die 3. Liga drei Wochen vor der Regionalliga aufhöre.

Kickers Offenbach (OFC) trägt das Schreiben des Ligasprechers mit

Der Funktionär findet es legitim, dass Kowollik als Ligasprecher „die vielen Fragen gebündelt“ hat, kann jedoch teilweise auch den Argumenten der Oberligisten folgen. So verweist Döther darauf, dass in der Spielordnung der Regionalliga Südwest für diese Saison „sechs Absteiger“ verankert wurden. Die Zahl könne sich nur reduzieren, wenn es (zum Beispiel durch Verzicht) weniger Aufsteiger in die Regionalliga gibt. Kowollik verweist aber darauf, dass bei der Festlegung dieser Regelung davon auszugehen war, dass die Regionalliga sowie die Oberligen entweder alle spielen oder eben nicht. „Durch das Verbot des Amateursports bei gleichzeitiger Legitimierung der Fortführung des Regionalligaspielbetriebs hat sich eine völlig neue Situation ergeben, die neu bewertet werden muss.“

Kickers Offenbach trägt das Schreiben des Ligasprechers mit, zumal darin auch der Aufstieg in die 3. Liga kritisiert wird. Es sei „ungerecht“, wenn ein Verein möglicherweise als Zweiter mit 80 Zählern nach 42 Spielen und einem finanziellen Kraftakt nicht aufsteige, während beispielsweise Viktoria Berlin nach elf ausgetragenen Spielen aus der Nordoststaffel aufsteigen soll, so Kowollik. Das dürfte dann „der ‚billigste’ Aufstieg aller Zeiten gewesen sein, finanziert mit stattlichen Förderungen inklusive zehn Monaten Kurzarbeit“, schrieb er weiter. (Christian Düncher)

Trotz der beschlossenen Saison-Annullierung in Hessen stellt sich weiterhin die Frage, wie mit potenziellen Aufsteigern in die Regionalliga Südwest – darunter der SG Barockstadt – umzugehen ist. Die Regionalliga-Vertreter haben sich klar positioniert.*
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