„Ein wichtiges Spiel, aber kein Endspiel“

Vor Südwest-Gipfel: Reck und Waldhof-Trainer Trares im Interview

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Oliver Reck und Bernhard Trares spielten in der Saison 1997/98 gemeinsam für Werder Bremen.

Offenbach -  Es ist angerichtet für das Spiel der Spiele in der Fußball-Regionalliga Südwest: Kickers Offenbach empfängt als Tabellenzweiter den ärgsten Rivalen im Kampf um den zweiten Aufstiegsrelegationsrang, Waldhof Mannheim. Von Daniel Schmitt und Jörg Moll

Wir haben vor dem brisanten Duell am Samstag (15. 30 Uhr/Sport1) mit den Trainern beider Teams gesprochen. Oliver Reck und sein Mannheimer Pendant Bernhard Trares verbindet eine gemeinsame Vergangenheit beim SV Werder Bremen.

Herr Trares, Herr Reck, welche Erinnerung verbinden Sie mit dem 9. Mai 1998?

Bernhard Trares: Spontan fällt mir dazu nicht wirklich etwas ein.

Damals unterlagen Sie und OFC-Trainer Oliver Reck mit Werder Bremen im „Endspiel“ um einen Platz im UEFA-Pokal beim VfB Stuttgart 0:1 – und stürzten von Platz vier auf Rang sieben.

Bernhard Trares: Ach ja, das war natürlich nicht schön. Es war ein super heißer Tag und wir haben verloren. Den Rest habe ich wohl verdrängt.

Oliver Reck: Ich erinnere mich noch gut an diese Saison. Man muss aber dazu sagen, dass wir in dieser Spielzeit zwischenzeitlich auf einem Abstiegsplatz standen und einen Trainerwechsel (Wolfgand Sidka für Hans-Jürgen Dörner) hatten. In der Rückrunde haben wir eine Aufholjagd gestartet.

Sie und Oliver Reck haben in der angesprochenen Saison 29-mal gemeinsam für Werder in der Bundesliga auf dem Platz gestanden: Wie kam der Mittelfeldkämpfer mit dem Torwart aus?

Bernhard Trares ist seit 4. Januar Coach des SV Waldhof.

Trares: Oli war ein super Torwart, daran gibt es keinen Zweifel. Vor allem in der Strafraumbeherrschung war er richtig stark. Ich habe in dieser Zeit ja auch teilweise in der Abwehr gespielt. Alles, was an Bällen über mich drübergeflogen ist, hat Oli abgefangen.

Reck: Bernhard ist ein echter Teamplayer gewesen, er konnte zudem mehrere Positionen spielen. Wir kamen ja aus der gleichen Region, kannten uns auch schon von einigen Spielen in Jugendmannschaften.

Ist die Partie am Samstag zwischen dem OFC und Waldhof Mannheim auch ein solches Endspiel wie 1998, schließlich geht es um Platz zwei in der Regionalliga Südwest?

Trares: Für mich ist es das nicht. Dafür stehen beiden Mannschaften noch andere schwere Spiele bis zum Saisonende bevor. Man hat zuletzt bei unserem 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart II gesehen, dass wir gegen jeden Gegner unglaublich gut spielen müssen, um zu gewinnen. Aber klar, wir freuen uns auf das Duell mit Offenbach, wir sind total heiß. Das Umfeld redet schon die vergangenen Wochen fast nur vom Spiel in Offenbach. Jetzt ist es endlich so weit, dass wir uns auch duellieren können.

Reck: Für mich ist das gar kein Endspiel. Ich habe in acht DFB-Pokalendspielen mitgespielt. Danach kam nichts mehr. Heute haben wir danach noch drei Spiele, Waldhof noch fünf. Aber keine Frage: Es ist ein sehr wichtiges Spiel.

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Herr Trares, Sie sind erst seit Anfang Januar beim SV Waldhof, haben in acht Spielen sechsmal gewonnen und 19 Punkte geholt, dabei nur gegen den FSV Frankfurt (0:1) verloren. Was spricht am Samstag und am Saisonende für Ihren Klub?

Trares: Die Mannschaft ist enorm fokussiert und wird am Samstag alles raushauen. Wir haben im Moment eine gute Phase und einen guten Spielstil. Bis auf die Partie gegen den FSV konnten wir immer überzeugen. Aber natürlich braucht man in den entscheidenden Momenten auch das nötige Spielglück, um erfolgreich zu sein.

Herr Reck, Sie sind seit zweieinhalb Jahren in Offenbach, führten den OFC seither auf Platz vier, nach der Insolvenz im vergangenen Jahr zum Klassenerhalt und nun auf Platz zwei. Gegen Mannheim haben die Kickers unter Ihrer Regie noch nie gewonnen. Was spricht dieses Mal für die Kickers?

Reck: Auf diese Statistiken gebe ich nichts, wir können immer auf alles reagieren. Für uns spricht unsere Heimstärke, unsere Form. Wir können in jedem Spiel jedem Gegner auf die Füße treten. Ich wünsche mir natürlich, dass wir am Saisonende vor Mannheim stehen, aber dafür muss man noch einiges tun. Und klar ist: Wer es am Ende schafft, hat es dann auch verdient.

Herr Trares, Sie spielen nächste Woche noch gegen den KSC im Pokal. Könnte es da Probleme in der Fokussierung geben?

Trares: Nein, davon gehe ich nicht aus. Die Jungs haben es die ganze Zeit über geschafft, fokussiert zu sein, dann werden sie es auch am Samstag hinbekommen.

Charakterisieren Sie doch mal den Gegner. Was zeichnet ihn aus?

Trares: Kurz und knapp: Mentalität und Kampfstärke.

Reck: Mannheim hat eine eingespielte Mannschaft, die schon länger zusammen ist. Viele Spieler haben schon höherklassig gespielt. Wenn ich den Waldhof-Kader durchgehe, sehe ich sehr viel Erfahrung. Trotzdem stehen wir - mit einem viel geringeren Etat - aktuell vor ihnen. Und das würde ich gerne auch nach dem letzten Spieltag.

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Sie trainieren einen Traditionsverein. Was ist das Besondere an dieser Aufgabe?

Trares: Im Umfeld und im Stadion herrscht eine ganz andere, eine bessere Stimmung als bei vielen Ligakonkurrenten. Wir erhalten eine wahnsinnige Unterstützung von den Fans – was nicht immer von Vorteil ist. Die Gegner sind dadurch meist konzentrierter und hauen gerade bei unseren Heimspielen vielleicht ein Stück mehr an Leistung heraus.

Reck: Ich habe ja immer nur bei Traditionsvereinen gespielt und trainiert. Mannheim und der OFC haben eine Fanstruktur, die nichts für die Regionalliga ist, sondern für höhere Ligen. Wie schwierig es ist, da rauszukommen, muss ich nicht mehr kommentieren.

Beide Klubs eint eine stets enorme Erwartungshaltung. Wie gehen Sie damit um?

Trares: Klar, die Erwartungshaltung ist in einem Verein wie Waldhof Mannheim immer da. Aber damit müssen und können wir umgehen. Dafür spielt man Fußball, das macht den Sport aus.

Reck: Die Erwartungshaltung belastet mich überhaupt nicht. Wenn ich damit nicht umgehen kann, bin ich fehl am Platz. Ich habe in meiner Karriere als Spieler etliche Situationen in die richtige Richtung lenken können. Du musst immer versuchen, das Maximum herauszuholen.

Mehr als 12.000 Zuschauer werden erwartet - Saisonrekord im Südwesten. Welche Rolle wird die zu erwartende große Kulisse spielen?

Trares: Die Kulisse ist ein großer Ansporn für beide Mannschaften. Nicht mehr und nicht weniger.

Reck: Indirekt sicher eine große. Es macht für die Spieler sehr viel Spaß, vor dieser Kulisse zu spielen. Aber in der Vorbereitung auf die Partie wird das keine Rolle spielen.

In den möglichen Entscheidungsspielen um den Aufstieg treffen die Südwest-Klubs auf den Meister der Regionalligen Bayern oder West. Wer wäre Ihnen lieber?

Trares: Ich beschäftige mich nicht mit den Aufstiegsspielen, ich arbeite nur im Hier und Jetzt. Wir versuchen ausschließlich, uns für das Spiel am Samstag auf den optimalen Stand zu bringen.

Reck: Es bringt nichts zu spekulieren. Ich muss mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Es ist noch ein ganz weiter Weg.

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Lassen Sie die in Frage kommenden Klubs denn bereits beobachten?

Trares: Nein, bei uns laufen in diese Richtung keine Beobachtungen. Wir sind voll auf das Spiel gegen den OFC und die restliche Saison konzentriert.

Reck: Wir haben aufgrund unseres Etats keine große Scouting-Abteilung. Viele andere Klubs in der Liga haben mehr Geld. Wir machen das alles selbst - mit unserem Trainerstab und unserem Sportdirektor Sead Mehic. Ich schaue mir natürlich viele Videos an, aber ich bin gerne live im Stadion. Da sieht man doch mehr. Außerdem hilft es, ein „Netzwerk“ zu haben.

Seit 2014 geht der Südwesten in Aufstiegsspielen leer aus. Warum dieses Mal nicht?

Reck: Weil wir dieses Mal an der Reihe sind.

Welche Folgen hätte ein Scheitern im Rennen um die Rückkehr in die 3. Liga für Ihren Klub?

Trares: Auch damit beschäftige ich mich nicht. Das sind alles Zukunftsfragen, die tangieren mich zurzeit überhaupt nicht.

Reck: Das ist für mich weit weg. Ich will erstmal in die Relegationsspiele kommen.

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