Dreierkette bewährt sich

Systemumstellung bei OFC-Team macht Hoffnung

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Francesco Lovric (links, gegen den Elversberger Koffi) ist beim OFC einer der Gewinner der Umstellung auf die Dreierkette, in der er den rechten Part spielt. Vorher war er oft nur Ersatz.

Offenbach - Nur zwei Punkte hatte Kickers Offenbach nach den ersten vier Saisonspielen auf dem Konto, nach dem ersten Rückrundenspiel sind es bereits drei. Und am Sonntag (14 Uhr) kommt Schlusslicht Walldorf. Von Christian Düncher

Es hat eine Weile gedauert. Genauer gesagt: 18 Spiele. So lange haben die Offenbacher Kickers benötigt, um offenbar das optimale System zu finden. Der vor der Saison verpflichtete Trainer Daniel Steuernagel hatte zu Beginn auf eine Viererkette mit hoch stehenden Außenverteidigern gesetzt. Das klappte mal mehr, mal weniger gut. Vor allem waren die Kickers anfällig, wenn sie in der eigenen Hälfte den Ball verloren. Das kostete sie einige Punkte.

Steuernagel hat inzwischen reagiert – mit einer Systemumstellung. „Wir haben die Erkenntnisse der vergangenen Wochen und Monate einfließen lassen“, hatte er gesagt, nachdem im Freundschaftsspiel gegen den Erstligisten Mainz 05 (1:2) erstmals die Dreierkette getestet worden war. Mit Erfolg.

Im ersten Rückrundenspiel in Elversberg folgte nun der Praxistest. Und auch der wurde bestanden. Die Kickers, im Hinspiel (1:1) bereits früh von Teilen der Fans ausgepfiffen, siegten 1:0. Und zwar nicht unverdient, wie der Trainer betonte: „Die Umstellung hat sich bewährt.“ In der Tat weckt das neue System Hoffnung auf eine erfolgreichere zweite Saisonhälfte.

Die Vorteile sind offenkundig. Die „Restverteidigung“ klappt bei gegnerischen Kontern deutlich besser. Und: Das System kann je nach Spielweise des Gegners problemlos variiert werden. In Elversberg begann der OFC im 3-4-3, später wurde auf 3-5-2 umgestellt. Ebenfalls mit Erfolg. Die Doppelspitze Maik Vetter (Vorlage) und Florian Treske (Tor) sorgte für das Siegtor. Ohnehin scheint Vetter im Sturm besser aufgehoben als auf dem rechten Flügel. Auch der vor der Saison geholte Außenverteidiger Julian Scheffler, in der Hinrunde noch schwankend, fiel gegen Mainz sowie in Elversberg als Einwechselspieler positiv auf. Sein rechter Gegenpart Jan Hendrik Marx, vorher ungewohnt unsicher, war ebenfalls ein Aktivposten.

Die Umstellung auf Dreierkette war schon länger geplant. „Zuvor mussten wir jedoch erst einige Basics abarbeiten“, erklärte der Trainer. Steuernagel war vor der Saison davon ausgegangen, dass die Spieler gut zu dem anfangs praktizierten System passen würden. Doch diese Variante erfordert neben defensiver Disziplin und Positionstreue einen hohen läuferischen Einsatz. Offenbar waren nicht alle bereit oder in der Lage, dies zu leisten. Die Umstellung ist daher auch als Reaktion darauf zu werten. Steuernagel setzt fast nur noch auf die Fraktion der Willigen und passte das System entsprechend an.

Öffentlich hält der Trainer die Hand über seine Spieler. „Es gibt keinen, der sich hängen lässt“, betont er immer wieder. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass keineswegs alle Akteure so mitziehen, wie man es von einem Profi erwarten sollte. Da gab es zum Beispiel den Spieler, der samstags kurzfristig in den Kader rutschen sollte, jedoch bereits freitags heimgefahren war. Oder den, der nach einer Pause mit deutlichem Übergewicht ins Training zurückkehrte. Und einen, der sich über seine Reservistenrolle ärgerte, versuchte, den Trainer mit dem Ball abzuschießen. Kein Wunder, dass es Überlegungen gibt, in der Winterpause personell etwas zu ändern, sofern es die finanzielle Situation zulässt.

OFC-Rückrundenauftakt in Elversberg: Bilder

Laut Sportdirektor Sead Mehic haben „drei, vier Spieler angefragt, ob ein Wechsel im Winter möglich sei“. Namen nannte er nicht, der Kreis der möglichen Kandidaten ist aber überschaubar: Ersatztorwart Sebastian Brune, Christos Stoilas, Semih Sentürk, Serkan Göcer, Ihab Darwiche und Niklas Hecht-Zirpel hatten sich diese Saison anders vorgestellt. Auch Marco Ferukoski und Gerrit Gohlke werden auf mehr Einsatzzeiten gehofft haben.

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