Teil zwei: Christopher Fiori im großen OP-Interview

„Nächste Saison brauchen wir eine schlagkräftige Mannschaft“

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Christopher Fiori mit Präsident Helmut Spahn.

Offenbach - Nach drei Monaten als Geschäftsführer beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach zieht Christopher Fiori ein erstes Fazit. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht er über die Wiederbelebung des Marketings, das Vermarktungspotenzial in der Regionalliga und mögliche Investoren. Von Jochen Koch und Jörg Moll

Zum ersten Teil des Interviews gelangen Sie hier.

Wie viel Prozent Potenzial für die 4. Liga sehen Sie?

Ich denke schon, dass 20 Prozent mehr möglich sind, um auf 1,2 Millionen Euro Vermarktungsumsatz zu kommen. Aktuell sind wir bei etwa einer Million.

Wie denken Sie über einen Einstieg eines Investors?

Ich bin dem gegenüber grundsätzlich nicht verschlossen. Aber es muss mit Vernunft gemacht werden. Das Abschreckbeispiel ist 1860 München, das ist Holzhammer-Management im großen Stil. Aber ein Klub braucht Kapital, um nicht immer auf dünnem Draht zu balancieren.

Gerade in den unteren Ligen geht es im Bereich Investoren oder Mäzene nur über Beziehungen, wie beim TSV Steinbach. Oder mit einer Perspektive wie in Leipzig, wo ein Standort auf dem Tiefpunkt war.

Diese Karte können wir sicher auch spielen. Wenn man es mit einem Aktienpreis vergleicht, ist unsere Aktie schon so günstig, dass es für einen Investor interessant ist. Aber man sieht etwa an Carl Zeiss Jena, das einen belgischen Investor hat, dass es nicht automatisch eine Erfolgsgeschichte wird.

Was macht den OFC für Investoren interessant?

Unsere Trümpfe sind das moderne Stadion und die Fans. Wir haben für einen Regionalligisten immer noch einen Top-Zuschauerwert. Da ist eine starke Treue da, auch in schlechten Zeiten. Zudem haben wir unsere Zukunft nicht verkauft, etwa die Marketingrechte. Da haben wir alle Zügel in der Hand.

Sie selbst haben im Nahen Osten ein Hallenprojekt mitrealisiert. Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht? Ist es denkbar, dass sich aus dieser Richtung Investoren in die Regionalliga bewegen?

Ausschließen würde ich nichts, aber meine Erfahrung ist, dass dort immer nur „Premium, Premium, Premium“ zählt. Deswegen ist der Flughafen Doha jetzt auch Partner des FC Bayern.

Der OFC wurde zuletzt oft als gespalten bezeichnet. Hier der Verein, dort die GmbH. Teilen Sie diese Ansicht?

Dieses „Problem“ gibt es bei vielen Klubs, etwa bei der Eintracht, bei der AG und e.V. mit Stadion und Riederwald sogar räumlich getrennt sind. Das gibt es bei uns nicht. Es gab aber bei uns Präsidien und Geschäftsführer, die das sehr klar getrennt haben. Ich glaube, dass das nicht guttut. Wir müssen zeigen, dass wir ein Verein sind, in dem die 1.Mannschaft die Lokomotive sein muss. Ich glaube sogar im Gegenteil, dass sich das Verhältnis mehr befruchten kann. Welcher Regionalligist hat ein zertifiziertes Nachwuchsleistungszentrum? Da kannst du einem Sponsor sagen: Hier kannst du dich unmittelbar für Jugendliche engagieren.

In der Zuschauertabelle steht der OFC ganz vorne. Trotzdem liegt er beim Kartenverkauf unter dem Etatansatz. Was bedeutet das für die Planung?

Wir liegen leicht unter dem Ansatz. Gründe dafür sind sicher der Neun-Punkte-Abzug und der nicht ganz glückliche Spielplan. Aber wir müssen einfach mehr Aktionen starten, um mehr Leute ins Stadion zu bringen. Wir müssen an Schulen gehen, wenn wir künftig Fans haben wollen. Wir haben ja kein Kapazitätsproblem. Von jedem der kommt, selbst wenn er eine Freikarte hat, haben wir etwas.

Können Sie Trainer Oliver Reck für die Rückrunde mit neuen Spielern unter die Arme greifen?

Da gibt es Ideen. Dass wir auf der Sturmposition gerne was machen würden, wurde schon thematisiert. Wenn wir etwas machen, muss es allerdings ein Spieler sein, der sofort weiterhilft - aber auch nächste Saison da ist.

Sie sind angetreten mit der Vision, den OFC zur Nummer zwei in Hessen machen zu wollen. Jetzt gibt es das Szenario, dass der OFC die Nummer zwei im Kreis Offenbach werden könnte, wenn Hessen Dreieich aufsteigt. Ist das ein ernstzunehmender Konkurrent?

Sportlich sicherlich, aber ich vermag keine Zehn-Jahres-Prognose zu stellen und erinnere an das Beispiel Eschborn. An vorhandenen Strukturen ist der OFC sicher noch deutlich stärker. Wir haben mehr Partner, die mit uns durch dick und dünn gegangen sind. Der SC Hessen hat mit Hans Nolte einen sehr starken Förderer. Solche Engagements für den Fußball sind ehrenwert und zu begrüßen. Die Frage ist aber, was passiert, wenn er mal ein anderes Hobby hat.

Wo sehen Sie den OFC am Ende dieser Saison?

Ich hoffe auf einem in der Mitte der Tabelle befindlichen Nichtabstiegsplatz.

Und am Jahresende?

Da darf es gerne weiter vorne sein. Nächste Saison brauchen wir eine schlagkräftige Mannschaft. Dafür müssen wir ein paar Kilometer mehr machen als andere. Wir brauchen einfach ein gutes Händchen, müssen akribisch arbeiten, um mit geringeren Mitteln eine gute Truppe zusammenzubekommen.

Wird es wieder einen großen Umbruch im Kader geben?

Nein, das wollen wir nicht. Wir haben eine Achse an guten Spielern, von Stefano Maier über Marco Rapp, Serkan Firat oder Dren Hodja. Darum herum wollen wir das Team gut ergänzen.

Der Blick geht also wieder Richtung 3. Liga?

Es muss in diese Richtung gehen, klar.

Bilder: Kickers gewinnen Testspiel in Sandhausen

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