Kickers Offenbach

Transfer-Krimi mit Happy End für den OFC

Weiß, wie man aufsteigt: Stürmer Philipp Hosiner (vorne) schaffte mit Dynamo Dresden den Sprung in die 2. Liga. Dort kam der ehemalige österreichische Nationalspieler diese Saison aber nur achtmal zum Einsatz.
+
Weiß, wie man aufsteigt: Stürmer Philipp Hosiner (vorne) schaffte mit Dynamo Dresden den Sprung in die 2. Liga. Dort kam der ehemalige österreichische Nationalspieler diese Saison aber nur achtmal zum Einsatz.

Bei Fußball-Regionalligist Kickers Offenbach ist die Freude über die jüngsten zwei Transfercoups groß, auch weil sich die Verpflichtung Philipp Hosiners als schwierig erwies. Die Personalplanung ist damit vorerst abgeschlossen, heißt es. Und finanziell sei alles abgesichert.

Offenbach – Es ist ein Mischung aus Stolz, Freude sowie Erleichterung, die in den Worten von Thomas Sobotzik mitschwingt. „Wir sind sehr zufrieden, zumal wir von beiden Spielern absolut überzeugt sind“, sagt der Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach mit Blick auf die bemerkenswerten Wintertransfers, die der OFC am Dienstagabend verkündet hatte. Paul Milde war immerhin Stammspieler beim Ligarivalen TSV Steinbach Haiger und Philipp Hosiner spielte zuletzt in der 2. Liga für Dynamo Dresden, also zwei Klassen höher. Seine Verpflichtung sorgte nicht nur für einige Schlagzeilen, sie war auch ein echter Krimi.

Den österreichischen Stürmer zum OFC zu lotsen, sei „grundsätzlich schwierig“ gewesen, sagte Sobotzik. „Die Chance, ihn zu bekommen, war nicht groß.“ Zumal es in Drittligist Viktoria Köln offenbar mindestens einen Mitbewerber gab. Am kritischsten war laut Sobotzik die Phase ab dem vergangenen Wochenende. Da hatte sich Hosiner mit Dresden auf die Vertragsauflösung geeinigt - und prompt war das Interesse der Kickers am Angreifer publik geworden. „Bis dahin war alles geheim abgelaufen“, betonte der OFC-Geschäftsführer. „Und solange noch nichts unterschrieben ist, passieren oft viele Dinge. Letztlich ging es aber gut aus.“ Das gilt auch für den Fall Milde.

Sobotzik und Trainer Sreto Ristic, die den 26 Jahre alten Sohn des Ex-Bundesligaspielers Rocco Milde (52, VfL Bochum, Hansa Rostock) ebenso wie Hosiner aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Chemnitzer FC kennen, wollten den Außenverteidiger schon vor der Saison verpflichten. „Damals hatte das Timing nicht ganz gepasst. Ich hatte noch keine Freigabe für den Etat und er musste sich entscheiden“, erinnert sich der Chef der Kickers GmbH. Nun habe sich die Möglichkeit eines Wechsels ergeben, Spieler und Berater hätten dafür „auf Dinge verzichtet“. Über die Ablösemodalitäten haben beide Vereine Stillschweigen vereinbart.

Joachim Wagner, Präsident und Aufsichtsratschef der Kickers, sprach im Fall Milde von einem „schlüssigen Gesamtpaket“. Bei Hosiner war hingegen in den Medien über ein für Regionalliga-Verhältnisse üppiges Monats-Salär im fünfstelligen Bereich spekuliert worden. Wagner stellte dazu klar: „Es geht ihm nicht ums Geld, es geht ihm ums Projekt.“ Und Sobotzik betonte: „Natürlich ist es ungewöhnlich, so einen Spieler zu bekommen. Aber er sprengt grundsätzlich nicht unser Gehaltsgefüge. Das will ich ganz dick unterstreichen.“

Beide Funktionäre wiesen darauf hin, dass die zwei Zugänge „querfinanziert“ seien und den Etat daher nicht belasten würden. Die Transfers kamen laut Sobotzik „durch das zusätzliche Engagement unserer Partner zustande“. Es könne auch nicht von einem finanziellen Drahtseilakt die Rede sein. „Wir gehen kein Risiko ein, wir machen alles mit dem nötigen kaufmännischen Bewusstsein“, stellte Wagner klar.

Das Zeichen, das der OFC mit den zwei Transfers setzt, ist deutlich: Der Tabellendritte will nichts unversucht lassen, um den Aufstieg zu schaffen. Vor allem die Verpflichtung des Österreichers Hosiner (32 Jahre, fünf Länderspiele/zwei Tore, 15 Erstligaspiele/ein Tor) ruft bei den Fans große Erwartungen hervor. „Er wird uns nicht alleine in die 3. Liga schießen, er wird sich als ein Puzzleteil einfügen und einordnen“, so Wagner. Aber auch beim Kickers-Boss ist die Freude über diesen Transfercoup spürbar: „Wir sind extrem glücklich, dass wir einen solchen Spieler aus der 2. Liga für unser Projekt gewinnen konnten. Das ist außergewöhnlich und überragend für einen Verein wie uns.“ Vor zwei Jahren sei das noch undenkbar gewesen. „Es ist eine große Leistung von Thomas Sobotzik und Sreto Ristic, dass sie den Spieler überzeugt haben.“

Sobotzik glaubt, dass es für Hosiner eine große Rolle gespielt habe, „mit wem er zusammenarbeitet und was ihn erwartet. Er hat sich sehr viel damit beschäftigt, was er machen will, und traut uns zu, dass er mit uns etwas erreichen kann“. 2019 hatte Sobotzik den „Vollblutstürmer“ schon mal von einem Projekt überzeugt und vom SK Sturm Graz zum damaligen Drittligisten Chemnitzer FC geholt. Ristic war seinerzeit für zwei Spiele Interimstrainer.

Mit der Verpflichtung von Hosiner und Milde sind die Transferaktivitäten des OFC für diese Saison vorerst abgeschlossen. „Wir werden nicht weiter aktiv suchen“, so Sobotzik. „Sollte es Abgänge geben, müssten wir die Situation neu bewerten. Wir werden mit dem aktuellen Kader die Vorbereitung bestreiten.“ Man werde auch keinen Spieler aussortieren oder ihm auf andere Weise einen Wechsel nahelegen: „Wer mit seiner Situation leben kann und so mitzieht, wie wir uns das vorstellen, ist ein vollwertiges Mitglied unseres Kaders. Es ist niemand dabei, der sich nicht korrekt verhält.“ Und es gab auch noch keinerlei Wechselwünsche. So werden die Kickers aller Voraussicht nach mit einem 23-Mann-Kader am Sonntags ins Trainingslager in die Türkei reisen. Nur die Verletzten Malte Karbstein (Reha nach Sehnenverletzung), Elia Soriano (Kreuzbandriss), Moody Chana (Riss der Achillessehne) sowie Christian Stark (Leistenoperation) bleiben zu Hause.

Von Christian Düncher

Paul Milde (rechts) spielte für Chemnitz in der 3. Liga. Er kommt vom TSV Steinbach Haiger zum OFC.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare