OFC hätte laut RTL nicht aus 2. Liga absteigen müssen

TV-Bericht reißt bei den Kickers alte Wunden auf

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20. März 2008 auf dem Betzenberg: Die Offenbacher Kickers gehen beim 1.FC Kaiserslautern durch Moses Sichone (Mitte, dunkles Trikot) in 1:0 in Führung. Den „Roten Teufeln“ gelang aber noch der Ausgleich. Der OFC stieg am Ende der Saison aus der 2. Bundesliga ab, Kaiserslautern hielt mit einem Punkt mehr die Klasse. 

Offenbach - Beim Abstieg der Offenbacher Kickers 2008 aus der 2. Fußball-Bundesliga ging es nicht mit rechten Dingen zu. Das behaupten zumindest zwei Reporter in einem Beitrag, der gestern im „RTL Nachtjournal“ ausgestrahlt wurde. Demnach hätte der 1. FC Kaiserslautern stattdessen absteigen müssen. Von Christian Düncher 

Es sind schwere Vorwürfe, die in dem TV-Beitrag „Der Betze brennt - hätte der 1.FC Kaiserslautern 2008 absteigen müssen?“ erhoben werden. Und sie betreffen indirekt auch die Offenbacher Kickers, die damals am letzten Spieltag durch eine 0:3-Pleite in Osnabrück erstmals in dieser Saison auf einen Abstiegsplatz rutschten und nach drei Spielzeiten im Unterhaus den Gang in die 3. Liga antreten mussten. Davon hat sich der OFC bis heute nicht erholt.

Umso bitterer machen diesen sportlich vermeidbaren Abstieg die Ergebnisse der Recherche der zwei RTL-Reporter Sascha Szebel und Wolfram Kuhnigk. Sie verweisen auf Dokumente, die belegen, dass der FCK von Februar bis Juni 2008 die monatliche Stadionmiete in Höhe von jeweils 317.000 Euro nicht bezahlt habe - zusammen weit über eine Millionen Euro. Zudem bestätigte ein Wirtschaftsprüfer, dass der Club ein existenzielles Liquiditätsproblem hatte. Die Reporter kommen zu dem Schluss, dass die „Roten Teufel“ Insolvenz hätten anmelden müssen – mit der Folge, dass sie abgestiegen wären und der OFC die Klasse gehalten hätte.

Die damals Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern, Aufsichtsratschef Dieter Buchholz und der Vorstandsvorsitzende Erwin Göbel, stritten die Insolvenzsituation 2008 ab. Aufsichtsratchef Buchholz gegenüber RTL: „Wenn es wirklich Insolvenzverschleppung wäre, ist es nicht meine Sache, sondern Sache der Vorstände.“ Der Vorstandsvorsitzende Göbel wiederum wollte von den Mahnungen der Stadiongesellschaft nichts gewusst haben: „Mir ist es nicht bekannt, dass es angemahnt worden ist.“, zitiert der TV-Sender Göbel.

Der 1.FC Kaiserslautern sowie die Deutsche Fußball Liga wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung zunächst nicht äußern - am Freitagnachmittag gab es dann offizielle Stellungnahmen. Die Offenbacher Kickers kündigten unterdessen an, gegebenenfalls rechtliche Schritte prüfen zu wollen. OFC-Präsident Helmut Spahn wollte zunächst die „Ernsthaftigkeit und Belastbarkeit“ der Informationen prüfen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müsse man sich „mit unseren Juristen zusammensetzen und überlegen, „welche Schritte wir gehen“. Dabei geht es auch um Schadenersatzansprüche. Wie hoch diese sein könnten, lässt sich nur schätzen. „Da reden wir sicher über einen ordentlichen siebenstelligen Betrag“, wird Spahn in einer RTL-Pressemitteilung zitiert. Weiter sagt er: „Ich will Gerechtigkeit für unseren Verein. Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein.“ 

Thomas Kalt, damals OFC-Vizepräsident, macht seinem Ex-Verein aber wenig Hoffnung. „Diese Meldung reißt nur Wunden auf, wird den Kickers aber wohl leider nicht nutzen“, sagte der spätere Geschäftsführer des OFC, der inzwischen als Marketing-Vorstand bei Drittligist RW Erfurt tätig ist. Kalt erinnert sich aber daran, dass die Situation beim FCK „sehr ärgerlich“ gewesen sei. So habe es das Land Rheinland-Pfalz dem Verein durch Fördergelder ermöglicht, sich zu verstärken. „Das kommt jetzt alles wieder hoch – auch wie wir ansehen mussten, wie Kaiserslautern an uns vorbeigezogen ist“, sagt der ehemalige OFC-Funktionär und betont: „Der Abstieg war damals ein großer Einschnitt.“ In der gleichen Saison bekam die TuS Koblenz, am Samstag Gastgeber des OFC in der Regionalliga, übrigens zunächst wegen Lizenzverstößen acht Punkte abgezogen. Die Strafe wurde später um zwei Zähler reduziert. Am Ende hatte die TuS drei Punkte Vorsprung. Den kompletten TV-Bericht sehen Sie hier (ab Minute 13:30).

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