Über Einsatzwillen zur Spielfreude 

Kickers präsentieren sich fußballerisch verbessert

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Drei gegen einen: Im Nachbarschaftsduell zwischen dem OFC und dem FSV Frankfurt ging es in den Zweikämpfen kernig zur Sache. In diesem Fall hält OFC-Stürmer Varol Akgöz gegen die Bornheimer Andreas Pollasch (von links), Robert Schick und Javan Torre Howell dagegen. Hinten schaut noch FSV-Kapitän Alban Sabah zu.

Offenbach - Die Offenbacher Kickers können sich mit den nächsten Spielen gegen vermeintlich schwächere Teams eine gute Ausgangsposition im Rennen um Platz zwei verschaffen. Dafür braucht es zum einen die richtige Einstellung. Darüber hinaus sollte der OFC aber auch fußballerisch so weitermachen wie zuletzt.  Von Daniel Schmitt 

Wer an Regionalliga-Fußball denkt, dem dürften im ersten Moment über die Grasnarbe grätschende Profis, hechelnde Dauerrenner mit vor Anstrengung herabhängenden Zungen oder knallharte, giftige Wadenbeißer durch den Kopf schießen. Viertligafußball, damit gewinnt man in der Regel keinen Schönheitspreis. Das ist Kampf, Wille, Leidenschaft. Kein Schnickschnack. Einerseits.

Andererseits gehört weitaus mehr dazu, um erfolgreich zu sein. Bestes Beispiel: die Offenbacher Kickers. Gerade bei den vergangenen beiden 3:1-Erfolgen im eigenen Stadion gegen den Mainz 05 II und auswärts beim FSV Frankfurt zeigten die OFC-Profis eine Eigenschaft, die trotz des guten zweiten Platzes in dieser Saison bisher nicht immer zum Vorschein kam: ihr fußballerisches Können.

„Es funktioniert im Moment ganz gut“, sagt auch Sead Mehic. Was der Offenbacher Sportdirektor damit meint, ist am besten am sehenswerten 1:0 gegen den FSV erklärt. 20 Offenbacher Stationen waren es da, ehe der Schuss von Ko Sawada im Netz zappelte. Genau 52 Sekunden lang waren nur die Kickers am Ball, bis auf Linksverteidiger Christos Stoilas wurden alle Spieler in die Kombination mit eingebunden – selbst Torhüter Daniel Endres baute von hinten heraus seelenruhig mit einem Doppelpass mit Marco Rapp den Angriff auf.

„Der Trainer fordert es immer wieder, dass die Jungs spielerische Lösungen finden. Wir müssen uns das noch mehr zutrauen, dann werden wir auch häufiger belohnt“, sagt Sportdirektor Mehic. Kapitän Endres, dem nicht selten in dieser Saison nach engen, aber meist gelungenen Aktionen mit dem Fuß ein Raunen der Fans entgegenschallte, ergänzt: „Wir wissen, dass das auch mal in die Hose gehen kann. Aber es ist wichtig, es zu probieren.“

Die zuletzt immer deutlicher werdende spielerische Note im OFC-Spiel hat auch mit einigen kleinen Anpassungen der Taktik zu tun. So drängten die offensiven Außenspieler Serkan Firat und Ko Sawada zuletzt doch deutlich sichtbar in die Mitte. Immer wieder boten sie sich für den vertikalen Pass bis kurz vor die gegnerischen Verteidiger an und schufen damit Freiräume für die Außenverteidiger. Stoilas auf links und vor allem Jan-Hendrik Marx auf rechts wussten diese zu nutzen, stießen nach vorne, setzten die gegnerischen Abwehrspieler unter Druck – so bereitete Marx unter anderem das 2:1 von Maik Vetter beim FSV mit einem schönen Flankenlauf bis zur Grundlinie vor.

Bilder: OFC zum Derby in Frankfurt

„Wenn wir viel Bewegung auf dem Feld haben, dann steigt automatisch die Spielfreude und das Selbstvertrauen“, erklärt Mehic. Dies sei vor allem mit Blick auf die kommenden Aufgaben wichtig. Am Sonntag (13 Uhr) zu Hause gegen Wormatia Worms, danach in Walldorf, gegen Koblenz und in Stadtallendorf trifft der OFC durchweg auf Teams aus der unteren Tabellenhälfte, die eins gemeinsam haben dürften: Sie werden den Kickers weitestgehend den Ball überlassen und abwarten, was der Tabellenzweite damit anzufangen weiß.

„Gerade in diesen Spielen wird es noch wichtiger sein, dass wir uns viel bewegen. Wir haben genügend schnelle und flinke Spieler, die sich in Eins-gegen-eins-Situationen auch mal durchsetzen können“, sagt Mehic und fügt dann an: „In erster Linie wird es deshalb wichtig sein, dass wir den richtigen Willen mitbringen, das Spielerische kommt dann automatisch.“ Typischer Regionalliga-Fußball eben. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

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